So will Eurowings auf der Lowcost-Langstrecke bestehen

16.11.2015 - 10:37 0 Kommentare

Profitabel operieren und wachsen - mit dem Fokus auf Privatreisen und entsprechenden Routen will Eurowings auf der Langstrecke schaffen, was andere Billigflieger bereits vergeblich versucht haben.

Lufthansa-Vorstand Karl Ulrich Garnadt steht zwischen zwei Flugbegleiterinnen der Eurowings.

Lufthansa-Vorstand Karl Ulrich Garnadt steht zwischen zwei Flugbegleiterinnen der Eurowings.
© dpa - Oliver Berg

Eine A330 der Eurowings wird am Flughafen Köln/Bonn beladen.

Eine A330 der Eurowings wird am Flughafen Köln/Bonn beladen.
© dpa - Oliver Berg

Passagiere am Airport Köln/Bonn machen sich auf den Weg zu ihrem Eurowings-Flug.

Passagiere am Airport Köln/Bonn machen sich auf den Weg zu ihrem Eurowings-Flug.
© dpa - Oliver Berg

Lufthansa hat in Köln/Bonn damit begonnen, die ersten Langstreckenflüge mit der neuen Lowcost-Marke Eurowings zu fliegen. Was als Experiment beginnt, soll der Lufthansa Group zukünftig Wachstum auf dem hoch umkämpften Markt im Economy-Segment auf der Langstrecke sichern.

Bereits seit einiger Zeit sehe man Indikatoren, dass die Zeit für Lowcost-Langstreckenbetrieb reif sei, sagte Karl Ulrich Garnadt jetzt auf einer Veranstaltung des Luftfahrt Presseclubs am Flughafen Köln/Bonn. Der Noch-Passage-Vorstand soll bei der Lufthansa Group zum Jahreswechsel das neue Vorstandsressort für Eurowings leiten.

Fluggesellschaften etwa aus den Golfregionen würden vormachen, wie man bei der richtigen Kostenbasis enorme Economy-Sitzplatzkapazitäten über den Preis am Langstreckenmarkt absetzen könne. Man habe sich daher bei der Lufthansa die Frage gestellt: "Was will der Kunde?" Für rund 50 Prozent der Fluggäste im touristischen Segment sei bei ihren Reiseplanungen ausschließlich der Preis entscheidend.

Wir brauchen immer etwas länger, ehe wir Trends in Businesskonzepte umsetzen.

Karl Ulrich Garnadt

Um Lowcost erfolgreich auf der Langstrecke zu betreiben, will Lufthansa nun bei Eurowings vor allem auf Destinationen setzen, die für Privatreisende attraktiv sind. Gerade am Anfang helfen der Eurowings zudem recht große Veranstalterkontingente, die Flugzeuge zu füllen. Auf rund die Hälfte bezifferte Garnadt die über Reisevermittler eingebuchten Kapazitäten. Die zweite Hälfte kommt im Einzelplatzverkauf über die eigenen Onlinevertriebswege. "Wir versuchen den Spagat – und wir werden sehen ob es funktioniert."


Eurowings ist ein Marketing-Konstrukt

  • Unter der neuen Lufthansa-Lowcost-Marke "Eurowings" fliegen viele Fluggesellschaften. So will Lufthansa schnell die drittgrößte Lowcost-Marke Europas nach Ryanair und Easyjet aufbauen.
  • Die "alte" Eurowings in Düsseldorf ist dabei für alle Flüge der Vertragspartner der Kunden. Sie stellt das "Master AOC" für den Flugbetrieb und betreibt selbst etliche Flugzeuge.
  • Zu den Airlines, die im Auftrag der Eurowings fliegen, gehören etwa Germanwings, Sunexpress Deutschland und Tui. Weitere Fluggesellschaften sollen folgen. In Österreich etwa kommt die Eurowings Europe hinzu.
  • Die Eurowings Commercial und Service GmbH in Köln organisiert derweil das Marketing. Zudem sitzt hier die Flugplanung und das Management, das sich unter anderem auch um die Abrechnung zwischen allen beteiligten Gesellschaften kümmert.

Um einen erfolgreichen Lowcost-Langstreckenbetrieb aufzubauen, gehe es aber nicht nur um Einsparungen beim Personal, passende Destinationen und Distributionskanäle, so Garnadt. Man müsse das richtige Fluggerät am richtigen Flughafen stationieren. So setzt die Lufthansa nicht ohne Grund auf den Airbus A330: "Es gibt viele A330 am Markt, das macht das Flugzeug im Betrieb günstig", erläuterte Garnadt. Zusammen mit einem guten Konzept bei der Sitzplatzkonfiguration sei das die "halbe Miete".

© Eurowings, Lesen Sie auch: Eurowings setzt bei Langstrecke auf touristische Ziele und drei Tarife

Am Boden habe man sich derweil aufgrund des großen Einzugsgebiets für Köln/Bonn als Basis für das Experiment Lowcost-Langstrecke entschieden, so Garnadt. Das Thema Zubringerflüge steht derweil unter Beobachtung: "Wir werden sehen, ob Umsteigesysteme zur Langstrecke zu komplex sind oder nicht." Derzeit soll rund ein Drittel der Eurowings-Langstreckenpassagiere mit Germanwings nach Köln fliegen.

Die Kunden haben heute im Internet die komplette Transparenz. Das verändert alles.

Karl Ulrich Garnadt

Allerdings profitiert Eurowings offenbar auch vom Angebot anderer Billigflieger am Platz. Man habe erstaunt festgestellt, dass etliche Langstreckenpassagiere auch ohne Germanwings-Zubringer von weit entfernt anreisen, so Garnadt: "Dass die Menschen mit Ryanair kommen, um mit uns nach Miami weiter zu fliegen, ist ein realistisches Szenario." Konkrete Gespräche über offizielle Ryanair-Zubringer gebe es aber nicht.

Auf der Erlösseite will Lufthansa mit den Eurowings-Langstrecken auch stark von Zusatzeinnahmen profitieren. Für die Gäste sei wichtig, dass die Qualität stimmt, so Garnadt. Für jeden bedeute das aber etwas anderes. Daher biete Eurowings von Wasser und Handgepäck bis hin zur Premium-Economy und Internet an Bord alle Möglichkeiten. Letztlich sei man damit dann auch schon wieder für weitere Zielgruppen interessant. Spätestens mit Boston werde Eurowings auf der Langstrecke auch preissensible Geschäftsreisende ansprechen.

© airliners.de, Lesen Sie auch: "Herr Garnadt, kann die Lufthansa Langstrecken-Billigflüge?"

Im Idealfall will Lufthansa die Eurowings-A330-Langstreckenflugzeuge dann auch ab anderen Flughäfen auf die Langstrecke schicken. Mögliche Kandidaten in Deutschland sind dabei laut Lufthansa Berlin, Stuttgart und auch Hamburg. Ob und wann es tatsächlich soweit kommt, weiß derweil auch Garnadt noch nicht genau: "Wir werden viel dazulernen und sehen, wie sich der Markt entwickelt."

Von: dh
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