Die Born-Ansage (58) ( Gastautor werden )

Schwarzer April der US-Airlines

27.04.2017 - 12:06 0 Kommentare

Prügel vom Flugbegleiter, zerstörte Surf-Boards und Waffen auf der Bord-Toilette: Der April war für einige US-Airlines keine Glanzleistung, findet Kolumnist Karl Born. Selbst Riesen-Kaninchen bleiben nicht verschont.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Hat man den Sicherheitscheck am Flughafen überstanden, dann glaubt man sich in Sicherheit. Das ist aber noch nicht einmal in Deutschland so, siehe aktuell den Skandal um die Sicherheitsfirma Kötter in Köln und Düsseldorf. In Ansage 11 hatte ich schon an der Zuverlässigkeit der Firma gezweifelt. Durch Fortbildung sollte aber alles besser werden. Dummerweise kam jetzt heraus, dass viele der Fortbildungsbescheinigungen gefälscht waren. Zusätzliche Kenntnisse über das Finden von Sprengstoff bei der Kontrolle wurden bestätigt, aber überhaupt nicht gelehrt.

In den USA ist die Lage etwas anders. Da gilt das Überleben des Sicherheitschecks an sich (oder etwas einfacher formuliert, das Überstehen des Checks) schon als Erfolg. Aber garantiert das schon Sicherheit, selbst wenn kein Terrorist an Bord ist? Das brutale Herausholen eines Fluggastes aus einer abflugbereiten Maschine, wie zum Beispiel bei United Airlines, lässt das Gegenteil vermuten.

US-Airlines sind solidarisch

Im Folgenden habe ich mir mal einige Ereignisse im April angesehen und ich muss sagen, dieser April war einfach keine Glanzleistung der US-Airlines. Man könnte natürlich auch sarkastisch formulieren: Das ist das Schöne an den US-Airlines, sie handeln solidarisch (hat die Kartellbehörde auch schon geärgert).

Kaum wird United Airlines durch die sozialen Medien gezogen, springt sofort American Airlines entlastend zur Seite. Eine Frau mit Baby wird von einem Flugbegleiter geschlagen. Aber nicht beim Kampf um eine Waffe, sondern um einen eventuell zu breiten Kinderwagen für die Kabine.

Wenn man den im Handy-Video gedrehten, fraglichen Flugbegleiter (Typ Bodyguard des amerikanischen Präsidenten) sieht, muss man den Fluggast loben, der sich ihm in den Weg gestellt hat. Im Video (liebe Airline, immer daran denken, fast jeder Fluggast hat so "ein Ding, das euch den Ruf vermiesen kann") sieht man auch den dabeistehenden Flugkapitän, der das alles sehr interessiert beobachtet. Man kann nur hoffen, dass er im Cockpit aktiver agiert.

Aber bei den großen US-Airlines gibt es auch noch Delta. Die wollten im April noch etwas mehr bieten. Da hat man dem "normalen" Passagier bei der Sicherheitskontrolle auch noch die kleinste Nagelschere abgenommen. Dann geht er an Bord der Delta und muss mitten über dem Atlantik auf die Toilette. Und da liegt doch tatsächlich, einfach so, eine Waffe herum. Aber nicht eine Spielzeugpistole, sondern eine echte. Und damit es richtig aufregend wird, ist die Waffe auch noch geladen.

Na super, sie gehörte einem Air Marshall. Auf einer Toilette legen viele manches ab (Ringe, Schlüssel und so weiter), aber die meisten nehmen es anschließend beim Verlassen wieder mit. Das ist grundsätzlich sehr empfehlenswert.

Vier Surfbretter zerstört

Das war noch nicht alles im April. Es gibt noch eine Geschichte von American Airlines. Aber diesmal haben sie sich den Falschen ausgesucht. Alex Gray ist nicht irgendwer, sondern ein bekannter Surfprofi. Und von seinen fünf Surfboards fand er nach der Landung vier Bretter zerstört vor. "Zerstört" meint nicht "stark beschädigt", sondern "richtig kaputt", in der Mitte durchgebrochen.

Fachleute wissen, dafür bedarf es einiges an Gewalt. Aus dem Zustand der Tasche erkannte er, dass jemand die Bretter aus der Tasche genommen hatte und wieder einlegte. Hat die Airline oder der Abfertigungsagent mal nachgesehen, wie kaputt die Surfboards Bretter waren und stillschweigend wieder in die Tasche gepackt?

Aber Gray kannte wohl die Geschichte von "United breaks guitars", gab sofort medial Vollgas, kommunizierte über den Hashtag #americanairlinesbreakssurfboards und besorgte sich einen TV-Termin.

Nachdem er im Fernsehen widersprach, dass die Fluggesellschaft sich bei ihm gemeldet habe, ging es bei American sehr schnell. Er bekam die höchste Erstattung, die nach den Richtlinien des Unternehmens erlaubt sind. Das war so viel, dass er nach Ersatz seines Equipments den Rest noch spenden konnte.

Und noch ein Vorfall bei United Airlines

Kommen wir noch mal zurück zu unserer Lieblingsairline United. Ebenfalls noch im April zeigte sie, dass es bei ihr nicht nur in der Kabine etwas rustikal zugehen kann, sondern auch ihr Umgang mit Tieren im Frachtraum nicht so ungefährlich ist. Dort überlebte wenige Tage nach dem bekannten Skandal leider ein besonders wertvolles Exemplar eines Riesenkaninchens den Flug von London nach Chicago nicht.

United holte wieder ihre Standardformulierung aus der Mottenkiste, dass die Sicherheit und das Wohlergehen aller, die mit United reisen, von allergrößter Wichtigkeit sei. Das hilft dem Riesenkaninchen leider nicht mehr, das nach Angaben seines Züchters die besten Voraussetzungen hatte, das größte Kaninchen der Welt zu werden.

Interessant war eine veröffentliche Statistik, dass bei den 17 amerikanischen Fluggesellschaften in einem Jahr 35 Tiere während des Transports starben, neun davon bei United. Diese Quote von 26 Prozent dürfte über dem Marktanteil von United liegen. Zufall?

Das letzte April-Opfer bei den US-Airlines möchte ich Ihnen auch nicht verschweigen: United hat ihrem CEO Oscar Munoz als Folge seines "unglücklichen" Verhaltens beim Rauswurf-Skandal eines Passagiers den versprochenen Sprung zusätzlich zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats versagt.

Da ging der April bei den US-Airlines doch noch mit einer guten Nachricht zu Ende.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de
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