Schwere Sicherheitsmängel am Flughafen Frankfurt am Main

22.12.2014 - 11:24 0 Kommentare

Ist Deutschlands größtes Drehkreuz ein Luftsicherheitsrisiko? Bei verdeckten Kontrollen hat die EU-Verkehrskommission am Flughafen Frankfurt gravierende Sicherheitsmängel entdeckt. Jetzt droht im Extremfall eine Herabstufung zum Non-Schengen-Flughafen.

Passagiere stehen am Flughafen von Frankfurt an der Sicherheitskontrolle.  - © © dpa - Frank Rumpenhorst

Passagiere stehen am Flughafen von Frankfurt an der Sicherheitskontrolle. © dpa /Frank Rumpenhorst

Bei verdeckten Kontrollen an Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt am Main hat die EU-Kommission nach einem Medienbericht erhebliche Sicherheitsrisiken aufgedeckt. Den Prüfern sei es bei jedem zweiten Versuch gelungen, Waffen oder gefährliche Gegenstände durch die Passagierkontrolle zu schmuggeln, schreibt «Bild am Sonntag» (BamS, login). Als Hauptgrund für die Probleme nenne der als geheim eingestufte Prüfbericht schlecht geschultes Personal der beauftragten Dienstleister. So hätten die Mitarbeiter etwa die Röntgenbilder bei den Handgepäck-Kontrollen nicht richtig deuten können.

Die EU-Kommission bestätigte, dass es regelmäßig Sicherheitstests an Europas Flughäfen gebe. Der Sprecher in Brüssel wollte die Ergebnisse einzelner Flughäfen aber nicht kommentieren. Das Bundesinnenministerium sprach am Montag von einem «ernstzunehmendem Vorfall», der Anlass sei, grundsätzlich über das System der Kontrollen am Frankfurter Flughafen nachzudenken. Die EU-Kommission habe «erhebliche Mängel» festgestellt, sagte ein Ministeriumssprecher, ohne nähere Angaben zu machen.

Ein Sprecher der Bundespolizei sagte der Zeitung: «Wir haben Sofortmaßnahmen eingeleitet, um die Sicherheit der Passagiere wieder zu gewährleisten.» Das erkläre auch die gegenwärtig längeren Wartezeiten. Der Sprecher der EU-Kommission erläuterte, sollten Tests Sicherheitsmängel aufzeigen, müssten die Staaten dafür sorgen, dass nachgebessert werde und Mängel schnell beseitigt würden.

Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bestätigte die Flughafengesellschaft Fraport, dass Frankfurt wie auch einige andere europäische Airports zu Nachbesserungen bei der Sicherheit aufgefordert worden seien. Der «BamS» zufolge droht die EU-Kommission jetzt damit, den Flughafen als «Non-Schengen-Airport» einzustufen, sollten die Maßnahmen nicht greifen. Dann müssten sich Flugreisende in Frankfurt bei der Einreise in andere EU-Länder einer erneuten Sicherheitskontrolle unterziehen. Branchenkenner halten dies nur im Extremfall für wahrscheinlich.

Mitarbeiter werden in großem Umfang nachgeschult

Fraport-Sprecher Christopher Holschier sagte, zwei Firmen kontrollierten die Passagiere am Frankfurter Airport: I-SEC und die Flughafengesellschaft selbst. Allein bei Fraport sei eine Nachschulung von 2500 Mitarbeitern eingeleitet worden. Die Trainer seien auch verstärkt bei den Kontrollen selbst dabei. Arbeitsrechtliche Konsequenzen seien derzeit nicht vorgesehen.

Die Bundespolizei mache mehrmals im Monat unangekündigt und verdeckt sogenannte Realtests, damit Fehler erkannt und abgestellt werden könnten. «Die Ergebnisse werden nicht öffentlich gemacht», sagte Fraport-Sprecher Holschier. In deutlich größeren Abständen gebe es auch auf nationaler und EU-Ebene solche Kontrollen der Kontrollen.

Für die eigentliche Schulung des Personals der Passagierkontrollen sind nach Holschiers Worten 196 Stunden vorgeschrieben. Die Bundespolizei formuliere die Anforderungen und nehme den Abschlusstest ab. Die neuen Nachschulungen dauerten acht bis zehn Stunden.

Gewerkschaft: Flugsicherheit wieder komplett in staatliche Hand

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte, dass der Staat wieder allein die Sicherheitskontrollen an Flughäfen übernimmt. "Nur dies garantiert Qualität und Kontinuität in der Flugsicherheit", teilte der Vorsitzende des GdP-Bezirks Bundespolizei, Jörg Radek, am Montag mit. "Die Ergebnisse der EU-Untersuchung zeigen: Die Fluggastkontrolle darf kein Anlernberuf mit in der Folge schlechter Bezahlung und hoher Fluktuation bleiben." Die Privatisierung in diesem Bereich im Jahr 1993 habe zu deutlich schlechteren sozialen Rahmenbedingungen und einer massiven Arbeitsverdichtung geführt.

Der Beamtenbund kritisierte ebenfalls, dass Sicherheitsaufgaben am Frankfurter Flughafen in großem Stil an private Dienstleister übertragen werden. "Wir haben hier eine echte Polizeiaufgabe vor uns", sagte der Vorsitzende des DBB Beamtenbund und Tarifunion, Klaus Dauderstädt, der Deutschen Presse-Agentur. Sie dürfe zwar übertragen werden. "Doch angesichts der Prüfungsergebnisse mache ich ein großes Fragezeichen, ob es wirklich richtig ist, primäre Sicherheitsaufgaben des Staates in private Hände zu geben."

Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer (CSU), verteidigte dagegen grundsätzlich den Einsatz von privatem Sicherheitspersonal an Flughäfen. Aufgrund der Personalsituation bei der Bundespolizei müsse es durchaus möglich sein, "auch bestimmte Aufgaben an private Sicherheitsdienste zu delegieren, aber natürlich nach bestimmten konkreten Vorgaben", sagte Mayer im WDR. Die Sicherheitsdienste müssten regelmäßig überprüft, kontrolliert und evaluiert werden.

Von: dpa, AFP
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Blick auf den Flughafen Frankfurt. Flughafen Frankfurt legt im September zu

    Mehr Passagiere, mehr Flugbewegungen, mehr Fracht: Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt wächst im September. Die anderen Fraport-Beteiligungen legen sogar fast alle zweistellig zu.

    Vom 12.10.2017
  • Schriftzug am Terminalgebäude des Flughafen Zürich. Airport Zürich stellt Passkontrollen um

    Der Flughafen Zürich führt automatisierte Passkontrollen ein. Der Umbau der Passkontrollhalle geschieht in enger Zusammenarbeit mit der Kantonspolizei, heißt es in einer Mitteilung. Die Kosten für die Installation der zusätzlichen Schalter und Schleusen belaufen sich auf umgerechnet rund sieben Millionen Euro.

    Vom 12.10.2017
  • Reisende warten vor dem Sicherheitsbereich im Terminal 1 am Flughafen Köln/Bonn. Köln/Bonn: Kötter-Nachfolge wohl geregelt

    Wechsel bei den Personal- und Warenkontrollen am Flughafen Köln/Bonn: Da man dem Unternehmen Kötter vorzeitig gekündigt hatte, war man auf der Suche nach einem neuen Sicherheitsdienstleister. Nun ist der Airport offenbar fündig geworden.

    Vom 10.10.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Luftsicherheit Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »