Die Born-Ansage (26) ( Gastautor werden ) Sensor verschmutzt

04.02.2016 - 12:27 0 Kommentare

Drei Nachrichten haben Karl Born in den vergangenen Tagen zum Nachdenken gebracht. Könnten verschmutzte Sensoren nicht nur im technischen sondern auch im übertragenen Sinne für Probleme verantwortlich sein?, fragt sich der Kolumnist.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Drei Nachrichten beschäftigten mich, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben.

1. Nachricht: Sensor verschmutzt – Flieger kehrte um
Eine Fokker der Austrian Airlines zeigte kurz nach dem Start ein Problem mit der Schubumkehr eines Triebwerkes an. Der Pilot entschied sich zur Rückkehr zum Startflughafen. Dort stellte sich heraus, dass die Schubumkehr in Ordnung war, nur der Sensor war verschmutzt.

2. Nachricht: Lufthansa Vorstand erhält schlechte Noten von den Mitarbeitern
Nur fünf Prozent der befragten Mitarbeiter waren der Meinung, dass Konzernchef Carsten Spohr und seine Kollegen einen ehrlichen Umgang mit den Mitarbeitern pflegen. Für ein Unternehmen, das gerade im Change-Prozess ist, ein vernichtendes Urteil. Wie will man die Mitarbeiter in die neue Ausrichtung mitnehmen, wenn diese den Vorstand für unehrlich halten? Da habe ich mich gefragt, ist eventuell der Sensor des Lufthansavorstandes für seine Mitarbeiter auch verschmutzt?

3. Was steckt in den Zusatzkosten: Steuern, Gebühren, Zuschläge
Da schickt mir ein Lufthansakunde seine Meilenbuchung für einen internationalen Flug mit Lufthansa: 135.000 Meilen eingesetzt, noch zu zahlen 584,52 Euro für Steuern, Gebühren und Zuschläge. Bei dieser Höhe an Zuschlägen möchte man gerne wissen wie sich dieser zusammensetzt:

  • Internationaler/Nationaler Zuschlag 460,00 Euro,
  • Luftverkehrssteuer 41,49 Euro,
  • Luftsicherheitsgebühr 15,97 Euro,
  • Passagierservicegebühr international 17,81 Euro,
  • Passagierservice Inland 34,98 Euro,
  • Flugreisende Abflugsteuer 14,27 Euro.
  • Total: 584,52 Euro

Da fühle ich mich als Flugreisender doch sehr auf den Arm genommen, wenn 20 Prozent des Zuschlages in fünf Einzelpositionen aufgeschlüsselt werden, aber 80 Prozent hinter einer anonymen Bezeichnung Internationaler Zuschlag versteckt werden. Da mein Sensor zum Glück nicht verschmutzt ist, sagt mir das, es geht hier nicht mit rechten Dingen zu.

Jetzt werden die geneigten Leser dieser Kolumne sofort grummeln, ist doch schon sehr lange so, das ist doch nichts Neues. Nein, aber richtig aktuell ärgerlich wird das Ganze, wenn ich jetzt quasi noch eine vierte Nachricht hinzufüge: Noch nie war der Flugzeugtreibstoff so preiswert wie zur Zeit. Aber hinter der oben genannten anonymen Bezeichnung "Internationaler Zuschlag" verbirgt sich der Treibstoffkostenzuschlag.

Und genau da frage ich mich, wie ehrlich ist die Airline im Umgang mit Ihren Kunden. Wird hier nicht vorsätzlich der Sensor der Kunden verschmutzt. Und wenn jetzt noch ein Leser meint, der Airline mit der Bemerkung "der Treibstoffeinkauf wurde langfristig abgesichert, sowohl hinsichtlich Preis als auch hinsichtlich Parität Dollar/Euro", unterstützen zu müssen, frage ich: Gilt diese Absicherung über Jahre hinweg und ist die Differenz zwischen tatsächlichem Einkauf/abgesichertem Einkauf/Kalkulation immer dieselbe?

Natürlich nicht, deshalb eben die Nebelbezeichnung "Internationaler Zuschlag". Man wird sich dahinter so lange verstecken, bis es mal vor einem Gericht kracht. Möge mein Sensor nie so verschmutzt sein, dass mir solche Dinge nicht schmerzhaft auffallen.

Ein Satz zu Punkt 3 muss ich noch hinzufügen. Auf die permanente Fortschreibung des Fuelzuschlages unter verdecktem Namen und in nicht realistischer Höhe hat Lufthansa nicht das alleinige Patent, das machen fast alle Airlines so. Aber trösten tut mich das trotzdem nicht.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
( Gastautor werden )
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