Ryanair prüft Umsteigen in Deutschland

Ryanair baut ihre Umsteigeverbindungen weiter aus. Via Porto ergeben sich auch ab Deutschland neue Verbindungen. Nun erwägt der Billigflieger sogar deutsche Umsteiger-Standorte. 

Passagiere steigen in eine Ryanair-Maschine. - © © dpa - Markus Scholz

Passagiere steigen in eine Ryanair-Maschine. © dpa /Markus Scholz

Ryanair bietet ab Januar auch am portugiesischen Flughafen Porto Umsteigeverbindungen an - nach Mailand und Rom der dritte Flughafen mit dem Programm des irischen Low-Cost-Carriers.

Ab Porto kommen nach Ryanair-Angaben nun 20 Umsteiger-Strecken hinzu. Aus Deutschland ergeben sich damit neue Umsteigeverbindungen via Porto von Dortmund sowie Memmingen und Weeze nach Lissabon, von Karlsruhe nach Terceira auf den Azoren, von Nürnberg nach Faro sowie von Weeze nach Ponta Delgada (Azoren).

Die Entscheidung sei gefallen, weil man mit den Erfahrungen in Italien "überaus zufrieden" sei, erklärt Ryanair-Kommunikationschef Robin Kiely im Gespräch mit airliners.de. 

Wir haben derzeit 50 Umsteigeverbindungen in Bergamo und zehn am Flughafen Fiumicino - mit großem Potenzial, dieses Angebot weiter auszubauen.

Robin Kiely, Ryanair-Kommunikationschef

Seit März bietet Ryanair in Rom-Fiumicino Umsteigerflüge an, seit Juli auch in Mailand-Bergamo. Der Carrier verspricht, dass die Passagiere "ohne an Land zu gehen" bis zum Zielflughafen durchgecheckt sind. Sprich: Das am Abflugort aufgegebene Gepäck wird automatisch über den Anschlussflug hinweg weitergeleitet. Außerdem gibt es eine Buchungsnummer für beide Verbindungen.

Ryanair prüfe aktuell zudem, auch deutsche Flughäfen für Umstiege zu nutzen, so der Kommunikationschef. Welche Airports genau in der Auswahl stehen und nach welchen Kriterien diese ablaufe, wollte Kiely nicht sagen.

Bislang ist Ryanair hierzulande an 14 Airports aktiv. Berlin-Schönefeld, Frankfurt/Main und Köln/Bonn sind die größten Standorte. Die von Ryanair angebotene Sitzplatzkapazität ist dabei laut CH Aviation in Schönefeld ungefähr mit der in Porto vergleichbar - die an den beiden italienischen Umsteige-Plätzen dagegen deutlich größer.

Deutschland kein großer Ryanair-Markt

Deutschland ist für Ryanair kein besonders großer Markt. Flüge von und nach deutschen Airports machen nur rund 7,4 Prozent des Gesamtangebots der Iren aus. Neben Berlin, Frankfurt und Köln fliegt Ryanair in Deutschland nach Bremen, Dortmund, Hamburg, Hahn, Karlsruhe, Leipzig, Memmingen, München, Nürnberg, Stuttgart und Weeze.

Ryanair-Kapazitäten in Deutschland
Angaben in Prozent
Berlin-Schönefeld 28.7
Frankfurt 13.1
Köln/Bonn 12.8
Hahn 10.6
Hamburg 7.3
Restliche
Airports
27.5

Die Grafik zeigt die angebotenen Sitzplatzkapazitäten von Ryanair auf Flügen ab deutschen Airports im laufenden Winterflugplan bis Ende März 2018. Quelle: CH Aviation, Stand: 8. November 2017

Anschlussverbindungen bringen einen großen organisatorischen Aufwand für die Airline, etwa die Gepäckverladung von einem Flugzeug ins nächste. Damit bricht Ryanair ganz eindeutig mit einem Merkmal, an dem man bislang Low-Cost-Carrier identifizieren konnte: dem Punkt-zu-Punkt-Verkehr.

© Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Günter Wicker Lesen Sie auch: Die Geschäftsmodelle der Billigflieger Aviation Management

Allerdings ist Ryanair nicht der einzige Billigflieger, der sich an Anschlussverbindungen versucht. Easyjet hat mit "Worldwide" eine Plattform zum Anbinden verschiedenster Partner ins Leben gerufen. Das "Self-Connect"-Produkt soll weiter ausgebaut werden. Schon jetzt bietet der Billigflieger so ein weltweites Umsteiger-Netz an etlichen Standorten.

Auch vermarktet Ryanair seit diesem Jahr Langstreckenflüge der Air Europa ab Madrid. Insgesamt 19 Transatlantik-Destinationen der spanischen Fluggesellschaft ab Madrid sind seit dem Sommer über Ryanair buchbar. Bis zum Ende des Jahres wollten beide Airlines ihre Flüge in Madrid mit Zubringern verknüpfen. Bislang sind aber keine Umsteigeverbindungen buchbar.

Für Ryanair bedeuten die neuen Angebote in der Folge mehr Koordination und das Risiko für zusätzliche Kosten. So muss beispielsweise bei Verspätungen zwischen den Partnern geklärt werden, wer haftet - eine Frage, bei der sich Ryanair bislang gesträubt hat.

Ryanair kämpft aktuell mit Problemen. Der irische Low-Cost-Carrie strich knapp 18.000 Flüge bis in den Sommer kommenden Jahres hinein - auch die einzige innerdeutsche Route im Ryanair-Portfolio, Köln-Berlin, ist ausgesetzt. Grund hierfür soll laut Ryanair eine neue Regelung der britischen Luftfahrtbehörde CAA sein, dass die Ryanair-Piloten ihren Jahresurlaub innerhalb eines Kalenderjahres (Dezember) und nicht des Geschäftsjahres (März) nehmen müssen.

Von: cs, dh

Datum: 08.11.2017 - 16:09

Adresse: http://www.airliners.de/ryanair-umsteigen-deutschland/42797