Digital Passenger (17) Sicherheitspersonal braucht Techniktraining

Wenn Digital Passenger Andreas Sebayang mit seinem Rucksack voller Technik an der Flughafen-Security ankommt, hält er hierzulande oft den Betrieb auf. Aber nicht unbedingt weil er seine Gadgets auspacken muss, sondern eher, weil er sie zuerst gar nicht auspacken soll.

Sicherheitskontrolle an einem Flughafen - © © dpa - Tim Brakemeier

Sicherheitskontrolle an einem Flughafen © dpa /Tim Brakemeier

Womit ich normalerweise Reisen antrete? Mindestens ein Notebooks, ein Tablet, eine Powerbank nahe am Erlaubten und eine Taschenlampe. Dazu kommen oft eine Kameraausrüstung und neuerdings mitunter eine Drohne. Dazu Reserveakkus und allerhand Netzteile. Alles Utensilien, die man lieber nicht in den Koffer packt und als Gepäck aufgibt.

Durch die ganze Technik im Handgepäck können die Scanner am Flughafen schlicht nicht durchschauen. Deswegen habe ich mir angewöhnt, noch in der Schlange das Auspacken vorzubereiten. Doch mancher Sicherheitskontrolleur sieht das argwöhnisch. "Das müssen Sie nicht auspacken", höre ich dann oft - oder so ähnlich. Ich erwidere, dass es sinnvoller ist, die Technik auszupacken. Oft höre ich dann, dass die Kameraausrüstung keine Probleme macht. Nach dem Scan komme ich trotzdem in eine Sonderkontrolle, darf dann noch einmal alles auspacken, und auch eine Sprengstoffkontrolle muss mein elektronisches Equipment über sich ergehen lassen.

Taschenlampe AKA Handgranate

Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen mir das Sicherheitspersonal sagt, meine Taschenlampe sehe aus wie eine Handgranate. Da sind die Scanner oder das Personal offenbar besser geworden. Doch oft mangelt es schlicht an Technikwissen und ich will im Kontrollprozess auch nicht diskutieren.

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Dass kaum Know-How vorhanden ist, merkt man schon daran, dass mein externer Akku mit bis 98 Wattstunden in Europa noch nie gesondert kontrolliert wurde. In Asien passiert das durchaus und es wird gekonnt das Typenschild gesucht und gelesen. Selbst Nintendos Amiibo-Figuren, die kleine Pastikschwerter haben, werden auf ihre Gefährlichkeit hin überprüft.

Hierzulande habe ich oft genug das Gefühl, dass herumgepfuscht wird bei den Kontrollen. Ab und an kommt mein Rucksack voller Technik nämlich doch ohne Sonderkontrolle durch, was eigentlich nicht gehen sollte. Es muss ja nicht so übertrieben sein, wie in den USA, wo die TSA (Transportation Security Administration) mitunter darauf besteht, jedes einzelne Technikstück in einen gesonderten Korb zu legen. Aber etwas präziser sollte das oft in der Privatwirtschaft angeheuerte Personal schon auf die Technik im Handgepäck reagieren. Schließlich erfüllt es hoheitliche Aufgaben im internationalen Luftverkehr.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: Andreas Sebayang für airliners.de

Datum: 19.09.2017 - 10:23

Adresse: http://www.airliners.de/sicherheitspersonal-techniktraining-digital-passenger-17/42388