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Schaltergebühren sind Strafgebühren für Offliner

30.04.2019 - 14:05 0 Kommentare

Nicht jeder kann virtuos mit den verschiedenen Online-Buchungsmöglichkeiten im Luftverkehr umgehen. Aber auch unser Digital Passenger Andreas Sebayang musste schon zum Airline-Schalter gehen und horrende Preise für die "Beratung" zahlen.

Eine Frau steht am Flughafen Franz Josef Strauß in München vor einem Ticketschalter der Lufthansa.  - © © dpa - Armin Weigel

Eine Frau steht am Flughafen Franz Josef Strauß in München vor einem Ticketschalter der Lufthansa. © dpa /Armin Weigel

Erinnert sich noch jemand an die Kritik der Bahnnutzer, als die Bahn im Jahre 2008 einen Bedienzuschlag für den Verkauf von Tickets einführen wollte? Heute würde man dazu vermutlich Shitstorm sagen, so sehr regten sich Bahnnutzer und Verbraucherchützer auf. Auch die Presse machte fleißig mit, mit dem positiven Effekt, dass diese 2,50 Euro Zuschlag pro Strecke doch nicht kamen.

An der Schaltergebühr der Luftfahrtindustrie hingegen hat sich im Laufe der Jahre kaum einer gestört. Wie kommt das? Das mag an einer gewissen Gebühren-Gewöhnung liegen. Zuschläge gab es mehr oder weniger schon immer. Zudem habe ich die Beobachtung gemacht, dass die Leute ohnehin nur in Notfällen zum Schalter gehen.

Die Reisezentren der Deutschen Bahn sind hingegen oft ziemlich voll und ich brauche sie persönlich auch. Wer einmal einen Sparpreis im internationalen Verkehr mit einer Fahrtunterbrechung buchen wollte, weiß, wie schwer das offenbar selbst für erfahrene Mitarbeiter im Reisezentrum sein kann.

Wenn der Flug kompliziert ist, braucht es Beratung

So einen Beratungsservice würde ich mir bei Fluggesellschaften auch wünschen, Gabelflüge zu vernünftigen Preisen sind nämlich sehr schwer online zusammenzubauen und nicht bei allen Carriern machbar. Wer dann noch ein Meilenupgrade buchen will, kann bei einigen Fluggesellschaften schon verzweifeln. Das Problem sehe ich bei den Airlines, die einfach mit sehr komplexen Preissystemen arbeiten. Dann noch eine Gebühr für die Schalternutzung zu verlangen, gerne auch "Ticket Service Charge" genannt, ist schlicht unverschämt.

Dabei sind die Gebühren nicht einmal zeitabhängig. EIn Beispiel: Weil meine Mastercard-Debitkarte auf der Webseite einer großen Airline nicht akzeptiert wurde, mutmaßlich aufgrund eines neuen Karten-Nummernkreises, den die Airline noch nicht implementiert hatte, durfte ich für einen Fünf-Minuten-Kauf am Service-Schalter mit eben jener Mastercard stolze 60 Schweizer Franken extra zahlen.

Wie teuer diese Beratung ist, hängt stark von der Airline ab. Die gehen außerdem nicht unbedingt transparent mit den Preisen um. Die Informationen dazu sind nicht einfach zu finden und mitunter sehr kompliziert, wie die Tabelle bei Austrian exemplarisch zeigt. Österreicher zahlen beispielsweise immer 45 Euro. Deutsche manchmal nur 30 Euro, Italiener kommen mit 15 Euro weg. Am teuersten wird es in Israel mit einem Ziel außerhalb der EU. Zwischen 100 und 150 US-Dollar werden dann für die Ticketausstellung verlangt.

Eurowings ist ziemlich günstig

In der Lufthansa Gruppe ist ausgerechnet der Low-Cost-Carrier Eurowings am günstigsten. 20 Euro sind es nur, die aber schön versteckt sind. Normalerweise schlagen Lowcoster besonders bei den Gebühren zu, wie ein Blick in die Tabelle von Ryanair ganz gut zeigt. Insgesamt ist das Kaufen eines Tickets, wenn man als Nutzer mal Probleme oder besondere Wünsche hat, ziemlich teuer. Ausnahmen sind selten. Dazu gehört etwa Delta Air Lines in den USA, die erst nach dem Verkauf eines Tickets an Gebühren verdienen.

Betrachtet man diese Gebühren, sind diese mehr als nur unfair. Passagiere wie ich leiden da kaum drunter. Ich mache eh fast alles online und fliege viel beruflich. Technisch nicht so versierte Menschen, die halt auch gerne mal fliegen, zahlen kräftig drauf. Ausgerechnet bei einem so komplexen System wie der Luftfahrt sind es die Schwachen der Gesellschaft, denen diese Offline-Strafgebühren aufgedrückt werden.

Über den Autor

In seiner Reihe "Digital Passenger" kommentiert Technik-Journalist Andreas Sebayang auf airliners.de den digitalen Wandel in der Luftverkehrswirtschaft.

Andreas Sebayang ist der Digital Passenger, Foto: Sebastian KuhbachAndreas Sebayang ist als Hardware-Journalist regelmäßig für die Berliner IT-Nachrichtenseite Golem.de mit dem Flugzeug in der ganzen Welt unterwegs. Seine Erlebnisse als Vielflieger dokumentiert er auch auf seinem Instagram-Account AroundTheBlueMarble. Kontakt: digital-passenger@airliners.de

Von: as
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