Ryanair-Pläne für Flughafen Frankfurt sorgen für politischen Streit

02.11.2016 - 16:41 0 Kommentare

Die neue Offenheit der Fraport für Billigflieger à la Ryanair sorgt im politischen Hessen für unterschiedliche Bewertungen. Zwischen den Regierungsparteien CDU und Grüne werden alte Gräben sichtbar.

Eine Maschine des irischen Billigfliegers Ryanair rollt auf dem Flughafen in Frankfurt am Main an einer Lufthansa-Maschine vorbei. - © © dpa - Boris Roessler

Eine Maschine des irischen Billigfliegers Ryanair rollt auf dem Flughafen in Frankfurt am Main an einer Lufthansa-Maschine vorbei. © dpa /Boris Roessler

Die Zusammenarbeit des Frankfurter Flughafens mit dem Billigflieger Ryanair stößt in der hessischen Landespolitik auf ein geteiltes Echo - auch innerhalb der schwarz-grünen Regierungskoalition. Während Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) die Kooperation grundsätzlich begrüßte, sprach der Fraktionschef der Landtags-Grünen, Mathias Wagner, am Mittwoch laut einer Mitteilung von einer 180-Grad-Wende in der Geschäftspolitik des Flughafenbetreibers Fraport.

"Es ist das Eingeständnis, dass die Prognosen der Fraport zur Entwicklung und Marktpositionierung des Flughafens falsch waren", wurde Wagner zitiert. "Gestern wollte Fraport der Porsche unter den Flughäfen sein, heute ist man mit einem Lada zufrieden."

Kritik an Fraport

Fraport habe stets argumentiert, die steigende Nachfrage nach Flugbewegungen habe die neue Landebahn notwendig gemacht. Nun feiere man sich dafür, dass man jemanden gefunden habe, der das neue Angebot nutzen wolle.

Als Bewohner des vom Fluglärm stark belasteten Rhein-Main-Gebiets könne man nur den Kopf schütteln. CDU, SPD und FDP hätten den Flughafenausbau beschlossen, obwohl diese Entwicklungen vorhersehbar gewesen seien und Ausbaugegner darauf hingewiesen hätten, kritisierte Wagner. Ryanair will ab Ende März von Deutschlands größtem Airport Flüge nach Spanien und Portugal anbieten. Weitere Verbindungen sind geplant.

Bouffier zeigt Verständnis

Der Flugverkehr verändere sich, immer mehr hin zu Billig-Angeboten, argumentierte Bouffier. "Nicht nur bei den Ferienfliegern, sondern auch bei den Geschäftsfliegern", sagte er. Der Airport sollte sich daher aus Wettbewerbsgründen für diese Airlines öffnen - allerdings nicht um jeden Preis, betonte der Ministerpräsident. "Deshalb ist die Gebührenordnung dieses Flughafens nicht nach Ryanair gemacht, sondern nach bestimmten Kriterien, die aber aus meiner Sicht nachvollziehbar sind."

Nun müssten Partner wie Lufthansa oder Condor überlegen, wie sie damit umgingen. "Es macht ja keinen Sinn zuzuschauen, wie die Lufthansa ihre Billigfluglinie überall hinbringt nur nicht nach Frankfurt." Befürchtungen, dass mit mehr Billig-Fliegern auch mehr Fluglärm droht, teilte Bouffier nicht. "Ich glaube, dass das eine mit dem anderen gar nichts zu tun hat", sagte er und verwies auf die Bemühungen der Landesregierung gegen Fluglärm.

SPD-Landeschef spricht von "denkwürdigem Tag"

Der Landes- und Fraktionsvorsitzende der hessischen SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, sprach laut Mitteilung von einem "denkwürdigen Tag". "Bis heute war es für mich nicht vorstellbar, dass ausgerechnet der Grüne Tarek Al-Wazir einem Gebührenmodell für den Frankfurter Flughafen zustimmt, das dafür sorgt, dass man künftig für 9,99 Euro nach Mallorca fliegen kann", erklärte er.

Es sei zudem zweifelhaft, ob die Fraport mit ihrem neuen Geschäftsmodell für Billigflieger erfolgreich sein werde, sagte Schäfer-Gümbel. Er könne sich nicht vorstellen, dass Ryanair akzeptiert habe, dass die Gebührenrabatte nach drei Jahren ausliefen.

Für FDP eine völlig normale Entwicklung

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Landtag, Michael Boddenberg, erklärte, der Frankfurter Flughafen reagiere zurecht auf veränderte Kundenwünsche nach mehr Billigflügen. Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Jürgen Lenders, nannte es "eine völlig normale Entwicklung, dass Ryanair zukünftig auch von Frankfurt aus fliegen wird". Lufthansa werde dennoch weiter der Platzhirsch bleiben.

Nach Meinung der Linken-Fraktionsvorsitzenden Janine Wissler entlarve die neue Geschäftspolitik der Fraport die "Ausbaulüge". Mit dem Argument, neue Kapazitäten zu brauchen, habe der Flughafen erst den Bau der Nordwestlandebahn und des Terminals 3 durchgesetzt, jetzt müssten Billigflieger bei der Auslastung helfen.

Von: dpa, gk
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Anzeige schalten »
  • Ein Passagierflugzeug fliegt über Wohnhäuser bei Flörsheim in der Nähe des Frankfurter Flughafens hinweg. Hessische Kommunen sollen weiter Fluglärm-Entschädigung bekommen

    Hessen will Kommunen weiter finanziell entschädigen, die besonders vom Lärm am Frankfurter Flughafen betroffen sind. Die Planung soll bis zum Jahr 2021 gelten. Die Mittel stammen aus den Dividendeneinnahmen des Landes für die Aktienanteile an der Fraport AG.

    Vom 27.09.2017
  • Nicoley Baublies Ufo kritisiert Fraport-Strategie

    Airport-Betreiber Fraport setzt auf mehr Billigflieger am Flughafen Frankfurt. Außerdem soll ein Rabattprogramm neue Kunden anlocken. Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo kritisiert: Das vernichtet Arbeitsplätze.

    Vom 02.08.2017
  • Flugzeuge von Air Berlin und Lufthansa in Düsseldorf. Mit dem Lufthansa-Monopol droht ein Passagierrückgang

    Apropos (20) Wie entwickelt sich der innerdeutsche Luftverkehr nach der Air-Berlin-Aufteilung? Verkehrsexperte Manfred Kuhne untersucht zwei Szenarien. Die Folgen auf die Passagierzahlen könnten unterschiedlicher nicht sein.

    Vom 27.09.2017

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Flughafen Frankfurt Jobs Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »