Nicht nur Streik: Ryanair droht Piloten-Exodus

14.12.2017 - 09:30 0 Kommentare

Die europäischen Cockpitcrews begehren gegen den Billig-Carrier auf: Ryanair steht nicht nur in Deutschland vor ihrem ersten Streik. Offenbar laufen der Airline auch scharenweise die Piloten davon.

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Viele Piloten wenden dem Carrier offenbar den Rücken zu. Foto: © dpa, Bernd von Jutrczenka

Offenbar wollen in diesem Jahr bis zu 25 Prozent der Piloten den Billigflieger Ryanair verlassen. Dies sagte der Präsident der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), Ilja Schulz, dem "Handelsblatt". "In Portugal sollen jüngst etwa 100 Piloten gekündigt haben, um zur TAP zu gehen."

Die VC hatte am Dienstag ihre rund 450 Ryanair-Piloten an deutschen Basen zu Streik aufgerufen. Dieser könne jederzeit beginnen, die Weihnachtstage seien jedoch ausgenommen, hieß es in einer Mitteilung. Es sei auch davon auszugehen, dass zwischen den Arbeitskampfankündigungen und tatsächlichen Ausständen nicht allzu viel Zeit vergehen werde.

Auch in Irland und Italien stehen Streiks bevor

Damit steht die VC nicht allein da. Die italienische Anpac hat für Freitag zum vierstündigen Ausstand aufgerufen. Und auch in Irland votieren die Ryanair-Piloten der Gewerkschaft Ialpa Anfang der Woche in einer Urabstimmung für einen Streik.

Streiktermine

Deutschland (Gewerkschaft: VC): noch in diesem Jahr, 23.-26. Dezember nicht;
Irland (Ialpa): Mittwoch, 20. Dezember;
Italien (Anpac): Freitag, 15. Dezember;
Portugal (Spac): 20. Dezember.

Ziel der europaweit koordinierten Aktionen seien marktgerechte Arbeits-und Vergütungsbedingungen, erläuterte die VC. Maßstab seien hier die Tarifbedingungen der Tuifly, die wie Ryanair eine Flotte von Boeing 737 betreibt.

Contractor-Modell sorgt für Ärger

Im Kern geht es bei den vom Dachverband "European Cockpit Association" organisierten Aktionen schlicht um die Unternehmenszugehörigkeit. Ein Großteil der Ryanair-Piloten ist selbständig. Sie sind mit ihren Ich-AGs über das sogenannte "Contractor-Modell" bei Ryanair beschäftigt.

Contractor-Modell

Die Piloten sind entweder direkt bei Ryanair - das gelte für mehr als 50 Prozent - oder über das sogenannte Contractor-Modell über Personaldienstleister angestellt. Letzteres "erfährt seine Berechtigung innerhalb der Luftfahrtindustrie, da es sowohl rechtens als auch zufriedenstellend ist und Ryanair sich vollkommen konform mit dem europäischen Arbeitsrecht verhält", so Sprecher Robin Kiely.

Die festangestellten Piloten sind in Irland unter Vertrag, auch wenn sie beispielsweise in Deutschland stationiert sind. Die irischen Sozialstandards gelten im europäischen Vergleich als recht lax.

Kenner sehen O'Leary unter Druck

Da Ryanair aufgrund eines Planungsfehlers Piloten kurzfristig Urlaub genehmigen und in der Folge 20.000 Verbindungen im Winterflugplan streichen musste, steht die Airline von Chef Michael O'Leary nun unter Druck, vermuten Branchenkenner.

"O'Leary wird einlenken und seinen Piloten entgegenkommen", heißt es. "Letztlich gibt es am Markt nicht genug Piloten, als dass Ryanair alle Streikenden feuern und ohne erhebliche finanzielle Einbußen ersetzen könnte."

Die VC sieht darin offenbar auch ein Druckmittel: : "Wenn nicht jetzt, wann sonst gibt es eine realistische Chance?", fragt Ingolf Schumacher, Vorsitzender für Tarifpolitik.

Von: cs
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