Ryanair lenkt bei Tarifforderungen ein

16.08.2018 - 15:00 0 Kommentare

Großer Schritt im Tarifkonflikt mit Ryanair: Verdi ringt dem Billigflieger das Zugeständnis ab, nationales Arbeitsrecht anzuerkennen. Der Low-Cost-Carrier nimmt grundsätzlich irisches Recht zur Grundlage.

Kabinenpersonal von Ryanair. - © © Ryanair -

Kabinenpersonal von Ryanair. © Ryanair

Ryanair hat sich erstmals bereit erklärt, in einem Tarifkonflikt nationales Arbeits- und Sozialrecht anzuerkennen. Dies bestätigte die Gewerkschaft Verdi nach ihrer ersten Verhandlungsrunde mit den Iren im Gespräch mit airliners.de. Bislang weigerte sich Ryanair vehement, einzusehen, dass irisches Recht nicht in jedem Land automatisch Grundlage für Arbeitsverträge sein kann.

Allerdings scheint die Einsicht nach den massiven Streiks von Flugbegleitern und Piloten in mehreren Ländern zu bröckeln. Denn bereits die italienische Gewerkschaft Anpac soll Ryanair jüngst eben jenes Zugeständnis abgerungen und sogar einen Tarifvertrag mit dem Billigflieger vereinbart haben.

Doch dafür gibt es keine offizielle Bestätigung. Weder die italienische Gewerkschaft noch Ryanair äußern sich dazu: "Wir kommentieren keine Verhandlungen mit unseren Mitarbeitern", so Ryanair-Kommunikationschef Robin Kiely zu airliners.de.

Gespräche mit Leiharbeitsfirmen

Gegenüber Verdi macht der Low-Coster jedoch eine Einschränkung: Das Zugeständnis soll erst ab 2020 gelten. Ryanair hatte zuvor betont, bis Ende des Jahres mit sämtlichen Gewerkschaften in Europa Tarifverträge abschließen zu wollen.

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Verdi verhandelt für 1000 Ryanair-Flugbegleiter in Deutschland - nicht nur für jene, die direkt bei den Iren angestellt sind. Nach airliners.de-Informationen sind dies bei Ryanair lediglich Kabinenchefs. Daher führt die Gewerkschaft auch Gespräche mit den Leiharbeitsfirmen Crewlink und Workforce.

Noch kein neuer Termin

Die erste Verhandlungsrunde sei ein offener Austausch gewesen, in dem sich Ryanair in wenigen Punkten bewegt habe, erklärt Verhandlungsführerin Mira Neumaier. Konkrete Kompromisse wollte sie nicht skizzieren.

Ryanair ist nun laut Verdi dazu aufgefordert, bis Ende kommender Woche schriftlich Positionen zu weiteren Forderungen mitzuteilen. Erst danach wolle die Gewerkschaft einen weiteren Gesprächstermin vereinbaren.

Entscheidung vom EuGH

Der Billigflieger macht immer wieder von sich reden, weil er grundsätzlich auf irisches Recht pocht. Im Herbst vergangenen Jahres entschied allerdings der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass nationale Gerichte bei Klagen von Ryanair-Beschäftigten im Einzelfall selbst entscheiden können, ob sie zuständig sind. Klagen sollen nicht mehr per se abgelehnt werden.

© Flughafen Weeze, Lesen Sie auch: EuGH ermöglicht Klagen gegen Ryanair in Deutschland

Zu den Indizien gehört laut EuGH unter anderem die Frage, wo der Mitarbeiter stationiert ist, üblicherweise seinen Dienst antritt und danach wieder zurückkehrt. Mehrere Gewerkschaften werteten die Entscheidung als Durchbruch.

Auf der anderen Seite lässt Ryanair auch für Fluggäste nur irisches Recht zu. Hier hatte aber jüngst das Amtsgericht Nürnberg geurteilt, dass die Klausel in den Ryanair-AGBs unzulässig ist. Ähnlich urteilte auch eine andere deutsche Kammer vorher.

Von: cs
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