Saarbrücken bekommt EMAS-Notbremssystem

20.03.2019 - 08:13 0 Kommentare

Als erster Flughafen in Deutschland wird der Airport in Saarbrücken mit einem EMAS-Notbremssystem ausgerüstet. Die Zone aus speziellem Schaumglas soll Flugzeuge im Notfall sicher abbremsen.

Der Glasschaum-Schotter, der auf Asphalt ausgebracht und mit Beton überzogen wird, stammt aus recyceltem Glas.

Der Glasschaum-Schotter, der auf Asphalt ausgebracht und mit Beton überzogen wird, stammt aus recyceltem Glas.
© Flug-Hafen-Saarland GmbH

Das EMAS ("Engineered Materials Arresting System") kann ein Flugzeug mit einem Tempo von bis zu 55 Knoten (102 km/h) kontrolliert und ohne Beschädigung am Fahrwerk abbremsen.

Das EMAS ("Engineered Materials Arresting System") kann ein Flugzeug mit einem Tempo von bis zu 55 Knoten (102 km/h) kontrolliert und ohne Beschädigung am Fahrwerk abbremsen.
© Flug-Hafen-Saarland GmbH

Am Flughafen Saarbrücken wird ein Nothaltsystem installiert.

Am Flughafen Saarbrücken wird ein Nothaltsystem installiert.
© Flug-Hafen-Saarland GmbH

EMAS soll Flugzeuge in der "Runway End Safety Area" (hier gelb markiert) beim Überrollen aus Anflugrichtung 27 abbremsen.

EMAS soll Flugzeuge in der "Runway End Safety Area" (hier gelb markiert) beim Überrollen aus Anflugrichtung 27 abbremsen.
© Flughafen Saarbrücken

EMAS soll Flugzeuge auf kurzer Distanz sicher abbremsen.

EMAS soll Flugzeuge auf kurzer Distanz sicher abbremsen.
© Flughafen Saarbrücken

Der Flughafen Saarbrücken baut am Ende seiner Landebahn ein Bett aus Schaumglas und Beton. Es soll im Notfall Flugzeuge beim Überrollen der Landebahn auffangen und abbremsen.

Der Einbau des bundesweit ersten EMAS ("Engineered Materials Arresting System") für Flugzeuge am Airport Saarbrücken kommt voran: Am Dienstag trugen Arbeiter eine dünne Betondecke auf ein Bett aus speziellem Schaumglas auf, in dem Maschinen im Notfall am Ende der Landebahn einsinken sollen.

Am Dienstag trafen sich in Saarbrücken zudem 50 Experten, darunter zwölf Flughafenbetreiber aus der ganzen Welt, um sich das neue System vor Ort anzuschauen. In den nächsten Tagen werde der Beton der Notfallzone nun austrocknen, sagte der Geschäftsführer des Airports Saarbrücken, Thomas Schuck. "Die Arbeiten liegen voll im Zeitplan." Für die Arbeiten ist der Flugbetrieb noch bis zum 30. März eingestellt.

Runway Safe greenEMAS from Runway Safe on Vimeo.

Die Notfallverlängerung am westlichen Ende der Bahn in Saarbrücken wird 85 mal 45 Meter groß und 55 Zentimeter hoch sein. In der Abbremszone sinken die Maschinen ein wie Lastwagen im Kiesbett oder Fahrräder im Sand. Das spezielle Material aus Kieselsäureschaum wird in einer speziellen Gitterkonstruktion in der Runway End Safety Area verankert. Ein rund 30 Zentimeter hoher Seitenrand wird mit Rampen versehen.

"Das System kann ein Flugzeug mit einem Tempo von bis zu 55 Knoten (102 km/h) kontrolliert und ohne Beschädigung am Fahrwerk abbremsen", sagt Niklas Siversjö von der Firma Runway Safe im schwedischen Göteborg. Sein Glasschaum-Schotter, der auf Asphalt ausgebracht und mit Beton überzogen wird, stamme aus recyceltem Glas aus Norwegen. Auf das Schaumglas werde eine Geotextilie aufgelegt. Darüber kommt eine Platte aus zementhaltigem Material, die versiegelt und mit einem Anstrich auf Acrylbasis versehen wird.

Die Kosten für die Sicherheitsinstallation betragen rund 4,3 Millionen Euro. Das saarländische Wirtschaftsministerium hatte 2017 die für die Investition notwendigen Mittel ausgewiesen. "EMAS und der kürzlich in Betrieb genommene Remote-Tower machen unseren Airport außerdem zum Vorbild für die anderen Flughäfen in Deutschland und Europa", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft Jürgen Barke. Das saarländische Wirtschaftsministerium hatte die für die Investition notwendigen Mittel 2017 ausgewiesen.

Flughafen nutzt Flugpause für weitere Arbeiten

Die zweiwöchige Pause im Flugbetrieb nutzt der Flughafen, um weitere Arbeiten im Innen- und Außenbereich zu erledigen. So werden Teile der elektrischen Hauptverteilung erneuert und eine Kabeltrasse vom Terminal bis zur Notfallspur am westlichen Ende der Landebahn neu verlegt. Am Westende der Bahn wird zudem das Instrumentenlandesystem (ILS) neu installiert. Nahe des Terminals wird gleichzeitig der Parkplatz P 1 komplett saniert. Im Terminal werden unter anderem an der Gepäcktransportanlage umfangreiche Wartungsarbeiten durchgeführt.

Der Flughafen Saarbrücken mit knapp 400.000 Passagieren im Jahr hat bisher noch keinen Zwischenfall gehabt, bei dem ein Flugzeug nicht rechtzeitig zum Stehen kam. Dennoch gab es einen Unfall, der viel Aufmerksamkeit erregte, aber glimpflich ausging: Im September 2015 war eine Maschine der Luxair beim Start wegen eines Pilotenfehlers nicht abgehoben. Das Flugzeug rutschte auf dem Bauch über die Piste und blieb rechtzeitig vor dem Bahnende stehen. Damals startete das Flugzeug allerdings in Richtung Osten.

Die knapp 2000 Meter lange Landebahn in Saarbrücken sei "ein bisschen wie ein Flugzeugträger", sagt Schuck. Mit dem Notstopp EMAS wolle man nun über die gesetzlichen Anforderungen hinaus zusätzliche Sicherheit für Piloten und Passagiere schaffen. Da die vorherrschende Windrichtung aus Richtung Westen kommt, habe man sich für die Installation der zusätzlichen Sicherung in Landerichtung 27 entschieden. Am Ende der Bahn gehe es zudem abschüssig hinab ins Fechinger Tal. "Wir wollten einfach bei der Sicherheit ein kräftige Schippe drauflegen, um eine Verbesserung für den Flughafen zu erzielen", sagt Schuck.

Piloten begrüßen Maßnahme

Die Vereinigung Cockpit begrüßt den Einbau des Bremssystems in Saarbrücken. "Es ist positiv, wenn es Sicherungssysteme gibt, die das Risiko eines Schadens beim Überschießen der Bahn minimieren", sagt Sprecher Janis Schmitt in Frankfurt. Sie machten Sinn bei Flughäfen, die aufgrund ihrer geografischen Lage keine erweiterten Ausrollzonen haben könnten.

Es wäre wünschenswert, wenn sich andere Flughäfen auch überlegen würden, ob sie sich so ein System "im Sinne der erweiterten Sicherheit zulegen würden", sagt er. "200 bis 300 Meter Gras hinter der Bahn gehen theoretisch auch, wenn auch vielleicht nicht ganz so gut." Kritisch sei es, wenn hinter der Landebahn gleich Zäune oder Straßen kämen.

Seit Ende der 1990er Jahre gibt es EMAS-Systeme in den USA. Dort bestehen sie vor allem aus aneinandergefügten Leichtbetonplatten eines anderen Anbieters: Diese brechen beim Überrollen und lassen die Maschine einsinken. In den USA sind bereits rund 70 Airports mit Notfall-Bremszonen ausgestattet, in Europa sind es bisher Madrid und Zürich. Nach Angaben der US-Luftfahrtbehörde FAA wurden durch EMAS seit 1999 bereits 15 Flugzeuge in den USA abgebremst.

Von: dh mit dpa
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