Schulte bremst Erwartungen zu Lärmpausen in Frankfurt

15.07.2014 - 10:49 0 Kommentare

In der Diskussion um zusätzliche Lärmpausen am Flughafen Frankfurt hat Fraport-Chef Schulte vor überzogenen Erwartungen gewarnt. Die hessische CDU hatte zuvor siebenstündige Lärmpausen «auf Dauer» versprochen.

Der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, Stefan Schulte, spricht am 31.05.2013 auf der Fraport-Hauptversammlung in der Jahrhunderthalle in Frankfurt am Main über Flugrouten. - © © dpa - Fredrik von Erichsen

Der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, Stefan Schulte, spricht am 31.05.2013 auf der Fraport-Hauptversammlung in der Jahrhunderthalle in Frankfurt am Main über Flugrouten. © dpa /Fredrik von Erichsen

Im Lärmpausen-Diskurs am Frankfurter Flughafen hat der Chef des Betreibers Fraport vor überzogenen Erwartungen gewarnt. «Wir gehen davon aus, dass wir Lärmpausen realisieren können», sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte am Montagabend in Frankfurt. Es werde aber nicht möglich sein, gleich zu Anfang sämtliche Ansprüche an die zusätzlichen Ruhepausen etwa in den Punkten Planbarkeit oder gleichmäßiger Lärmverteilung zu erfüllen.

Schulte nannte noch keine Einzelheiten, wie unter den Anflügen der einzelnen Bahnen die Lärmpausen organisiert werden könnten. Dazu liefen noch Planungen, Simulationen und Absprachen unter anderem mit der Flugsicherung. Die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens dürfe nicht weiter eingeschränkt werden, verlangte der Fraport-Manager. Am stärksten betroffen vom An- und Abfluglärm sind Stadtteile von Frankfurt, Neu-Isenburg und Offenbach sowie Gemeinden im Westen des Flughafens.

Grundsätzlich ist geplant, in verkehrsschwächeren Zeiten die Landungen auf eine der drei möglichen Bahnen zu konzentrieren. Ein ähnliches Verfahren gibt es bereits für die Starts von Deutschlands größtem Flughafen, an dem seit 2011 jede Nacht ein sechsstündiges Flugverbot von 23.00 bis 05.00 Uhr gilt. Die schwarz-grüne Landesregierung strebt an, diese Ruhephase bahnbezogen um eine Stunde zu verlängern.

Sowohl die letzte Abendstunde als auch die erste Betriebsstunde am Morgen gehören in Frankfurt zu den verkehrsschwachen Zeiten, weil laut rechtsgültiger Planfeststellung in diesen beiden Stunden zusammen nur 133 Flugbewegungen erlaubt sind statt der sonst möglichen 256. Allerdings sind in den Randstunden Starts und Landungen ungleich verteilt: Abends finden fast ausschließlich Starts statt, während am Morgen unmittelbar nach 05.00 Uhr eine Vielzahl von Fliegern in Frankfurt landen will. Darunter sind überproportional viele Großflugzeuge wie der Boeing-Jumbo 747 und die A380 von Airbus, die nicht die neue Nordwestlandebahn nutzen dürfen.

Zuletzt hatte der CDU-Fraktionschef im hessischen Landtag, Michael Boddenberg, in einem Interview erklärt, die Lärmpausen könnten «auf Dauer» eingerichtet werden. Der «Frankfurter Rundschau» sagte Boddenberg: «Das ist zwar in den nächsten Monaten eine große Anstrengung. Es lässt sich jedoch, weil die Begrenzung im Planfeststellungsbeschluss festgeschrieben wurde, für die Zukunft aufrechterhalten.»

SPD will Landtagsanhörung zu Flughafen

In dem Interview greift Boddenberg auch den Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) an. «Ich bin nicht sicher, ob er immer ganz im Bilde ist», sagte der CDU-Politiker. Feldmann hatte sich vor wenigen Tagen in der «Rundschau» erneut für ein achtstündiges Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr am Frankfurter Flughafen ausgesprochen. «Er tut das wider besseres Wissen, zumal er die Rechtslage und den Planfeststellungsbeschluss kennt», kommentierte Boddenberg im Interview. «Offenbar ist er der Überzeugung, dass er mit solchen Überschriften Punkte sammeln kann.»

Der hessische SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel will derweil den Bau des dritten Terminals am Frankfurter Flughafen zum Thema einer Anhörung im Landtag machen. Eine entsprechende Initiative wolle er seiner Fraktion am Dienstag vorschlagen, kündigte Schäfer-Gümbel am Montag im Sat.1-Ländermagazin für Hessen und Rheinland-Pfalz an. Dabei solle es auch darum gehen, wie es insgesamt an dem Flughafen weitergehen könne. Der Bauantrag für Terminal 3 wurde im September 2013 gestellt. Sofern alles nach Plan verläuft, könnte im kommenden Jahr der Spatenstich erfolgen.

Von: dpa, airliners.de
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