Sinkende Ölpreise bescheren der Branche satte Gewinne

21.12.2015 - 11:44 0 Kommentare

So niedrig wie derzeit waren die Rohölpreise schon lange nicht mehr. Das ist für Fluggesellschaften wirtschaftlich ein Segen. Einzig der Dollar-Kurs verhindert in Europa Rekord-Höhenflüge. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.

Ein Flugzeug wird auf dem Flughafen München betankt. - © © dpa - Andreas Gebert

Ein Flugzeug wird auf dem Flughafen München betankt. © dpa /Andreas Gebert

Bei dem massiven Verfall der Ölpreise scheint es kaum ein Halten zu geben: Kurz vor Weihnachten gingen die Preise noch einmal deutlich auf Talfahrt. Öl aus der Nordsee war am Montag so billig wie seit elf Jahren nicht mehr.

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Februar erreichte ein neues Mehrjahrestief und war mit 36,17 US-Dollar zwischenzeitlich so billig wie seit dem Jahr 2004 nicht mehr. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI zur Lieferung im Februar sank bis auf 35,56 Dollar.

Dank des billigen Kerosins können Fluggesellschaften in diesem und im nächsten Jahr mit so viel Gewinn rechnen wie noch nie, erwartet der Airlineverband IATA. Die Europäer sollten von den weltweit erwarteten 36,3 Milliarden Dollar (33 Mrd Euro) Gewinn mit 8,6 Milliarden Dollar (7,8 Mrd Euro) ein knappes Viertel auf sich vereinen. Die Lufthansa steuert schon in diesem Jahr einen operativen Rekordgewinn an.

Preissicherungsgeschäfte und Dollar-Kurs

Die Ersparnisse beim Öl können allerdings nicht von jeder Airline eins zu eins in Gewinn umgerechnet werden. Grund sind langfristig abgeschlossene Preissicherungsgeschäfte. Das sogenannte "Fuel Hedging" bringt zwar Planungssicherheit und minimiert Risiken vor sprunghaften Entwicklungen. Gleichzeitig bergen die Geschäfte das Risiko, von günstigen Entwicklungen wie derzeit am Ölmarkt nicht sofort direkt profitieren zu können. Europäische Airlines haben zudem mit dem ungünstigen Dollarkurs zu kämpfen.

Der Preisvorteil aus dem Kerosin wird allerdingsn ohnehin nicht im vollen Umfang an die Fluggäste weitergegeben werden. Wegen des starken Konkurrenzdrucks waren die Ticketpreise in den letzten Jahren stark unter Druck und die Netto-Erlöse rückläufig. Jetzt ist es Zeit, das zu kmpensieren. Dennoch sanken die Ticketpreise zuletzt kontinuierlich. Die Durchschnittspreise sind laut IATA in diesem Jahr um fast zwölf Prozent gefallen. © dpa, Robert Dyhringer Lesen Sie auch: Deutscher Luftverkehr wächst schwach im Vergleich zur Konkurrenz

Keine Trendwende in Sicht

Aktuelle fundamentale Gründe für den erneuten Rückgang sehen Analysten nicht. Die Stimmung am Ölmarkt sei unverändert schlecht, eine Erholung sei nicht absehbar. "Es hat kein signifikantes Zeichen einer anziehenden Nachfrage gegeben und wir haben keine bedeutenden Rückgänge bei der Produktion gesehen", sagt Ric Spooner, Analyst des australischen Finanzdienstleisters CMC Markets.

Nach wie vor sorgten ein hohes Angebot sowie Nachwehen des jüngsten Treffens der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) für Druck auf die Preise, meint Frank Schallenberger, Rohstoffexperte bei der Landesbank Baden-Württemberg. Bei dem Opec-Treffen Anfang Dezember hatten sich die Mitgliedstaaten nicht auf eine Förderbegrenzung geeinigt. Der Einfluss des zur Monatsmitte abgschlossenen und weitgehend als Erfolg gewerteten Pariser Klimaabkommens auf die Ölpreise sei dagegen nur gering und wenn überhaupt psychologisch begründet, so Schallenberger.

Die Preise für Rohöl befinden sich wegen des hohen Angebots und des gedämpften Wachstums in vielen Schwellenländern seit langer Zeit auf Talfahrt. Alleine in diesem Jahr verbilligte sich der Rohstoff bisher um rund 37 Prozent. 2015 wird damit das dritte Jahr in Folge, in dem der Ölpreis gefallen ist.

"Eine Trendwende beim Ölpreisverfall ist nicht in Sicht", sagte Schallenberger. Spekulanten setzten nach wie vor in massivem Umfang auf fallende Preise. Wenn überhaupt, spreche derzeit nur eines für einen Stopp der Talfahrt: "Die Stimmung am Ölmarkt ist so schlecht, dass sie kaum noch schlechter werden kann."

Von: dh, dpa

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