Lufthansa und Piloten legen Streit um Gehälter bei

15.02.2017 - 15:23 0 Kommentare

Die Lufthansa und ihre Piloten haben den Lösungsvorschlag eines Schlichters angenommen. Die Gehälter steigen - und die Airline weiß auch schon, wie sie kompensieren will. Das wiederum entsetzt die Flugbegleiter.

Ein Pilot der Lufthansa. - © © dpa - Boris Roessler

Ein Pilot der Lufthansa. © dpa /Boris Roessler

Die Lufthansa hat sich mit ihren Piloten auf eine Gehaltserhöhung geeinigt. Mit dieser Teillösung für den jahrelangen Tarifstreit folgten beide Seiten einer Empfehlung des Schlichters Gunter Pleuger. Weil die Lufthansa gleichzeitig wegen der entstehenden Millionenkosten 40 neue Flugzeuge außerhalb des Konzerntarifvertrags fliegen lassen will, kritisierte das ebenfalls Kabinenpersonal den Kompromiss.

Letzterer gilt für die 5400 Piloten von Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings und umfasst eine Gehaltserhöhung um 8,7 Prozent in vier Stufen. Außerdem gibt es eine Einmalzahlung von durchschnittlich 5000 bis 6000 Euro pro Vollzeitbeschäftigten, was laut Cockpit etwa einem halben Monatsgehalt entspricht. Die Laufzeit der Vergütungstarifverträge gilt bis Ende 2019.

Über die Annahme des Schlichterspruchs zur Vergütung entscheiden nun noch die Mitglieder der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) in einer Urabstimmung. Cockpit-Sprecher Markus Wahl nannte den Kompromiss für die Piloten "gerade so akzeptabel". Von ihnen werde maximale Kompromissbreitschaft verlangt. Trotzdem emfpahl die Gewerkschaft ihren Mitgliedern, den Vorschlag anzunehmen. Das Ergebnis der Urabstimmung soll nach Gewerkschaftsangaben Ende März vorliegen.

Lufthansa will Ausgaben kompensieren

Der Fluggesellschaft entstehen durch den Schlichterspruch nach eigenen Angaben Zusatzkosten von rund 85 Millionen Euro pro Jahr plus rund 30 Millionen für die Einmalzahlung. Diese Ausgaben sollen dadurch kompensiert werden, dass die Besatzung von 40 dem Konzern noch zugehenden Flugzeugen "außerhalb des Konzerntarifvertrags" bezahlt werden soll.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: Lufthansa-Manager wirft Gründung einer neuen Airline in den Raum

Einzelheiten zum Betrieb dieser Flugzeuge will die Lufthansa in den kommenden Wochen konkretisieren. Das Unternehmen sicherte dem Boden- und Kabinenpersonal zu, deren Beschäftigungsperspektiven würden nicht belastet.

Flugbegleiter sprechen von "Tarifflucht"

Allerdings zweifelt die Flugbegleiter-Organisation Ufo an dieser Zusicherung. "Für uns sind die verkündeten Folgen des nun gefundenen Schlichterspruchs ein Super-GAU", sagte Ufo-Tarifvorstand Nicoley Baublies der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". Alle Befürchtungen des Boden- und Kabinenpersonals seien wahr geworden: Es gebe keine Gesamtlösung und in der Folge würden Arbeitsplätze gleich andernorts mit ausgelagert.

Baublies sagte, diese Lösung sei insofern frustrierend, als Ufo monatelang mit dem Management konstruktiv gerungen habe. Nun laufe alles auf "Tarifflucht" hinaus. "Das ist ein Unding." Er glaube auch nicht, dass die Lufthansa nun etwas gewonnen habe. Das Thema Gehaltserhöhungen mit den Piloten sei zwar beendet, zehn weitere Tarifverträge zwischen beiden Seiten seien aber weiter offen.

Tatsächlich ist mit dem Schlichterspruch der langwierige und immer wieder von Streiks begleitete Tarifstreit zwischen Lufthansa und Cockpit noch nicht beendet. Strittig sind noch mehrere andere Themen. Die Gespräche dazu sollen fortgesetzt werden, wie die Lufthansa betonte. Die Airline erklärte, mit Cockpit Kostenentlastungen an anderer Stelle finden zu wollen, um die Wachstumsfähigkeit der Fluggesellschaft zu sichern.

Von: ch, dpa, AFP
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