So kann Flatrate-Fliegen funktionieren

14.12.2015 - 13:28 0 Kommentare

Mit "Flatplane" soll das Abo für Flugreisen kommen. Die erste Reaktion: Blödsinn, wie soll sowas denn gehen? Aber aufgepasst, die Idee ist gar nicht so blöd, meint airliners.de-Chefredakteur David Haße. Ein Gedankenflug.

Passagiere warten am Airport in Stuttgart. - © © dpa - Marijan Murat

Passagiere warten am Airport in Stuttgart. © dpa /Marijan Murat

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Das deutsche Startup "Flatplane" will mit dem "Flug-Abo für Europa" nichts weniger als das Fliegen revolutionieren. "So ein Quatsch", werden jetzt einige sicher sagen. Dass sowas wirtschaftlich nicht tragfähig ist, weiß doch seit American Airlines jeder in der Branche: "Lange nicht so gelacht!" Aber überlegen wir mal...

Klar, der "AAirpass" ist allgemein bekannt als "die schlechteste Idee der Airline-Geschichte". Die mit 250.000 Dollar nur auf den ersten Blick recht teure Flug-Flatrate der Amerikaner mutierte nämlich spätestens durch die Meilensammelei schnell zu einer Art "Lebens-Flatrate" auf Kosten der Fluggesellschaft.

Viel weiß man zwar noch nicht über das neue "Flatplane"-Startup, aber eines ist sicher: Mit dem "AAirpass" hat das Konzept nichts, aber auch gar nichts gemein:

  1. Der Anbieter ist keine Airline
  2. Es ist gar keine "richtige" Flatrate

Stattdessen gibt verschiedene Pakete für maximal rund 100 Euro pro Monat, die jeweils nur zu einer bestimmten Anzahl von Flügen pro Jahr berechtigen. Und die muss man auch noch ein paar Wochen vorher buchen.

"Was soll der Blödsinn?", fragt sich nun also auch der Geschäftsreisende: "Ich muss jede Woche nach München und zurück! Und dann ab und zu kurzfristig sonst wo hin. Das geht ja da gar nicht. Ich will eine "Bahncard 100" für die Lufthansa!" Die gibt es freilich aus gutem Grund nicht, warum auch? Diese Leute fliegen sowieso. Und darum sind Flatrates klassischerweise ohnehin nichts für Hardcore-Kunden im Premium-Bereich.

Es gibt nur wenige echte Flatrates

"Flatrate-Saufen" und "Flatrate-Fressen" im All-Inclusive-Bunker auf Mallorca haben nicht ohne Grund einen eher schlechten Ruf. Was diese Angebote eint ist einfach zu erkennen: In der Regel wäre weder die Bar noch das Hotel anders zu füllen und wichtiger noch: Es sind echte Flatrates. Bis zum Umfallen nutzbar und morgen gleich nochmal. Damit ist aber niemandem wirklich geholfen.

Schauen wir uns lieber die erfolgreichen und etablierten Flatrate-Angebote an. Die sind immer an der ein oder anderen Seite begrenzt. Die Internet-Flatrate kann in verschiedenen maximalen Download-Geschwindigkeiten bestellt werden. Wer nur E-Mails checkt, braucht nämlich gar keine 250-Mbit-Leitung. So können bestimmte Bedürfnisse verschiedener Kundengruppen zu jeweils vernünftigen Preisen abgedeckt werden. Wichtig ist aus Anbietersicht nur eins: Den Leuten den Konsum so einfach wie möglich machen - dann werden sie insgesamt mehr bezahlen als ohne "Flatrate".

Beispiele dafür gibt es wie Sand am Meer, eines soll reichen: Außer absoluter Film-Freaks hat wohl früher auf das Jahr gerechnet kaum jemand so viel Geld in der Videothek ausgegeben, wie man es neuerdings im Netflix-Abo tut. Obwohl es dort nicht alle Filme gibt, ist es einfacher, als im Regen zur Videothek zu laufen. Und dass im Gegenzug immer öfter das Kabelfernsehen abgeschafft wird, haben viele Kabelanbieter vorhergesehen und sich als Internetanbieter positioniert. Natürlich mit Daten-Flatrate - inklusive Kabelfernsehen und Telefonie. Zack, im Paket gekauft.

Gelegenheitsreisende werden im Abo mehr fliegen

Bei "Flatplane" kann man nun also nicht jeden Tag einfach einsteigen und hemmungslos um die Welt düsen. Das ist aber auch nicht schlimm. Wer sowas braucht, der kann an einem Businessjet-Ownership-Programm teilnehmen. Denken wir stattdessen an den stinknormalen Gelegenheitsflugreisenden - und das sind im Billigflug-Zeitalter echt viele.

Den meisten dieser Kunden ist nämlich einerlei, wohin genau die Reise gehen soll. Hauptsache raus aus dem Alltag und das so einfach wie möglich zu einem annehmbaren Preis. Welche Airline dabei die Transportdienstleistung erbringt, ist den meisten Passagieren ohnehin egal.

© dpa, Caroline Seidel Lesen Sie auch: Fluggesellschaften sind aus Kundensicht komplett austauschbar

Eine airlineübergreifende Gelegenheits-Flatrate fürs Fliegen kann vor diesem Hintergrund durchaus interessant sein. Kein langes Rumsuchen auf irgendwelchen Webseiten von verschiedenen Fluggesellschaften mit ihren unübersichtlichen Schnäppchenpreis-Restriktionen bedeutet für dieses Klientel einen echten Mehrwert. Wenn dann auch noch der Monatspreis stimmt, fliegt man eben statt bislang zu ein oder zwei Gelegenheiten pro Jahr zukünftig im Abo vier Mal irgendwo hin.

Ob nun tatsächlich mit "Flatplane" oder irgendwie anders: Am Ende kann Flatrate-Fliegen der Branche vielleicht doch noch ein echtes Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Von: dh
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