Smarte Kabinenlösungen sind weiter im Trend

04.04.2019 - 18:25 0 Kommentare

Die diesjährige Aircraft Interior Expo ist zu Ende. Der Trend auf der Kabinenmesse ist dabei klar: Alles wird smarter - vom Sitz bis zur Toilette. Ein Messerundgang mit etlichen Highlights.

Altran hat eine VR-Lösung vorgestellt, die es Arbeitern ermöglicht, komplexe Arbeitsvorgänge in einer virtuellen Umgebung zu üben

Altran hat eine VR-Lösung vorgestellt, die es Arbeitern ermöglicht, komplexe Arbeitsvorgänge in einer virtuellen Umgebung zu üben
© airliners.de

Floor Projection System mit Laserstrahlen

Floor Projection System mit Laserstrahlen
©Airbus

Das Heatnow-System für Fußbodenheizung in Flugzeugkabinen

Das Heatnow-System für Fußbodenheizung in Flugzeugkabinen
© Lufthansa Technik

Mock-Up einer A320-Kabine im Airbus Customer Definiton Center (ACDC) in Hamburg

Mock-Up einer A320-Kabine im Airbus Customer Definiton Center (ACDC) in Hamburg
©Fabian Kühne

Die Kategorie "Passagierkomfort-Hardware" geht in diesem Jahr an den Sitzhersteller Recaro. Das deutsche Unternehmen gewann mit einem Langstreckensitz, der die Reise in der Economy Class dank Nackenstütze und einstellbarer Polsterung für Sitz und Rückenlehne angenehmer macht.

Die Kategorie "Passagierkomfort-Hardware" geht in diesem Jahr an den Sitzhersteller Recaro. Das deutsche Unternehmen gewann mit einem Langstreckensitz, der die Reise in der Economy Class dank Nackenstütze und einstellbarer Polsterung für Sitz und Rückenlehne angenehmer macht.
© Recaro

Die Kategorie "Visionäre Konzepte" geht nach Hong Kong. Gewonnen hat das Unternehmen Paperclip Desgin mit der "Peacock Suit". Mit dieser lassen sich First-Class-Kabinen variabel konfigurieren - von Familienabteilen mit Etagenbett bis zu einer Drei-Zimmer-Luxussuite.

Die Kategorie "Visionäre Konzepte" geht nach Hong Kong. Gewonnen hat das Unternehmen Paperclip Desgin mit der "Peacock Suit". Mit dieser lassen sich First-Class-Kabinen variabel konfigurieren - von Familienabteilen mit Etagenbett bis zu einer Drei-Zimmer-Luxussuite.
© Paperclip Desgin

Der Award in der Kategorie "Kabinensysteme" geht an Collins Aerpspace. Das US-Unternehmen präsentierte den Kiosk "Flex Duet". Dieser kann während des Reisefluges einfach vor der Flugzeugtür ausgeklappt werden und bietet die Möglichkeit Snacks, Getränke und weiteres zu präsentieren.

Der Award in der Kategorie "Kabinensysteme" geht an Collins Aerpspace. Das US-Unternehmen präsentierte den Kiosk "Flex Duet". Dieser kann während des Reisefluges einfach vor der Flugzeugtür ausgeklappt werden und bietet die Möglichkeit Snacks, Getränke und weiteres zu präsentieren.
©Collins Aerpspace

Der Preis in der Kategorie "Umweltfreundlichere Kabine, Gesundheit, Sicherheit und Umwelt" geht 2019 an die Fluggesellschaft Air New Zealand für ihre seit einigen Jahren auf dem Markt befindliche "Skycouch". Diese verwandelt eine komplette Economy-Sitzreihe in eine Bettfläche. Spezielle Sicherheitsgurte im Siegerkonzept sorgen dafür, dass auch Babys und Kleinkinder sicher auf dem Klappbett liegen können.

Der Preis in der Kategorie "Umweltfreundlichere Kabine, Gesundheit, Sicherheit und Umwelt" geht 2019 an die Fluggesellschaft Air New Zealand für ihre seit einigen Jahren auf dem Markt befindliche "Skycouch". Diese verwandelt eine komplette Economy-Sitzreihe in eine Bettfläche. Spezielle Sicherheitsgurte im Siegerkonzept sorgen dafür, dass auch Babys und Kleinkinder sicher auf dem Klappbett liegen können.
© Air New Zealand

Erst zum zweiten Mal wurde beim Crystal Cabin Award die Kategorie "Inflight Entertaiment & Connectivity" verliehen. Gewonnen hat die US-Fluggesellschaft United Airlines mit dem Konzept "Entertaiment for All". Größere Anzeigen und Spracherkennung machen das Unterhaltungssystem nun auch für sehbehinderte oder bewegungseingeschränkten Passagieren möglich.

Erst zum zweiten Mal wurde beim Crystal Cabin Award die Kategorie "Inflight Entertaiment & Connectivity" verliehen. Gewonnen hat die US-Fluggesellschaft United Airlines mit dem Konzept "Entertaiment for All". Größere Anzeigen und Spracherkennung machen das Unterhaltungssystem nun auch für sehbehinderte oder bewegungseingeschränkten Passagieren möglich.
© United Airlines

Collins Aerospace gewinnt auch in der Kategorie "Material & Komponenten" mit ihrem "uLED-Leselicht". Es kann nahezu jede vorstellbare Form eines Lichtstrahls projizieren und so das gezielte Licht zum Lesen an mehreren Plätzen gleichzeitig bereitstellen.

Collins Aerospace gewinnt auch in der Kategorie "Material & Komponenten" mit ihrem "uLED-Leselicht". Es kann nahezu jede vorstellbare Form eines Lichtstrahls projizieren und so das gezielte Licht zum Lesen an mehreren Plätzen gleichzeitig bereitstellen.
© Collins Aerospace

Der koreanische Student Sahngseok Lee von der Hongik Universität in Seoul  gewinnt zusammen mit dem Sitzmöbelhersteller Adient in der die Kategorie "Universität". Gemeinsam entwickelten sie ein System, dass den zur Verfügung stehenden Kabinenraum optimal ausnutzt. In einer tetrisartigen Anordnung werden die verschiedenen Sitzklassen durch Treppen miteinander verschachtelt.

Der koreanische Student Sahngseok Lee von der Hongik Universität in Seoul gewinnt zusammen mit dem Sitzmöbelhersteller Adient in der die Kategorie "Universität". Gemeinsam entwickelten sie ein System, dass den zur Verfügung stehenden Kabinenraum optimal ausnutzt. In einer tetrisartigen Anordnung werden die verschiedenen Sitzklassen durch Treppen miteinander verschachtelt.
© Adient

Die 20. Aircraft Interior Expo (AIX) in Hamburg ist vorbei. Rund 550 Aussteller präsentierten auf der Fachmesse für Flugzeugkabinen ihre Innovationen. So zeigte Airbus sein neues "Airspace"-Kabinenkonzept mit neuen Lichtszenarien und Raumaufteilungen für die A321LR. Lufthansa Technik will Flugbegleitern zukünftig kalte Füße ersparen und den Passagieren mehr Lademöglichkeiten für ihr Smartphone geben. Weitere Höhepunkte: Ein nachrüstbarer, antibakterieller Filter für den Lavatory-Bereich, eine multikulturelle Bordtoilette sowie ein Beleuchtungskonzept, das den Jetlag vermindern sollen. Unser Hamburg-Korrespondent Fabian Kühne hat sich auf der AIX umgesehen und weitere Highlights für Sie entdeckt:

"Hey Fips, open waste flap". Das Aktivierungswort und der anschließende Sprachbefehl sorgen dafür, dass sich in Diehls neuem berührungslosen Waschraum die Klappe des Mülleimers von selbst öffnet. Ähnlich lässt sich auch der Toilettendeckel anheben, die Spülung betätigen, das Wasser anstellen und der Seifenspender bedienen.

Zusätzlich gibt es für alle diese Dienste auch die Möglichkeit, einen Bewegungssensor in Anspruch zu nehmen. Stellt sich die Frage, wozu man dann noch mit der Toilette sprechen sollte, wenn es denn auch auf die andere Art geht. Die Antwort: Weil man es kann – Sinnhaftigkeit hin oder her. Wer an einer Sehnenscheidenentzündung leidet, wird sicherlich dankbar sein, den Arm ein wenig ruhigzustellen.

Diehl präsentierte auf der AIX einen per Sprachsteuerung bedienbaren Waschraum. Foto: © airliners.de

"Fips" ist natürlich nicht das endgültige Aktivierungswort, das später im Betrieb genutzt wird. Das berührungslose Lavatory ist ja auch noch in der Konzeptionsphase. Ob und wann es tatsächlich auf den Markt kommt, lässt sich nicht sicher vorhersagen. Aber dass Menschen nicht nur mit ihrem Amazon Echo zuhause kommunizieren oder per Sprachsteuerung das Navi im Auto steuern, sondern nun auch Toiletten auf magische Art und Weise zum Funktionieren bringen, zeigt, wo die Reise hingeht.

Effizientere Kabinenprozesse, gestiegener Passagierkomfort

Smarte Lösungen, Voice Control und Apps sollen uns das Leben erleichtern. Und das gilt auch und gerade für die Flugzeugbranche. Nicht ohne Grund präsentiert Boeing auf der AIX sein Konzept einer Smart Cabin, in der alles miteinander verbunden und aufeinander abgestimmt ist.

Das Unternehmen ACM Aircraft Cabin Modification aus dem Allgäu zeigt auf der Messe seine neueste Innovation, den "Smeated". Ein Wortspiel aus "Smart" und "Seated". Dahinter steckt ein intelligenter Sitzbezug, der die Sitzposition des Passagiers mittels in den Bezug eingewebter Sensoren analysiert und in einer Smartphone- / Tablet-App oder übers bordeigene Inflight-Entertaiment-System Empfehlungen gibt, wohin man sein Gewicht verlagern sollte, um die optimale ergonomische Sitzposition zu erreichen.

Richtiges Sitzen im Flugzeug will ACM mit "fühlenden" Sitzen erreichen. Foto: © ACM

Wenn man schon eine Zeitlang sitzt, fordert die Software dazu auf, kurz den Platz zu verlassen oder die Beine auszustrecken. Gedacht ist Smeated für die Economy-Class und kann ohne allzu große Ausgaben auch problemlos im Retrofit nachgerüstet werden. Dass man schon bei der geringsten Gewichtsverlagerung teilweise erst einmal in den roten Bereich rutscht und das Gerät einen stoisch davon überzeugen will, die gewählte Position noch einmal zu ändern, mag für die einen etwas lästig sein. Für die anderen ist es vielleicht ein hilfreicher Ratgeber für mehr Komfort auf langen Flügen. Auch einen smarten Gurt hat ACM entwickelt, der es der Kabinencrew ermöglicht, auf einen Blick die Anschnallmoral der Passagiere zu überprüfen.

Smarte Lösungen für den Flugzeugbau

Das französische Technologieberatungsunternehmen Altran bietet ebenfalls eine Smartlösung, die die Gurt-Kontrolle übernimmt. Und das ist nicht alles: Das Ziel des ins Inflight-Entertaiment integrierbare Systems ist zum einen die Beschleunigung der Kabinenprozesse an Bord bei gleichzeitiger Entlastung der Kabinencrew, zum anderen ein gesteigerter Komfort für die Passagiere. So kann der Passagier per Touchscreen beispielsweise ein Getränk oder einen Snack bestellen und bezahlen, ohne vorher nach der Crew zu klingeln. Die Flugbegleiter sehen die Order auf ihrer Smartwatch, sodass sie immer noch beide Hände für andere Aufgaben frei haben. Die Bestellung kommt schneller beim Fluggast an und die Crew spart sich einen unnötigen Weg.

© Lufthansa Technik, Lesen Sie auch: Lufthansa Technik bietet USB-Anschluss von oben

Innovationen präsentiert auch Altran, die mit dem eigentlichen Thema der AIX nichts zu tun haben, sondern sich um die Flugzeugproduktion drehen, aber nicht weniger spannend sind: Kollektive Schwarmroboter, die Altran in Zusammenarbeit mit Airbus entwickelt hat. Diese sollen die Arbeiter entlasten, indem sie einzelne Bauteile in die Kabine transportieren. Diese Roboter sehen aus wie kleine Rollen, die unkompliziert an die Ecken des zu transportierenden Gegenstands geklippt werden. Sie synchronisieren sich untereinander und bringen das Bauteil dann zum gewünschten Ort.

Eine weitere Innovation - wiederum in Zusammenarbeit mit Airbus - ist eine VR-Lösung vorwiegend zu Trainingszwecken, mittels derer Arbeiter komplexe Arbeitsvorgänge unter echten Bedingungen in einer virtuellen Umgebung üben. Außerdem hat Altran einen Prototyp für den ersten Anwendungsfall für Printed Electrics vor Ort. Diese Gemeinschaftsentwicklung, die Kabelverbindungen teilweise überflüssig macht, in dem diese Verbindungen mittels eines Spezialdruckers auf einer Kunststofffolie angebracht werden, hatte ja für Aufhorchen bei den Flugzeugbauern gesorgt, die sich hierdurch eine Gewichtsreduktion und eine geringere Reparaturanfälligkeit erhoffen.

"Printed Electrics" ist ein Gemeinschaftsprojekt von Altran und Airbus. Mit Hilfe eines Spezialdruckers können Elektro-Verbindungen auf eine Kunststofffolie angebracht werden. Foto: © airliners.de

Erweiterte "gefühlte" Größe in der Kabine der neuen 777X

Boeing zieht die Aufmerksamkeit mit der Präsentation der Kabine der neuen 777X auf sich. Obwohl die Maße der Maschine gleichgeblieben sind, ist die Kabinenfläche geringfügig größer als vorher. Außerdem ist Boeing beim Design sehr wichtig gewesen, die gefühlte Größe zu erweitern. Durch die geschwungene Form der Overhead Bins wirken diese bei eingenommener Sitzposition kleiner als sie eigentlich sind, sodass der Passagier ein Gefühl von mehr Weite hat, gleichzeitig ist aber dennoch viel Stauraum für Handgepäck vorhanden.

Ein Mockup der neuen Kabine von Boeings 777X, die den Passagieren mehr "gefühlte" Größe bieten soll. Foto: © airliners.de, Fabian Kühne

Flexibilität für die Kunden ist Boeing wichtig, sodass diese individuell wählen können, welche Anordnung von Overhead Compartments sie klassenweise haben möchten. Für die Economy beispielsweise bietet sich eine zusätzliche mittig angebrachte Reihe von Bins an, in der Business Class könnte man diese auch weglassen. Die Flugzeugfenster sind größer, sodass auch hier das subjektive Gefühl von mehr Raum gesteigert wird, kombiniert mit einem darauf angepassten Beleuchtungskonzept.

Neue dimmbare Fenster für Boeing

Optional bietet Boeing seinen Kunden die Möglichkeit an, dimmbare Fenster einbauen zu lassen, die sich mittels elektrochromer Prozesse vollständig abdunkeln lassen. Diese werden von der Firma Gentex gefertigt, die ähnliche Fenster bereits serienmäßig in der Boeing 787 verbauen. Brauchte die erste Generation seit Inbetriebnahme der 787 im Jahr 2011 noch circa zwei Minuten bis zur kompletten Verdunklung, sind es seit 2015 in der zweiten Generation nur noch etwa 60 Sekunden. Bei der ganz neuen dritten Generation für die 777X vergehen sogar nur noch rund 20 Sekunden zwischen völliger Klarheit und absoluter Dunkelheit. Der Passagier kann den Verdunklungsgrad über fünf Stufen selbst wählen. Die Kabinencrew hat darüber hinaus mittels eines Bedienpanels die Möglichkeit, die Fenster den jeweiligen Anlässen entsprechend zu verdunkeln bzw. die Verdunklung komplett aufzuheben, so zum Beispiel im Landeanflug.

Noch bietet Gentex diese dritte Generation an dimmable windows exklusiv für Boeing an, ab 2021 sollen weitere OEMs folgen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Mehr Komfort für die Passagiere, eine Reduktion an Gewicht durch das Wegfallen von Rollos und weniger notwendige Wartungs- und Reparaturarbeiten.

Platzsparende Lösungen für Low Cost Carrier

Neben den schon erwähnten smarten Lösungen, spielt bei Diehl Aviation auch die größtmögliche Effizienz im Hinblick auf die Anzahl an Sitzen eine bedeutende Rolle. Im Mock-Up wird hierzu auch ein das 31 Zoll-Lavatory gezeigt, das rund 5,5 Zoll weniger Platz einnimmt als die Standardgröße.

Auch das Skypax Kombo-Modul, das Diehl zusammen mit Lufthansa Technik entwickelt hat, wird präseniert. Durch die platzsparende Kombination der Galley- und Lavatory-Einheit können bis zu zwölf zusätzliche Sitze installiert werden. Hier erhofft sich Diehl Aufträge im Retrofit-Bereich.

© Hamburg Aviation, Lesen Sie auch: Das sind die Gewinner des 13. Crystal Cabin Awards

Eins ist sicher: Der Wettstreit um die besten Ideen für smarte Lösungen, die Kabinencrews und Passagieren gleichermaßen das Leben einfacher machen sollen sowie das Eifern um pfiffige platzsparende Kabinenlösungen ist in vollem Gange und wird auch bei der Aircraft Interior Expo im nächsten Jahr weitergehen.

Von: Fabian Kühne für airliners.de
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »