Schweizer Flugsicherung entsetzt über Strafurteil gegen Fluglotsen

05.07.2019 - 07:01 0 Kommentare

Die Schweizer Flugsicherung Skyguide sieht die Sicherheitskultur des Schweizer Luftverkehrs durch die Verurteilung eines Fluglotsen zu einer Geldstrafe gefährdet. Und teilt mit, dem Lotsen keinesfalls zu kündigen.

Ein Lotsen-Arbeitsplatz bei Skyguide - © © Skyguide -

Ein Lotsen-Arbeitsplatz bei Skyguide © Skyguide

Obwohl kein Personen- oder Sachschaden entstanden ist, ist laut der Schweizer Flugsicherungsorganisation Skyguide erstmals einer ihrer Lotsen rechtskräftig verurteilt worden. Das Schweizer Bundesgericht hat das Urteil einer Vorinstanz zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen für den Lotsen bestätigt.

Zuvor befand das Bundesstrafgericht in Bellinzona den Skyguide-Angestellten für schuldig, für die gefährliche Annäherung von zwei Passagierflugzeugen in Zürichs Luftraum verantwortlich zu sein. Ein Airbus A319 der portugiesischen Fluggesellschaft TAP und eine Boeing 737 der Ryanair waren am 12. April 2013 auf sich kreuzenden Luftrouten unterwegs und kamen sich im Steigflug gefährlich nahe.

Der Fehler führte laut Basler Zeitung zu einem Alarm des bodenseitigen Konfliktwarnsystems. Die beiden Flugzeuge erhielten einen Ausweichbefehl zu steigen beziehungsweise zu sinken. Der kleinste Abstand zwischen ihnen betrug horizontal 1,4 Kilometer und vertikal rund 200 Meter. Der vorgeschriebene Mindestabstand beträgt horizontal 9,3 Kilometer und vertikal rund 300 Meter.

Der Fluglotse habe durch sein Handeln eine konkrete Gefährdung geschaffen und seine Sorgfaltspflichten verletzt, zitiert die Zeitung aus der Urteilsbegründung des Bundesgerichts. Die Richter hätten den Angeklagten daher mit einer bedingten Strafe von 60 Tagessätzen à 300 Franken belegt.

Auch der Pilot des Ryanair-Flugzeuges wurde im April 2017 wegen fahrlässiger Störung des Verkehrs verurteilt. Er ging jedoch nicht in Berufung.

Unverständis bei Flugsicherung über Urteil

Die staatliche Skyguide, verantwortlich für die gesamte Luftraumüberwachung der Schweiz, widerspricht dem Urteilsspruch scharf. In einer Mitteilung zeigte man sich über die Entscheidung "enttäuscht" und kündigte an, nun zu analysieren, was das Urteil für die künftige Arbeit der Flugsicherung bedeute.

Da menschliche Fehler nie ausgeschlossen werden könnten, sei der Umgang mit ihnen gerade in der Luftfahrt entscheidend, so Skyguide. Um aus gemachten Fehlern die nötigen Lehren ziehen zu können und das System kontinuierlich zu verbessern, lebe man eine Sicherheitskultur, die als "Just Culture" bezeichnet werde.

Diese ermögliche es Mitarbeitern, gemachte Fehler zu melden, ohne disziplinarische Konsequenzen befürchten zu müssen, sofern diese nicht mutwillig oder grob fahrlässig begangen wurden. Aus diesen "freiwilligen, ehrlichen und umfassenden Meldungen" könne Skyguide rasch Verbesserungen ableiten und unterstützende Massnahmen einleiten.

Die erprobte Fehlerkultur habe die Luftfahrt zum sichersten Transportmittel überhaupt gemacht und man werde daran festhalten. Im jetzt abgeurteilten Fall hätten laut Skyguide sowohl der beteiligte Fluglotse als auch einer der beteiligten Ryanair-Piloten "den Vorfall offen und ehrlich gemeldet, wodurch eine interne und externe Untersuchung eingeleitet wurde." In der konkreten Gefahrenlage hätten die Sicherheitsnetze der Flugsicherung die Annäherung der beiden Flugzeuge erkannt und wie vorgesehen zur Entschärfung der Situation beigetragen.

Urteil steht Weiterentwicklung der Sicherheit laut Skyguide im Weg

Skyguide schließt seine Ausführungen mit der Feststellung, dass Gerichtsprozesse und Verurteilungen den Flugverkehr nicht sicherer machen könnten. Vielmehr würden sie die stetige Weiterentwicklung der Sicherheit im Schweizer Luftverkehr gefährden. Der betroffene Fluglotse würde seinen Arbeitsplatz bei Skyguide auf jeden Fall behalten.

Nach Meinung der Neue Zürcher Zeitung (NZZ) kommt dem jetzigen und ähnlichen erstinstanzlichen Urteilen in jüngster Vergangenheit ein wegweisender Charakter zu, der Folgen für den Flugbetrieb am größten Schweizer Flughafen in Zürich haben könnte.

© Swiss , Lesen Sie auch: Fluglotsen verunsichert: Verspätungen im Luftraum Zürich

Von: dk
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