Air-Berlin-Bieter prüfen Skywork-Übernahme

Exklusiv 30.10.2017 - 16:54 0 Kommentare

Die Schweizer Regional-Airline Skywork verliert die Betriebslizenz, die Konkurrenz bringt sich am Flughafen Bern umgehend in Stellung und nun wird von zwei Air-Berlin-Bietern offenbar schon eine Übernahme forciert.

Die Flotte von Skywork Airlines besteht derzeit aus drei Dornier 328 und drei Saab 2000. - © © Jiri Benesch -

Die Flotte von Skywork Airlines besteht derzeit aus drei Dornier 328 und drei Saab 2000. © Jiri Benesch

Für die finanziell angeschlagene Schweizer Regionalfluggesellschaft Skywork zeichnet sich offenbar eine Lösung ab: Die Berliner Logistikfirma Zeitfracht und das Wartungsunternehmen Nayak prüfen als Konsortium bereits eine Übernahme der Schweizer Regional-Airline. Dies bestätigte ein Sprecher der Bieter im Gespräch mit airliners.de.

Zeitgleich mit Beginn des Winterflugplans am Sonntag haben Zeitfracht und Nayak die Verschwiegenheitserklärung bei Skywork unterschrieben und prüfen nun im Datenraum die Zahlen des Unternehmens. "Wenn die Bücher das hergeben, wollen wir den Betrieb von Skywork fortsetzen", so der Sprecher.

Zeitfracht schmiedet europäisches Cargo-Netzwerk

Dass das Konsortium bereits kurz nach Entzug der Betriebslizenz tätig wurde, hängt auch damit zusammen, dass die Nayak in der Vergangenheit schon Kunde bei Skywork war. Die deutsche Nayak selbst konnte sich in diesem Jahr aus einer Insolvenz heraus neu aufstellen.

Zeitfracht und Nayak wurden jüngst schon einmal gemeinsam aktiv, als sie Air Berlin Technik übernahmen und so rund 300 Arbeitsplätze sicherten. Zuvor übernahm der Logistikspezialist Zeitfracht schon Air Berlin Leisure Cargo und in der vergangenen Woche auch die WDL-Aviation. Damit arbeite man an einem europäischen Express-Netzwerk für kleingewichtige Packstücke, hieß es in einer Mitteilung.

Schweizer Bundesamt entzieht Betriebslizenz

Skywork hatte am Sonntag ihren Flugbetrieb vorläufig ausgesetzt. Grund sei die fehlende Betriebsbewilligung, teilte die Airline mit. Sie durfte zunächst nur bis Ende des Sommerflugplans fliegen, weil die Finanzierung für den Winterflugplan nicht stand.

Im Moment haben wir keinen Nachweis, dass Skywork die Finanzierung des Flugbetriebs sicherstellen kann.

Urs Holderegger, Sprecher des Bundesamts für Zivilluftfahrt (BAZL) im Sender SRF

Mit Hochdruck arbeite die Airline nach eigenen Angaben daran, noch eine gültige Betriebsgenehmigung zu erhalten. Skywork-Chef Martin Inäbnit sagte: " Wir wollen nach wie vor den Finanzierungsnachweis erbringen und den Flugbetrieb weiter führen." Skywork fliegt unter anderem auch nach Berlin.

Aktuelle Buchungen seien daher auch weiterhin möglich, hieß es. "Sollte definitiv keine Betriebsbewilligung erteilt werden, dann erst wird die Buchungsplattform deaktiviert."

Lizenz bereits 2014 befristet

Die bislang genutzte Homebase am Airport Bern sei laut Inäbnit allerdings zu klein, "um einen Ganzjahresbetrieb kostendeckend zu betreiben". Es sei deshalb unabdingbar, dass Skywork außerhalb von Bern zusätzlich Passagiere und Umsatz generiere, so der Airline-Chef.

Die Regionalfluggesellschaft kämpft bereits seit Jahren ums Überleben. 2014 hatte das BAZL die Betriebsbewilligung für Skywork bereits einmal aus wirtschaftlichen Gründen befristet. Nach einer Restrukturierung im Management der Airline wurde die Lizenz nach rund einem halben Jahr wieder unbegrenzt gültig.

Adria Airways bringt sich in Stellung

Skywork ist aus einer Flugschule heraus entstanden. Der erste Linienflug fand 2009 statt. Derzeit fliegt die Fluggesellschaft etwa 20 Airports an, darunter Basel-Mulhouse-Freiburg, München, Berlin-Tegel oder Wien. In Bern bietet Skywork die meisten ihrer Kapazitäten an. Am Schweizer Airport ist sie außerdem mit Abstand die größte Kundin.

Diese Stellung scheint aber nun in Gefahr: Adria Airways reagierte umgehend auf die sich abzeichnende Betriebspause von Skywork und kündigte noch am Sonntag Flüge von und nach Bern an. So wolle Adria laut Mitteilung kurzfristig zwei Maschinen am Schweizer Airport stationieren und ab dem 6. November tägliche Flüge nach Berlin-Tegel, Hamburg, München und Wien anbieten.

Charter-Verträge für das kommende Jahr

Per Ende Oktober habe die Airline nach eigenen Angaben rund 140.000 Fluggäste befördert - ein Plus von 25 Prozent. Für das kommende Jahr lägen zudem volldotierte Charter-Verträge vor, so die Fluggesellschaft in einer Mitteilung.

Das Bundesamt hatte die Befristung der Flugbewilligung im Oktober mit dem fehlenden Nachweis der Finanzierung begründet: "Die Fluggesellschaft kann zum aktuellen Zeitpunkt die Finanzierung des Winterflugplans 2017/18 nicht mehr gewährleisten. Sollte in der Zwischenzeit eine neue Finanzierungsgrundlage gefunden werden, kann der Flugbetrieb aber weitergeführt werden», teilte sie mit. Der neuerlichen Befristung war ein Streit um ein wintertaugliches Anflugverfahren in Bern vorausgegangen:

© Jiri Benesch, Lesen Sie auch: Skywork plant wegen Nebel am Airport Bern um

Von: cs
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