Öko-Nische Flughafen

Seltene Arten neben der Landebahn

11.08.2011 - 14:39 0 Kommentare

Die Grasflächen neben den Start- und Landebahnen des Frankfurter Flughafens haben sich zu wahren Öko-Nischen entwickelt. Während Vögel die Flächen wegen des hohen Grases und weiterer Maßnahmen meiden, lassen sich Insekten auch von startenden Jets nicht stören.

Boeing 767-300ER der Condor - © © Fraport -

Boeing 767-300ER der Condor © Fraport

Ein Schmetterling flattert umher, ein Käfer krabbelt auf wildem Rucola. Im Hintergrund sind zirpende Grillen zu hören, während zehn Meter weiter am Frankfurter Flughafen lautstark ein voll besetzter Jet startet. Die Insekten lassen sich davon nicht stören. «Das Flughafenvorfeld ist eine ökologische Nische», sagt Flughafenförster Thomas Müntze. Zahlreiche Pflanzen- und Tierarten hätten neben den Startbahnen einen für sie idealen Lebensraum gefunden.

Auf den 500 Hektar Vorfeldgrün lebten geschützte Arten wie die blauflügelige Ödlandschrecke zwischen Natternkopf und Wolfsmilchsgewächsen. Auf dem Vorfeld ein Lebensraum für gefährdete Insekten zu schaffen, ist allerdings gar nicht das Ziel von Müntze. «Das ganze Vorfeldgrün wird unter der Prämisse Flugverkehr gepflegt». Naturschutz sei dabei kein vorrangiges Ziel.

Vogelschlag vermeiden

Das ist aber gerade ein Grund dafür, dass sich so viele Arten direkt neben den Landebahnen angesiedelt haben. Das Vorfeldgrün muss vor allem hoch sein und wenig Eiweiß enthalten, wie Müntze berichtet. Dann seien die Pflanzen als Nahrung für Mäuse nicht so attraktiv. Außerdem seien die Nager durch die hohen Pflanzen nur schwer für Greifvögel zu fangen.

Start über Grünfläche - © © Fraport - Bild vergrößern

Start über Grünfläche

Vor allem die Vögel sind es, die so weit wie möglich von den Start- und Landebahnen ferngehalten werden sollen. «Um Vogelschlag zu vermeiden», erklärt Müntze. Gerate ein Vogel in eine Turbine eines Flugzeugs, könne das schon mal einen Schaden in Millionenhöhe verursachen. Im schlimmsten Fall könnten die Flugpassagiere in Gefahr gebracht werden. Das sei am Frankfurter Flughafen jedoch noch nie passiert. «Wir tun deswegen alles, um das Flughafenvorfeld für große Vögel unattraktiv zu gestalten».

Möglichst wenig Futter für die Vögel

Die Vögel wollten fressen, sich ausruhen und schlafen, erläutert Müntze. Dort setzt der Förster an. Wenn das Futter schlecht zu erreichen sei, gingen die Vögel dorthin, wo sie leichter satt würden. «Wir versuchen das Nahrungsangebot so zu manipulieren, dass es nicht mehr interessant ist». Deswegen gebe es auf dem Vorfeld beispielsweise möglichst keine Beeren tragenden Sträucher.

Gefährlich sind den Angaben zufolge alle Vögel ab Faustgröße, von Staren über Greifvögel bis zu Wasservögeln. Die Vögel und auch alle anderen Tiere in Flughafennähe lassen sich nach Angaben des Försters nicht vom Lärm der Flugzeuge abschrecken. Sie gewöhnten sich an die Geräusche.

Niedrige Vogelschlagquote in Frankfurt

Seit einiger Zeit werden auf allen Schildern auf dem Flughafengelände 18 Zentimeter lange Spitzen angebracht, damit die Vögel sich dort nicht hinsetzen könnten. Mögliche Ruhezonen beispielsweise an Gebäudefassaden gebe es nicht, auch die Lebensmittelverarbeitung am Flughafen werde kontrolliert: Die Abfälle sollen nicht als Futterquelle zugänglich sein. Die Bemühungen sind Müntze zufolge erfolgreich. Der Frankfurter Flughafen habe eine der niedrigsten Vogelschlagquoten in Deutschland. Neben dem Vorfeld nennt der Flughafen auch noch 500 Hektar Wald sein Eigen. Auch dort gelten für den Förster besondere Maßstäbe. Wegen der Erweiterung des Flughafens würden Waldflächen in Anspruch genommen. Dafür stünden dann immer wieder Aufforstungen an.

282 Hektar Wald für neue Landebahn gerodet

Allein für den derzeitigen Bau einer dritten Landebahn samt neuer Lagerhallen, Terminal und Autobahnanschluss wurden 282 Hektar gerodet. So auch im Kelsterbacher Wald. Aus ihm seien die Tiere gefangen und dann umgesiedelt worden, berichtet Müntze. Als Ausgleich werden derzeit 288 Hektar um den Flughafen aufgeforstet. Die Kosten für die tier- und naturschutzrechtlichen Maßnahmen würden auf 100 Millionen Euro geschätzt. Viele Flächen mussten dazugekauft werden, sagt der Förster.

Dachbegrünung am Flughafen Frankfurt - © © Fraport - Bild vergrößern

Dachbegrünung am Flughafen Frankfurt

Erstmals mit dem Bau der neuen Landebahn Nordwest waren auch Biologen auf dem Vorfeld. Die Wissenschaftler seien erstaunt über die Artenvielfalt gewesen, sagt Müntze. Die Entdeckung hat allerdings auch Konsequenzen für den Flughafen: «Wir müssen jetzt Vorgaben einhalten.» So müsse bei Baumaßnahmen neuerdings auf die Jahreszeit geachtet und die Tiere müssten umgesiedelt werden. Damit auch die blauflügelige Ödlandschrecke und andere Tiere heimisch bleiben.

Von: Helena Baers, dapd
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