So bereitet sich Condor auf den Brexit vor

Exklusiv 15.10.2018 - 13:34 0 Kommentare

In 170 Tagen tritt Großbritannien aus der EU aus - bislang fehlt ein Brexit-Abkommen. Easyjet und Ryanair haben sich bereits auf das Schlimmste vorbereitet. Auch Condor plant nach airliners.de-Informationen für die "No Deal"-Zeit.

Maschine von Condor. - © © AirTeamImages.com - Markus Mainka

Maschine von Condor. © AirTeamImages.com /Markus Mainka

Die deutsche Thomas-Cook-Tochter Condor hat bereits einen festen Plan ausgearbeitet, wie sie nach einem No-Deal-Brexit ihre Operations sichert. Bei Thomas Cook und Condor werden nach airliners.de-Informationen derzeit verschiedene Modelle diskutiert, die sicherstellen sollen, dass der Flugbetrieb nach einem Brexit möglichst reibungslos durchgeführt werden kann.

"Selbst ohne Deal haben wir unsere Hausaufgaben gemacht", sagt ein Condor-Manager, der nicht genannt werden möchte. "Ich bin deutlich entspannter als noch vor einigen Wochen." Man glaube fest daran, dass eine Condor sowie die anderen europäischen Töchter der Thomas Cook Group weiterfliegen können.

"Es kann durchaus sein, dass es einen Zeitpunkt nach dem Austritt gibt, wo es sehr ruckelig wird." Zum Beispiel weil der Verkehr zwischen Deutschland und Großbritannien still stehe.

Debus: "Die Uhr tickt"

Offiziell verweist Condor darauf, dass man immer noch auf einen geregelten Brexit inklusive umfassendem Austrittsabkommen hoffe. Doch: "Die Uhr tickt", konstatiert Christoph Debus, Chef der Thomas Cook Group Airlines. "In nicht einmal 170 Tagen kommt es zum Brexit."

Der EU-Austritt am 29. März 2019 könnte in der Industrie - und allen voran dem Luftverkehr - zum Chaos werden. Denn: Bislang fehlt eine rechtsgültig verbindliche Planungsgrundlage für Airlines.

Zähe Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien

"Wir brauchen eigentlich 18 Monate Vorlauf für die Flugpläne", beklagt Debus. "Und verkaufen jetzt schon Tickets für den Winter 2019." Doch Planungssicherheit gibt es nicht, denn bislang sind sich EU und Großbritannien nur in einem einig: Dass sie sich uneinig sind.

Nach der Blockadehaltung der EU-27-Regierungschefs gegenüber der britischen Premierministerin Theresa May auf dem jüngsten EU-Gipfel in Salzburg, hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Wochenende zwar versöhnliche Töne angeschlagen, doch ein geregelter EU-Abschied der Briten inklusive Austrittsabkommen ist noch immer nicht sicher.

Auswirkungen auf Condor

"Bis Mitte Dezember auf dem EU-Gipfel muss klar sein, ob es einen Deal gibt oder nicht", heißt es im Umfeld der Airline. Sonst würde sich auch London auf das "No Deal"-Szenario vorbereiten: Nämlich dass Großbritannien ab dem 30. März 2019 um null Uhr alle Privilegien eines EU-Mitgliedstaats verliert.

Dies würde für alle Airlines, die mehrheitlich nicht im Besitz von Investoren in Kontinental-Europa sind, dass die Maschinen gegebenenfalls sofort am Boden bleiben müssten. Für die EU-Kommission sei die Frage nach Ownership und Control der Airlines ein nicht verhandelbarer Punkt, heißt es aus Brüssel.

50+1-Regel für viele europäische Airlines der Knackpunkt

Condor hat zwar ein deutsches AOC, gehört aber komplett dem Reisekonzern Thomas Cook - und dieser ist mehrheitlich in der Hand britischer Aktionäre. "Die in der EU geltende 50-plus-1-Regel wäre hier um Mitternacht gebrochen."

Darüber hinaus stellt sich Condor noch zwei andere zentrale Fragen: die nach einem Nachfolger für die europäische Luftsicherheitsbehörde Easa und die nach den Verkehrsrechten.

Anteilseigner der Thomas Cook Group
Angaben in Prozent
Invesco 20.0
Standard Life Aberdeen 11.9
FPI UK Limited 11.0
Marathon Asset
Management LLP
5.0
The Capital Group 4.8
Black-Rock 9.0
Orbis Holdings 5.0
Streubesitz 33.3

Quelle: Thomas Cook

Beim ersten Punkt heißt es im Umfeld der Airline, dass speziell die Amerikaner keine andere Institution für die Luftsicherheit in Europa anerkennen würden. "Zudem ist es in 170 Tagen auch nicht möglich, einen britischen Easa-Klon zu errichten."

Bei den Verkehrsrechten zeigt sich schließlich wie tief die Gräben im juristischen Verständnis zwischen den einzelnen Partnern sind. Denn zum Beispiel die britische Regierung geht davon aus, dass nach dem EU-Austritt diejenigen Luftfahrtabkommen gelten, die vor Jahrzehnten ausgehandelt und inzwischen von gesamteuropäischen Regelungen abgelöst wurden. Die EU-Kommission hingegen vertritt die Meinung, dass es neue Abkommen braucht.

Auch andere Airlines bereiten sich vor

Die Probleme, mit denen sich der Thomas-Cook-Konzern und speziell Condor konfrontiert sieht, sind auch wunde Punkte für Easyjet, IAG, Ryanair und Tui.

  • Der orangefarbene Billigflieger schiebt bis zu 130 Flugzeuge zu seiner österreichischen Tochter Easyjet Europe. Diese soll ab dem kommenden Jahr innereuropäische Flüge unter geänderter Flugbummer anbieten.
  • Ryanair polterte im Frühjahr medienwirksam, dass man die britischen Aktuonare entmündigen wollte. Beobachter halten solch ein Szenario aber nicht für sehr realistisch. Vielmehr verweisen sie darauf, dass die Iren ihr Geschäft umstrukturieren und beispielsweise in Polen sämtliche Verbindungen von der Chartertochter Ryanair Sun durchführen lassen.
  • Über die No-Deal-Szenarien der IAG-Airlines wie British Airways oder denen des Reisekonzerns Tui ist bislang nichts in der Branche bekannt.

© Stansted Airport, Lesen Sie auch: So gehen die Billigflieger mit dem Brexit um Überblick

Von: cs
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