Ryanair wird großflächig bestreikt

10.08.2018 - 07:34 0 Kommentare

Seit drei Uhr in der Nacht halten die Piloten in fünf europäischen Ländern Ryanair am Boden. Die Airline strich wegen der Streiks hunderte Flüge, sagt aber auch, dass sich die Lage im Laufe des Tages beruhigen soll.

Leere Schalter von Ryanair.

Leere Schalter von Ryanair.
© dpa - Stina Stjernkvist/TT NEWSAGENCY/AP

Streikende Ryanair-Piloten in Belgien.

Streikende Ryanair-Piloten in Belgien.
© dpa - Virginie Lefour/BELGA

Ryanair am Flughafen Frankfurt.

Ryanair am Flughafen Frankfurt.
© dpa - Andreas Arnold

Ryanair-Passagiere müssen sich auf erhebliche Einschränkungen im Flugplan gefasst machen. Die Piloten in fünf Ländern legten in der Nacht für 24 Stunden die Arbeit nieder: Belgien, Deutschland, Irland, die Niederlande und Schweden.

Insgesamt sind über 700 der insgesamt rund 4650 Piloten von Ryanair zum Streik aufgerufen:

Ryanair-Cockpit-Crews in ausgewählten Ländern
Piloten
Belgien 107
Deutschland 480
Irland 40
Niederlande 65
Schweden 40

Quelle: Ryanair, eigene Recherche

Wie viele der Flugzeugführer davon wirklich bei Ryanair festangestellt sind, ist unbekannt. Denn nach eigener Aussage kommen rund die Hälfte der Piloten selbständig ins Cockpit ("Contractor-Modell").

Flüge ab Deutschland sollen später stattfinden

Insgesamt hat der Billigflieger für Freitag 400 Flüge gestrichen. Davon unter anderem 104 ab Belgien, 20 in Irland, und 22 in Schweden. Für Flüge in den Niederlanden erwarte man keine Beeinträchtigungen, hieß es

Hierzulande trifft der Streik mit 250 Annullierungen den Aussagen Ryanairs zufolge "fast alle Flüge". Besonders morgens fallen laut der Flughäfen viele Verbindungen aus - die Flüge am Nachmittag sollen mit Crews aus anderen Ländern durchgeführt werden.

Ryanair-Abflugländer 10. August
Geplante Abflüge
Italien 455
Großbritannien 442
Spanien 441
Deutschland 190
Irland 148
Polen 101
Portugal 101
Frankreich 97
Belgien 81
Griechenland 57
Niederlande 32
Dänemark 24
Marokko 23
Malta 22

Quelle: ch-Aviation

Ebenfalls die Nachfolge-Airline der ehemaligen Air-Berlin-Tochter Niki, Lauda Motion, wird von dem Streik betroffen sein. Denn ab Deutschland fliegen derzeit zehn Flugzeuge von Ryanair im Wet-Lease für den Carrier.

Airline-Chef Andreas Gruber will sich auf Anfrage nicht dazu äußern: "Das ist Thema von Ryanair." VC-Vizepräsident Markus Wahl sagt im Gespräch mit airliners.de: " Bei diesem Streik wollen wir ein deutliches Zeichen setzen." Dies gehe umso besser, "wenn auch wirklich alle Basen zum Streik aufgerufen sind - ohne Ausnahmen".

© dpa, Andreas Arnold Lesen Sie auch: "Ryanair wollte den Streik herbeireden" Interview mit VC-Vize Wahl

Gegen den Ausstand in den Niederlanden zog Ryanair vor Gericht - noch bevor dieser offiziell angekündigt war. Denn in dem Land müssen Ausstände maximal zwölf Stunden vorher angekündigt werden.

Viel zu wenig argumentierte der Billigflieger und wollte eine einstweilige Verfügung erwirken. Die Richter in Haarlem entschieden jedoch gegen Ryanair und sprachen ein vom Management gefordertes Streikverbot für die komplette Sommerpause nicht aus.

Widersprüchliche Darstellungen zu niederländischen Piloten

Allerdings betont Ryanair anschließend, dass in den Niederlanden alle Flüge wie geplant stattfinden könnten, "weil alle Piloten entschieden hätten, zu arbeiten und nicht die Sommerferien unserer Kunden zu stören".

Den Informationen von airliners.de zufolge, arbeiten in den Niederlanden am Freitag lediglich Nachwuchspiloten und die selbständigen Flugzeugführer. Alle weiteren Piloten würden dem Streikaufruf folgen, heißt es aus Kreisen.

Konsequenzen für Irland

Für die Ryanair-Piloten in Irland ist dies bereits der fünfte Streiktag. Die bisherigen Ausstände blieben nicht ohne Folgen: Airline-Chef Michael O'Leary kündigte bereits an, wegen der durch die Streiks bedingten schlechten Winter-Vorausbuchungen die Flotte in Dublin zu verkleinern.

© AirTeamImages.comges.com, Dirk Grothe Lesen Sie auch: Ryanair - die zerrissene Airline Hintergrund

So soll die Zahl der dort stationierten Flugzeuge von jetzt 30 auf dann "höchstens" 24 schrumpfen. Dadurch fallen rund 300 Jobs beim fliegenden Personal weg. Da die Flugzeuge nach Polen verlegt werden sollen, könnten sich die Piloten und Flugbegleiter laut Ryanair dann dort bewerben.

Piloten kritisieren Arbeitsbedingungen

Genau solche Ideen kritisieren viele Piloten. So geht es der VC zwar auch um die Bezahlung. Sie fordert mehr Festgehalt und weniger leistungsabhängige Vergütung sowie Gehaltserhöhungen mit zunehmender Arbeitserfahrung. Ryanair-Operations-Chef Peter Bellew erwiderte, Ryanair sei eine Billigfluggesellschaft und werde nie die Konditionen von Lufthansa bieten - weder bei Ticketpreisen noch bei Löhnen.

Allerdings kämpfen die Piloten europaweit vor allem für bessere Arbeitsbedingungen. Die VC fordert auch, dass Ryanair die Zahl der Flugstunden für die Piloten reduzieren soll. Sonst könne es passieren, dass Piloten übermüdet am Steuer sitzen. Außerdem will die Gewerkschaft die Regelung abschaffen, dass Ryanair seine Piloten einfach an andere europäische Standorte versetzen kann.

© dpa, Henning Kaiser Lesen Sie auch: Das sind die Positionen im Ryanair-Streit Überblick

Das Unternehmen will sich mit den Gewerkschaften bis zum Ende des Jahres auf Tarifverträge einigen, versicherte Bellew nun noch einmal. Bis dahin könnten auf die Kunden weitere Streiks zukommen, wenn "Ryanair nicht dazu bereit ist, mit uns ernsthaft zu verhandeln", so VC-Vize Wahl.

VC-Tarifvorstand Ingolf Schumacher sagte am Vormittag, dass er davon ausgeht, dass dieser Konflikt mit Ryanair noch Wochen oder gar Monate andauern könnte. Und: "Ich glaube, dass Kabinenpersonal auch hier in Deutschland ist stocksauer auf das Unternehmen und wird sich auch organisieren. Ich gehe davon aus, dass wir diesen Wandel bei Ryanair jetzt durchsetzen werden."

Von: cs
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