Sicherheitslücke Luftfracht: Paket in Passagierjet geschmuggelt

30.06.2015 - 15:32 0 Kommentare

Von Kameras heimlich dokumentiert ist ein Paket am Düsseldorfer Flughafen unkontrolliert in einen Passagierjet gelangt. Luftfracht gilt schon lange als Schwachstelle in der Luftsicherheit.

Tor 1 des Flughafens in Düsseldorf. - © © dpa - Roland Weihrauch

Tor 1 des Flughafens in Düsseldorf. © dpa /Roland Weihrauch

Beschäftigte am Düsseldorfer Flughafen können Pakete unkontrolliert in Flugzeuge schmuggeln. Das hat ein WDR-Reporterteam mit Kameras dokumentiert. Über einen nicht durch Wachleute gesicherten Personaleingang an einer Frachthalle hatte ein Mitarbeiter ein Paket auf das Gelände mitgenommen und in einen Luftfrachtcontainer gelegt. Der Container wurde nach einer kurzen Sichtkontrolle vor der Einfahrt auf das Vorfeld in einen Passagierjet geladen.

Bei dem geschilderten Vorgang handele es sich nicht um einen Verstoß gegen geltende Sicherheitsrichtlinien, betonte ein Flughafensprecher. "Die von dem WDR-Team beschriebene Zutrittssituation zur Frachthalle nehmen wir dennoch sehr ernst und werden zeitnah das Gespräch mit dem Luftfahrtbundesamt suchen", heißt es in einer Stellungnahme des Airports.

Der Flughafensprecher räumte ein, dass der Container auf dem Weg zum Flugzeug nicht mehr geröntgt wurde. Die Frachthalle selbst zähle nicht zum sicherheitssensiblen Bereich. Zugang hätten dennoch nur Mitarbeiter, die sicherheitsüberprüft seien. Die Zuverlässigkeitsüberprüfung werde alle fünf Jahre wiederholt. Zudem würden die Beschäftigten üblicherweise trotz der Sicherheitsüberprüfung beim Betreten des Sicherheitsbereichs kontrolliert.

Frachtflüge gelten als Schwachstelle in der Luftsicherheit

Obwohl sich Terroristen in der Vergangenheit vor allem auf Passagierflugzeuge konzentriert haben, geht auch von der Fracht eine direkte Gefahr für Passagiere aus. Über die Hälfte der internationalen Luftfracht wird im Laderaum normaler Passagiermaschinen befördert. Für die Kontrolle von Luftfrachtsendungen sind - anders als bei den Passagierkontrollen - die Fluggesellschaften selbst zuständig.

Frachtflüge gelten schon lange als Schwachstelle in der Luftsicherheit, weil die Standards der Passagier-Security in der Luftfracht nicht ohne weiteres für Frachtgut umgesetzt werden können. Seit dem Frühjahr 2013 geltenden zwar verschärfte EU-Sicherheitsbestimmungen, wodurch mehr Cargo vor dem Verladen sicherheitstechnisch überprüft wird. Da aber ein Durchleuchten je nach Fracht manchmal technisch sogar unmöglich ist, müssen vielfach Stichproben oder ein Einsatz von Sprengstoff-Kontrollhunden ausreichen.

© dpa, EPA/JOHAN NILSSON Lesen Sie auch: Terror erreicht Luftfracht

Flughafenverband kritisiert "Anstiftung zum Rechtsbruch"

"Wenn ein Mitarbeiter, wie in dem ausgestrahlten Fernsehbeitrag gezeigt, unkontrollierte Ware entgegennimmt und weiterleitet sowie Unbefugten Zugang zum Frachtbereich verschafft, macht er sich in unverantwortlicher Weise zum Mittäter", kritisierte der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel. Dies sei ein Fall für den Staatsanwalt.

Dass der WDR sich in seinem Beitrag nicht auf die Dokumentation von operativen Vorgängen beschränkt, sieht Beisel ebenfalls kritisch: "Der WDR gibt hier eine klare Anleitung zur Überwindung eines bewährten Sicherheitssystems."

Aus unserer Sicht ist das kein Rechtsbruch", entgegnete eine WDR-Sprecherin. Der Zugang zur Frachthalle erfolge lediglich über ein Drehkreuz unter Verwendung einer Chipkarte, die bei Verlust oder Diebstahl auch in die Hände Dritter gelangen könne, berichtete der WDR. Zudem hatte bis zum vergangenen Jahr auch ein radikaler Islamist im Sicherheitsbereich des Airports in der Gepäckabfertigung gearbeitet.

© Fraport, Lesen Sie auch: Flughafen Frankfurt weist Bericht über Sicherheitslücke zurück Im März hatte ein Reporter der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" am Flughafen Frankfurt ohne weitere Hilfsmittel mehrere Schranken in der "Cargo City Nord" passiert. Der Reporter war allerdings zu keiner Zeit im sicherheitsrelevanten Bereich.

Von: airliners.de, dpa
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