Ryanair will mit flexiblen Tickets wachsen

24.06.2014 - 16:44 0 Kommentare

Ryanair erfindet sich gerade neu. Vom radikalen Billigflieger geht der Strategieschwenk hin zu mehr Kundenorientierung. Das hat einen Hintergrund: Im Fokus der weiteren Wachstumspläne steht auch in Deutschland der Geschäftsreisemarkt.

Ein Flugzeug der Ryanair steht auf dem Vorfeld des Flughafen N - © © dpa - Maximilian Hensel

Ein Flugzeug der Ryanair steht auf dem Vorfeld des Flughafen N © dpa /Maximilian Hensel

Colm O'Shea, der neue Ryanair-"Marketing & Sales Manager" für Deutschland, hat einen herausfordernden Job angetreten. Der ehemalige Dell-Marketing-Mann soll Ryanair hierzulande neu positionieren. Das Billigheimer-Image soll abgeschüttelt werden und neue Zielgruppen erschlossen werden. Dabei helfen sollen unter anderem eine neue "State-of-the-Art"-Website, mehr Freigepäck und generell geringere Gebühren für Zusatzleistungen. Mehr Primärflughäfen im Streckennetz komplettieren den Strategieschwenk hin zu mehr Kundenorientierung.

Die neuen Maßnahmen sollen das weitere Ryanair-Wachstum sichern. In den kommenden fünf Jahren will die Airline von jetzt etwas über 80 Millionen Passagieren pro Jahr auf über 110 Millionen wachsen und hat dafür 180 neue Flugzeuge bestellt.

Vor allem Deutschland bietet dabei für Ryanair ordentlich Potenzial: Gerade einmal vier Prozent beträgt der Marktanteil nach Passagieren hierzulande. Zum Vergleich: In Polen ist Ryanair nach Airlineangaben mit 27 Prozent Marktanteil die Nummer Eins, genau wie beispielsweise in Italien (21 Prozent), Belgien (21 Prozent), Spanien (21 Prozent) und Großbritannien (13 Prozent).

Ryanair-Marktanteile nach Sitzplätzen
ausgewählte Ryanair-Zielländer
Irland 40
Polen 27
Belgien 21
Italien 21
Spanien 18
Großbritannien 13
Portugal 13
Marokko 13
Frankreich 6
Deutschland 4

Quelle: Ryanair ("Dep. Seats 2013 Capstats, Diio Mii")

Weiterer GDS-Vertrag und flexible Tickets

Im Zuge des aktuellen Strategieschwenks soll vor allem eine neue Kundengruppe überproportional wachsen: Die der Geschäftsreisenden. Man habe Umfragen unter den Passagieren durchgeführt und herausgefunden, dass bereits heute 22 Prozent der Ryanair-Passagiere geschäftlich unterwegs seien, sagte Kommunikationschef Robin Kiely jetzt in Berlin. Diesen Anteil wolle man in den kommenden Jahren auf gut ein Drittel steigern.

Die ersten Schritte in die Businesstravel-Zukunft ist Ryanair dabei schon gegangen. So wurde Anfang des Jahres ein spezielles Vertriebsteam für Gruppen- und Geschäftsreiseanfragen aufgebaut, das ganz klassisch Angebote für die neuen Zielgruppen erarbeitet. Zudem sind Ryanair-Flüge seit Ende März in den GDS-Reisebüro-Buchungssystemen der Travelport (Galileo/Worldspan) abruf- und buchbar.

Damit habe man bereits den Zugang zu vielen Corporate-Travel-Agenturen, sagte der neue deutsche Marketing & Sales Manager O'Shea am Dienstag in Berlin gegenüber airliners.de. Man sei sehr glücklich mit den GDS-Buchungen, wolle aber zur besseren Marktabdeckung mit weiteren Anbietern zusammenarbeiten. Zur Zeit laufen den Angaben nach Gespräche mit zwei Anbietern, bis Ende des Jahres werde man mit einem weiteren GDS kooperieren.

Einen weiteren Schritt in Richtung Business-Kunden will Ryanair zudem bereits im September gehen. Dann werde man sogar flexible Tickets anbieten. Zusammen mit weiteren Komponenten soll das neue Produkt die Attraktivität der Lowcost-Airline besonders für kleine und mittelständige Betriebe deutlich steigern. Mit den Neuerungen in der Hand gehören zu den Aufgaben von O'Shea zukünftig dann auch Besuche bei Corporate-Keyaccounts.

© Köln Bonn Airport, Lesen Sie auch: Ryanair eröffnet zum Winter Basis am Flughafen Köln-Bonn

Ryanair setzt auf Primärflughäfen

Dort kann O'Shea mit der Eröffnung von Köln/Bonn als fünfter Basis in Deutschland ein breites Angebot präsentieren. Bereits heute habe Ryanair etliche Strecken im Portfolio, die für Geschäftsreisende attraktiv seien, so der neue Marketing & Sales Manager. Als Beispiele nannte er die London-Stansted-Verbindungen ab Berlin, Bremen, Köln/Bonn, Weeze und Frankfurt/Hahn, die mehrmals täglich angeboten werden. Aber auch die Strecken nach Dublin oder den neuen Hubs in Rom oder Madrid seien für Geschäftsreisende interessant.

Imagewandel hin oder her - die größte Hürde für mehr Ryanair-Wachstum auf dem deutschen Markt kann auch O'Shea nicht umschiffen. Die sieht Ryanair nämlich nach wie vor in der deutschen Luftverkehrssteuer, betonte Kommunikationschef Kiely. Sobald die Ticketabgabe falle und Flugzeuge zur Verfügung stünden, werde Ryanair die Kapazität hierzulande deutlich erhöhen. Dann wären auch wieder innerdeutsche Routen denkbar.

Von: airliners.de
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