Die Born-Ansage (10) Schade! IATA kneift bei neuer Handgepäckregelung

Erst hat die IATA es angekündigt, dann hat sie die Idee zurückgezogen: Neue Auflagen für kleineres Handgepäck. Schade für Kolumnist Karl Born. Jetzt muss er sich weiter mit den Handgepäck-Egoisten rumschlagen.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. - © © airliners.de, Karl Born -

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

Die IATA hatte auf ihrer Weltjahrestagung in Miami eine neue, deutlich reduzierte, Größenordnung für Handgepäck vorgeschlagen. Endlich, dachte ich, ist Schluss für jene Handgepäck-Egoisten, die mir mit ihrem übergroßen Handgepäck schon lange auf den Zeiger gehen. "Hatrack" lautet der Fachausdruck für die Ablagefächer im Flugzeug. Wie der Name schon sagt, waren diese Fächer mal im Sinne von Hutablage gedacht und nicht zur Mitnahme des halben Hausrates in die Flugzeugkabine.

Wenn ich diese Ellenbogen-Typen schon anrücken sehe, mit scharfem Blick, auf der Suche nach einer kleinen Lücke im Gepäckfach. Da wird dann der Riesen-Trolley (und noch manches Stück mehr) hineingequetscht, ohne Rücksicht auf das sorgsam von anderen eingelegte Gepäck. Da kann etwas kaputtgehen? Interessiert mich nicht. Die dort abgelegte Kleidung sieht danach aus wie eine Stoff-Ziehharmonika? Ist nicht mein Problem. Ehrlich gesagt warte ich schon lange darauf, dass einem dieser Ellenbogen-Typen mal sein eigenes Gepäckstück auf den Kopf fällt. Wetten, dass er danach die Airline verklagen wird?

Super-Rucksäcke sind nicht super

Ganz schlimm sind jene, die mit Super-Rucksack anrücken. Ich habe dann das Gefühl, die wären unterwegs zu einem Berg-Basislager in 4.000 Metern Höhe. Der Rucksack wird natürlich nicht vorsichtig per Hand hereingeschleppt, nein, er bleibt auf dem Rücken. Im Flugzeuggang, bei der Suche nach einer Ablagemöglichkeit, einmal um die eigene Achse gedreht, bekommen die beiden Passagiere auf den Gangplätzen ganz schnell vom Rucksack eine geklatscht - und zwar mit einer Wucht, die jedem Boxer Ehre machen würde.

Entschuldigung? Nein, kann doch ich nichts dafür, dass kein Platz für meinen Rucksack ist. Dazu muss ich noch diesen arroganten Blick akzeptieren, der sagt: Du Idiot hast Geld für deinen aufgegebenen Koffer bezahlt, aber ich bin schlau und nehme mein Gepäck mit in die Kabine.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: IATA macht Rückzieher bei Plänen für kleineres Handgepäck

Bei der Sicherheitskontrolle bekomme ich mein Taschenmesser abgenommen, aber das Zentner-Gepäck darf durch (Hauptsache, kein Taschenmesser drin). Dabei ist statistisch gesehen die Verletzungsgefahr durch das Monstergepäck ungleich größer als durch mein Taschenmesser.

Ich höre/lese schon die entrüsteten Gegenargumente.

Punkt 1: "Ich habe keine Zeit, am Gepäckband auf meinen Koffer zu warten." Das mag im Einzelfall mal stimmen, aber normalerweise soll es nur die eigene Wichtigkeit unterstreichen. Das erinnert mich daran, wie ich letztens erlebt habe, dass sich eine 80-jährige Omi an der Supermarktkasse vordrängelte mit dem Argument, sie habe es eilig. Ich habe mir verkniffen zu fragen: "Warum?"

Aber noch gewichtiger ist natürlich Punkt 2: "Daran sind nur die Airlines mit ihren Abzocker-Preisen für aufgegebene Koffer Schuld." Sorry, aber das ist die Konsequenz aus den dramatisch gesunkenen Flugpreisen. Wer hat Schuld? Es ist wohl eine besondere Symbiose von Flugmanagern von Ryanair und Co., die außer Preissenkung kein anderes betriebswirtschaftliches Argument kannten und Kunden, die jeden Flugpreis für realistisch hielten (auch 9,90 Euro für einen Flug nach Mallorca) und stundenlang das Internet durchpflügten, um einen Euro Flugpreis zu sparen. Die Frage im Sinne von "Henne oder Ei", wer hat mehr Schuld, lässt sich nicht beantworten.

Cowboy-Mentalität aus den USA

Warum ist eigentlich die IATA so schnell wieder eingeknickt und hat die Pläne für kleineres Handgepäck eingestampft? Der Druck kam aus den USA, die alte Cowboy-Mentalität: Colts für alle und unbegrenztes Handgepäck im Flugzeug. Das Recht nehme ich mir. Wem es nicht passt, Pech gehabt. Fehlt nur noch das deutsche "freie Fahrt für freie Bürger" (Autobahn), dann wäre die Ellenbogen-Gesellschaft perfekt.

Schade, IATA. Ich hatte mich schon auf angenehmeres Fliegen gefreut.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, TUI-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de

Datum: 25.06.2015 - 12:17

Adresse: http://www.airliners.de/schade-iata-handgepaeckregelung-die-born-ansage-10/36077