Ryanair droht mit Stellenabbau in Deutschland

11.09.2018 - 13:05 0 Kommentare

In Deutschland legen die Piloten und Flugbegleiter von Ryanair am Mittwoch die Arbeit nieder. Es geht um mehr Geld sowie bessere Arbeitsbedingungen. Von der Airline kommt Kritik - und eine Drohung.

Boeing 737 von Ryanair. - © © AirTeamImages.com - Rudi Boigelot

Boeing 737 von Ryanair. © AirTeamImages.com /Rudi Boigelot

Die Streikandrohungen der Vereinigung Cockpit (VC) und Verdi kontert Billigflieger Ryanair mit einer Drohung: "Die Streiks beschädigen unser Business-Modell und könnten dazu führen, dass wir im Winter Flugzeuge aus Deutschland abziehen." Ähnliches hatte der Low-Coster nach drei Streiktagen in Irland gedroht, nach einer Tarifeinigung jüngst aber wieder zurückgenommen.

Gleichzeitig betont Ryanair Unverständnis angesichts des "unnötigen Streiks": "Da wir bereits örtliche Verträge und eine verbesserte Bezahlung angeboten haben, gibt es keine Rechtfertigung für weitere Störungen", so Marketingchef Robin Kiely zu airliners.de. "Wir fordern unsere deutschen Piloten auf, diesen Mittwoch ihre Arbeit anzutreten."


Wann bei Ryanair bisher gestreikt wurde

Flugbegleiter:

  • 30. März, 1. und 3. April: Portugal;
  • 25. Juli: Belgien, Italien, Portugal und Spanien;
  • 26. Juli: Belgien, Portugal und Spanien;
  • 11. September: Deutschland.

Piloten:

  • 21. Dezember 2017: Warnstreik in Deutschland;
  • 13., 20., 24. Juli, 3. August: Irland;
  • 10. August: Belgien, Deutschland, Irland, Niederlande, Schweden
  • 11. September: Deutschland.

Quelle: airliners.de


VC und Verdi hatten beide zu einem 24-stündigen Ausstand aufgerufen. Für die rund 400 deutschen Piloten ist es der zweite ordentliche Streik bei dem Billigflieger. Betroffen sind laut Gewerkschaft alle Flüge ab den zehn deutschen Basen. Ryanair hat nach eigenen Angaben für Mittwoch 150 der 400 Flüge von und nach Deutschland gestrichen.

"Nach wie vor kein verbessertes Angebot"

Seit Monaten fordern die deutschen Piloten Verbesserungen im Bereich der Vergütung und der Arbeitsbedingungen. "Auf die bereits seit letztem Jahr unveränderten Forderungen hat die Geschäftsleitung nach wie vor kein verbessertes Angebot unterbreitet", heißt es in einer Mitteilung der VC von Montagabend.

Die Piloten hatten nach einem Warnstreik Ende vergangenen Jahres offizielle Tarifverhandlungen bei Ryanair erwirkt. Diese erklärte die VC Mitte Juni für gescheitert, auch weil der Billigflieger sich "keinen Millimeter" bewege.

© dpa, Niall Carson/PA Lesen Sie mehr: "Streiks bei Ryanair sind nicht unser Ziel" Interview mit VC-Präsident Locher

Die Gewerkschaft ließ ihre Mitglieder über Streiks abstimmen. Es folgte der erste 24-stündige Ausstand der deutschen Ryanair-Piloten - zusammen mit dem Cockpit-Personal aus weiteren europäischen Ländern.

Ryanair legte daraufhin laut VC allerdings kein substanziell neues Angebot vor - obwohl die Iren dies angekündigt hatten. Vergangenen Freitag setzte die Gewerkschaft den Iren ein neues Ultimatum und drohte mit einem neuerlichen Streik.

Trotz des deutlichen Zeichens durch den Streik Anfang August, herrscht immer noch Stillstand am Tariftisch.

Ingolf Schumacher, VC-Vorsitzender Tarifpolitik

Zuletzt habe die VC Ryanair eine Schlichtung des Tarifkonflikts vorgeschlagen. Doch diese Anfrage blieb unbeantwortet, heißt es von der Gewerkschaft. "Die Geschäftsleitung versucht, durch unkonkrete und inhaltslose Aussagen auf Zeit zu spielen und ist offenbar weiterhin nicht einmal ansatzweise an einer Lösung interessiert."

Für eine Schlichtung hatte die VC nach eigener Aussage mehrere Personen vorgeschlagen, die von Ryanair aber alle abgelehnt worden seien. Das Management beharre auf einem irischen Mediator, der "die benötigten Rechtskenntnisse für Deutschland nicht haben kann und schon allein deswegen nicht als Schlichter infrage kommt".

Es geht nicht nur um die Bezahlung

Im laufenden Tarifkonflikt drängen die Piloten in erster Linie auf eine bessere Bezahlung. Die VC hatte immer wieder die Konditionen von Tuifly als Vergleichswert genannt, da die deutsche Tui-Airline eine ähnliche Flotte wie Ryanair betreibt.

Zum anderen drängen die Flugzeugführer in vielen europäischen Ländern auch auf bessere Arbeitsbedingungen. Beispielsweise sind nicht alle Piloten, die bei Ryanair fliegen, auch dort angestellt. Viele Cockpit-Crews sind gezwungen, eine Ich-AG zu gründen und mit deutlichem Hang zur Scheinselbständigkeit bei Ryanair beschäftigt zu sein.

Ryanair leugnet diese Praxis nicht und spricht auf Anfrage von einer legitimen Maßnahme, die auch andere Airlines so anwenden würden. Zudem beträfe dies "weniger als 50 Prozent" der eigenen Piloten. Vor einigen Jahren lag der Satz noch bei rund 30 Prozent.

Forderungen

Um trotz tarifrechtlicher Landesgrenzen europaweit einheitlich agieren beziehungsweise abzustimmen zu können, haben sich Flugbegleiter sowie Piloten in der Eurecca (European Cabin Crew Association) und ITF und Eca (European Cockpit Association) organisiert. Die ECA formuliert für die Verhandlungen mit Ryanair folgende Ziele:

Dialogpartner: Vertreter können Ryanair-Piloten, die über Makleragenturen eingestellt werden, sowie offizielle Gewerkschaftsvertreter mit einschließen, unabhängig davon, ob sie für eine andere Fluggesellschaft fliegen oder nicht.

Beschäftigungsverhältnisse: Piloten sollen bei Ryanair direkt angestellt werden. Übrigens betrifft das Problem auch Kabinen-Crews: Hier sind erst jene ab dem Status des Pursers festangestellt, alle anderen kommen über Zeitarbeitsfirmen zu Ryanair.

Rechtsgrundlage: Es muss das Arbeitsrecht des jeweiligen Landes gelten, nicht per se das irische.

Karrierechancen: Ryanair-Piloten wollen den Carrier nicht mehr nur als Startpunkt ihrer beruflichen Laufbahn ansehen. Sie fordern transparente Aufstiegsmöglichkeiten. Auch ein Treueprogramm zur Mitarbeiterbindung wird hier gefordert.

Lohnniveau: Die Bezahlung sollte einheitlich transparent dargelegt werden und gleichzeitig regionale Anforderungen mit abdecken.

Von: cs
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