Bilanz

So performten die Airlines im Sommer

Exklusiv 26.10.2018 - 15:48 0 Kommentare

30 Prozent mehr Flüge als im Sommer 2017 haben die 15 wichtigsten Airlines auf dem deutschen Markt in diesem Sommer angeboten. Gleichzeitig wuchsen auch die Probleme massiv. Mit schweren Folgen.

Viele verschiedene Airlines waren in diesem Sommer am Himmel zu sehen - hier 15 von ihnen plus die verschwundene Air Berlin. - © © AirTeamImages.com/Ralf Meyermann, Chris Jilli (2), HAMFive. Adrian Jack, Carl Ford (2) u.a. [M] -

Viele verschiedene Airlines waren in diesem Sommer am Himmel zu sehen - hier 15 von ihnen plus die verschwundene Air Berlin. © AirTeamImages.com/Ralf Meyermann, Chris Jilli (2), HAMFive. Adrian Jack, Carl Ford (2) u.a. [M]

Der deutsche Luftverkehr ist im ersten Sommer nach Air Berlin massiv gewachsen - inklusive der Probleme. So hatten die größten 15 Fluggesellschaften der DACH-Region für diesen Sommer über 935.000 Flüge geplant - inklusive der Verbindungen von Air Berlin im vergangenen Sommer ist dies ein Plus von 12,7 Prozent. Dies geht aus Daten des Fluggastrechteportals EU Claim hervor, das diese Werte exklusiv für airliners.de erhoben hat.

Rechnet man die Verbindungen von Air Berlin bis zum Operations-Ende nach dem Sommerflugplan 2017 heraus, haben Austrian Airlines, Azur Air, Condor, Easyjet, Eurowings, Germania, Lauda Motion, Lufthansa, Ryanair, Small Planet Airlines Deutschland, Sun Express, Sundair, Swiss, Tuifly und Wizz Air sogar rund 27,7 Prozent mehr Flüge angeboten als noch im Sommerflugplan vergangenen Jahres.

Geplante Flüge
Air Berlin Austrian Airlines Azur Air Condor Easyjet Eurowings Germania Lauda Motion Lufthansa Ryanair Small Planet Sun Express Sundair Swiss Tuifly Wizz Air
2017 97100 18470 395 28380 34600 80100 14400 0 421000 65900 2236 6400 0 14420 18720 22560
2018 0 21730 695 32500 67500 175500 19700 9450 462500 78600 4500 7810 536 18700 20000 15480

Daten beziehen sich auf den Sommerflugplan des jeweiligen Jahres bis zum 21. Oktober. Quelle: EU Claim

Hervorstechend ist das Wachstum von Eurowings mit fast 120 Prozent Plus im Jahresvergleich. Und auch in absoluten Zahlen kommt beim Wachstum keine andere Airline mit: So bot die Lufthansa-Tochter in diesem Sommer über 95.000 Flüge mehr an als noch im Sommer 2017.

Eurowings ersetze fast im Alleingang Air Berlin

Interessant dabei: Air Berlin hat im Sommer 2017 noch etwas mehr als 97.000 Verbindungen im Portfolio gehabt. Somit hat also Eurowings fast im Alleingang das Angebot der Ex-Konkurrentin ersetzt - zumindest hinsichtlich der Anzahl der Flüge. Erwähnt werden sollten beim Wachstum prozentual auch die deutsche Small Planet (plus 101,3 Prozent beziehungsweise 2264 Flüge), Easyjet (plus 95,5 Prozent beziehungsweise 33.050 Flüge), Azur Air (plus 76,0 Prozent beziehungsweise 300 Flüge).

Allerdings gab es auch Airlines, die über den kompletten Sommer gesehen ihr Angebot im Vorjahresvergleich gesenkt haben. Allen voran Wizz Air, die mit "nur" 15.480 Flügen gut 31 Prozent weniger anbot als im Vorjahressommer.

Entwicklung Fluganzahl
Angesetzte Flüge
Eurowings 95400
Lufthansa 41500
Easyjet 33050
Ryanair 12700
Lauda Motion 9450
Germania 5300
Swiss 4280
Condor 4120
Austrian 3260
Small Planet 2264
Sun Express 1410
Tuifly 1280
Sundair 536
Azur Air 300
Wizz Air -7080
Air Berlin -97100

Die Grafik zeigt die absolute Veränderung der von den 15 untersuchten Airlines angebotenen Anzahl von Flügen vom Sommer 2017 zum Sommer 2018. Quelle: EU Claim, eigene Berechnung

So stark das Angebot gewachsen (beziehungsweise an einigen Stellen auch geschrumpft) ist, so sehr haben auch die Probleme zugenommen. Durchschnittlich verzeichneten alle 15 untersuchten Airlines im Sommer 21.888 Problemflüge - sprich die Verbindungen waren mehr als drei Stunden verspätet oder wurden komplett annulliert. Anteilig sind dies 2,34 Prozent aller angebotenen Verbindungen.

Prozentualer Anteil von Problemflügen je Monat

Lässt man die Werte der Air Berlin außer Acht, ist dies ein Plus von 0,94 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr (11.6222 Problemflüge beziehungsweise 1,40 Prozent). Auch hier ergeben sich für die verschiedenen Airlines je Monat sehr unterschiedliche Werte:

Prozentualer Anteil von Problemflügen
Austrian Azur Air Condor Easyjet Eurowings Germania Lauda Motion Lufthansa Ryanair Small Planet Sun Express Sundair Swiss Tuifly Wizz Air
März* 1.9 8 3 0.9 1.3 2.7 0 1 2.2 4 0 0 1.2 1.5 0.8
April 2.2 5 1 0.6 2 0.9 5.6 1.8 1 6.9 2.9 2.9 1.4 0.6 0.5
Mai 2.1 3.3 5.6 1.4 4 2.9 13.2 2.6 3 10.1 1.7 0 1.6 4.3 0.6
Juni 3 5.8 5.3 2.1 4.8 1.4 8.7 2.8 4 5.8 2.7 2 2.3 4.2 0.6
Juli 5.1 15.3 1.5 1.5 2.9 0.9 8.5 2 3.4 2.7 1.3 0 3 6.6 1.3
August 2.7 8.6 1.8 1.4 2.7 0.6 5.6 1.7 3.8 3.2 1.3 3.3 4.4 3.5 0.8
September 3.7 5 1 1.1 2.6 0.9 3.3 1.8 3.1 2.3 3.5 1 4 0.9 0.4
Oktober** 1.6 1 0.7 1.9 0.7 1.1 1.7 0.9 2.2 2.9 0.8 0.7 0.8 0.3

* = 25. - 31. März 2018; ** = 1. - 21. Oktober 2018. Quelle: EU Claim, eigene Berechnung

Auffällig in dieser Grafik sind die konstant hohen Werte von vor allem drei Airlines: Azur Air, Small Planet Deutschland und Lauda Motion.

Mehrere Airlines mit deutllich mehr Problemflügen

Dabei litten alle Airlines im Sommer vor allem unter den "vielleicht zu ambitionierten Wachstumsplänen" nach dem Marktaustritt der Air Berlin, wie es das Eurowings-Management analysierte. Denn aktuell werden laut Beobachtern die Machtverhältnisse in Markt für die kommenden Jahre neu geordnet. Um ein möglichst gutes Standing zu erreichen, bauten alle Carrier - zum Teil sehr deutlich - ihr Programm aus.

Die Probleme bei den einzelnen Carriern werden auch in der folgenden Grafik noch einmal deutlich:

Problemflüge 2017 und 2018
2017 2018
Austrian 1.3 2.9
Azur Air 0 8.2
Condor 1 2.5
Easyjet 1.4 1.2
Eurowings 1.2 3
Germania 1.1 1.2
Lauda Motion 0 5.6
Lufthansa 0.8 2
Ryanair 0.9 2.8
Small Planet 0.6 4.4
Sun Express 1.6 2.2
Sundair 0 1.3
Swiss 1.1 2.5
Tuifly 1.1 3.2
Wizz Air 0.3 0.7

Die Grafik zeigt den prozentualen Anteil der verspäteten und gestrichenen Flüge am im Sommer 2017 und 18 komplett angebotenen Portfolio.Quelle: EU Claim, eigene Berechnung

Wieder stechen die drei bereits erwähnten Carrier mit dem Anteil der Problemflüge besonders hervor. Und: Es gab einen Carrier, der im Jahresvergleich den prozentualen Anteil an Problemflügen sogar senken konnte: Easyjet. Dabei hatte der britische Low-Coster zusammen mit Konkurrenten über die Probleme bei den europäischen Flugsicherungen lautstark geklagt.

Eurowings-Langstrecke

Bevor Lufthansa-Billigtochter Eurowings jetzt im Winter ihre Langstreckenjets nur noch auf die Flughäfen Düsseldorf und München verteilt, sind im Sommer von Sun Express Deutschland und Brussels Interkontinental-Flüge unter "EW"-Flugcode ab drei deutschen Airports durchgeführt worden: Düsseldorf, Köln/Bonn und München. Insgesamt gab es rund 2700 Flüge auf der Eurowings-Langstrecke - über 200 davon waren mehr als drei Stunden verspätet oder wurden komplett annulliert. Diese verteilen sich wie folgt auf die drei Flughäfen: Düsseldorf 4,6 Prozent Problemflüge, Köln/Bonn 9,3 und München 9,2.

Auswirkungen auf die Flughäfen

Die Probleme der Airlines haben wiederum starke Auswirkungen auf die Performance der Flughafen. Erweitert man die Datenbasis auf alle an deutschen Airports operierenden Carrier kommt man auf rund 1,1 Millionen Flüge im Sommer 2018*. Traditionell sind die meisten Verbindungen den Airports Frankfurt (272.445) und München (204.484) zuzuordnen.

Doch die Verteilung aller gemessenen Problemflüge (insgesamt 285.000) - also nicht nur die der 15 genauer untersuchten Airlines - schiebt den Airport Düsseldorf an München vorbei. Dies lässt sich laut Beobachtern auch mit den Problemen bei Eurowings erklären, die inzwischen größter Kunde am NRW-Airport sind und neben viel Wachstum (plus 119,1 Prozent) auch insgesamt deutlich mehr Verspätungen als 2017 verkraften mussten (plus 449,3 Prozent).

Problemflüge an Airports
Angaben in Prozent
FRA 26.6
DUS 17.9
MUC 16.6
TXL 6.3
CGN 5.8
HAM 5.6
STR 4.1
SXF 3.0
NUE 2.7
HAJ 2.3
LEJ 1.3
DRS 1.3
HHN 1.0
BRE 0.9
FMO 0.8
NRN 0.7
FKB 0.7
FMM 0.6
DTM 0.5
PAD 0.4
FDH 0.4
RLG 0.4
SCN 0.1

Untersuchungszeitraum: 25. März - 27. September 2018. Quelle: EU Claim, eigene Berechnung


Anmerkungen:

  • Die Angaben beziehen sich jeweils auf Flüge, die unter dem Flugcode einer Airline durchgeführt wurden. Beispielsweise inkludiert "Eurowings" neben den Operations der Lufthansa-Airlines LGW, Germanwings und Eurowings Europe auch einzelne Wet-Leases von Air Tanker oder beispielsweise Privatair.
  • * = Zeitraum 25.3.-27.9.; 23 Airports: BRE, CGN, DRS, DTM, DUS, FDH, FKB, FMM, FMO, FRA, HAJ, HAM, HHN, LEJ, MUC, NRN, NUE, PAD, RLG, SCN, STR, SXF und TXL.
Von: cs
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