Security-Tarifvertrag an Flughäfen steht nun doch

12.04.2019 - 16:48 0 Kommentare

Die Gewerkschaft DBB/Komba unterzeichnet den ersten bundesweiten Tarifvertrag für Security-Mitarbeiter an deutschen Flughäfen. Die Verdi-Mitglieder hatten die gemeinsam verhandelten Regelungen zuvor abgelehnt.

Sicherheitskontrolle am Flughafen München - © © dpa -

Sicherheitskontrolle am Flughafen München © dpa

Zweieinhalb Monate nach der ersten Einigung über einen Tarifvertrag für Security-Mitarbeiter an deutschen Flughäfen und einer darauf folgenden Ablehnung durch die Verdi-Mitglieder steht der Vertrag nun doch. Allerdings nicht mit Verdi, sondern mit der DBB/Komba.

Für die Beschäftigten der Luftsicherheitsunternehmen bedeute der Vertrag "nun endlich" Lohnerhöhungen von bis zu 9,77 Prozent, teilte der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen BDLS mit. Die rund 23.000 Beschäftigten der Luftsicherheit an deutschen Flughäfen würden eine Gehaltserhöhung in drei Schritten bekommen: Zum 01.04. (§5er-Mitarbeiter) beziehungsweise 01.05.2019 (alle weiteren Mitarbeitergruppen), zum 01.01.2020 sowie zum 01.01.2021.

Die in fünf Runden und nach verschiedenen Streiks vereinbarte bundesweite Tariferhöhung sieht dabei je nach Region und Tätigkeit verschiedene Sätze vor. Darüber hinaus wurde laut Gewerkschaft vereinbart, dass im Anschluss an die Entgelttarifverhandlungen die Verhandlungen über einen Entgeltrahmentarifvertrag sowie einen Manteltarifvertrag aufgenommen werden.

Tariferhöhungen nach Regionen und Tätigkeitsgruppen

§ 5 LuftSiG: Entgelterhöhung auf 19,01 Euro pro Stunde in drei Schritten zum 1. April 2019, 1. Januar 2020 und 1. Januar 2021 in allen Bundesländern

§§ 8, 9 LuftSiG (Personal- und Warenkontrolle): Entgelterhöhung auf 17,73 Euro pro Stunde in drei Schritten zum 1. Mai 2019, 1. Januar 2020 und 1. Januar 2021 (Ausnahmen: in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf 15,57 Euro pro Stunde sowie in Rheinland-Pfalz und dem Saarland auf 16,90 Euro pro Stunde; Ziel ist dort eine möglichst zügige Angleichung an die übrigen Bundesländer)

§§ 8, 9 LuftSiG: Entgelterhöhung auf 16,47 Euro pro Stunde in Baden-Württemberg, auf 15,76 Euro pro Stunde in München, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, auf 15,48 Euro pro Stunde in NRW, 15,43 Euro pro Stunde in Berlin und Brandenburg, 15,33 Euro pro Stunde in Rheinland-Pfalz und Saarland, auf 14,22 Euro pro Stunde in Bayern (außer München) sowie auf 13,64 Euro pro Stunde in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in drei Schritten zum 1. Mai 2019, 1. Januar 2020 und 1. Januar 2021 (die Angleichung zwischen den Bundesländern soll möglichst zügig erfolgen)

Service qualifiziert: Entgeltgruppe wird neu eingeführt mit 12,00 Euro pro Stunde ab 1. Mai 2019, 12,44 Euro pro Stunde ab 1. Januar 2020 und 12,90 Euro pro Stunde ab 1. Januar 2021

Service: Entgelterhöhung auf 12,32 Euro pro Stunde in drei Schritten zum 1. Mai 2019, 1. Januar 2020 und 1. Januar 2021 in allen Bundesländern

Teilweise würden die Beschäftigten mit dem neuen Tarifvertrag nun insgesamt sogar deutlich über zehn Prozent Einkommenserhöhungen bekommen, freute sich die DBB/Komba. Verhandlungsführer Volker Geyer sagte, man habe in den Verhandlungen auch einen Fahrplan für eine zügige Angleichung der Entgelte in allen Bundesländern durchsetzen können: "Das schafft Gerechtigkeit und zwar bundesweit – in Ost und West."

Ziel sei, die die Entgeltgruppen in den Bundesländern in den nächsten Jahren anzugleichen, teilte auch die Arbeitgeberseite mit. Man habe die Gewerkschaftsvertreter des DBB von der vorgeschlagenen Struktur zur Angleichung der Löhne in den einzelnen Tätigkeitsbereichen überzeugen können, sagte BDSL-Verhandlungsführer Rainer Friebertshäuser. "Für die Luftsicherheitsassistenten erfolgt diese Angleichung bereits innerhalb der Laufzeit des nun unterzeichneten Tarifabschlusses."

Nach einem negativen Mitglieder-Votum konnte der mit Verdi Ende Januar eigentlich bereits unterzeichnete Tarifvertrag nicht wie geplant im März in Kraft treten. Nach dem knapp ablehnenden Votum werde man die strittige Punkte nachverhandeln, hatte Verdi damals angekündigt.

Gewerkschaften wollen sich nicht "auseinanderdividieren lassen"

Daraus wird nun offenbar nichts. Verdi müsse als zweite beteiligte Gewerkschaft nun erneut intern darüber abstimmen, ob sie den Tarifvertrag ebenfalls unterzeichnet, sagte eine BDLS-Sprecherin zu airliners.de. Man habe sich nun abschließend mit DBB/Komba geeinigt.

© dpa, O. Berg, Lesen Sie auch: Verdi-Mitglieder lassen Security-Tarifeinigung platzen

Die Redaktionsverhandlungen in den letzten Wochen hätten mit Verdi-Beteiligung stattgefunden, teilte DBB/Komba mit. Die Gewerkschaften würden sich von der Arbeitgeberseite "nicht auseinanderdividieren lassen", so Geyer.

Bei dem nun erzielten Entgelttarifvertrag handelt es sich um den ersten bundesweiten Tarifvertrag für die Security-Beschäftigten an deutschen Flughäfen. Das Tarifwerk gilt in der privat organisierten Branche als Meilenstein. An die Stelle regionaler Tarifverträge für das Sicherheitspersonal tritt nun ein bundesweiter Abschluss. Im Gegenzug für höhere Gehälter erhofft sich die Arbeitgeberseite weniger Streiks.

Von: dh
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