Gedankenflug

Ryanair hilft Lufthansa in Frankfurt

03.11.2016 - 13:41 0 Kommentare

Was für ein Spektakel: Ryanair kommt nach Frankfurt ans Heimatdrehkreuz der Lufthansa. Zu Billigkonditionen! Skandal? airliners.de-Herausgeber David Haße sieht eher Opportunismus bei allen Beteiligten.

Eine Ryanair-Maschine am Flughafen Frankfurt. Der Airport ist auch ein Drehkreuz der Lufthansa. - © © dpa - Andreas Arnold

Eine Ryanair-Maschine am Flughafen Frankfurt. Der Airport ist auch ein Drehkreuz der Lufthansa. © dpa /Andreas Arnold

Zwei mächtige Erzfeinde als Protagonisten, ein Überraschungscoup samt Ungehorsam im Königreich und wütende Reaktionen allerorten. Die Ryanair-Ankündigung, demnächst auch vom Flughafen Frankfurt zu fliegen, war ein grandioses Medienspektakel samt toller Bilder.

So schafft man Aufmerksamkeit - und das hilft allen Beteiligten. Jede Airline der Welt weiß nun von den Neukundenrabatten und den Billigflug-Ambitionen in Frankfurt. Ryanair braucht ihre neue Station jetzt nicht mehr zu bewerben und Lufthansa hat schlussendlich einen Grund, Eurowings zukünftig doch in Frankfurt einzusetzen.

Opportunismus bei allen Beteiligten

So hilft Ryanair der Lufthansa sogar im aktuellen Tarifkampf. "Eurowings wird nicht von den Lufthansa-Drehkreuzen fliegen", war ja eigentlich das Versprechen an die teuren Lufthansa-Crews im Zuge der Umstellungen der Europaverkehre. "Alle deutschen Flughäfen außer Frankfurt", lautete dagegen bislang die Ansage für den Ryanair-Wachstumskurs. Opportunismus allerorten.

Aber seien wir mal ehrlich: Wirklich gerechtfertigt ist das große Bohei um das Mini-Engagement der Ryanair in Frankfurt nicht wirklich. Wann gab es schon mal einen ähnlichen Aufschrei wegen vier neuer Mittelmeer-Destinationen am größten Flughafen der Republik? Richtig: Noch nie. Noch dazu schafft Ryanair zum kommenden Sommer gar keine neuen Kapazitäten. Sie tritt zunächst einfach statt Air Berlin an, die Frankfurt gleichzeitig verlassen wird.

Weitere Billigflieger werden folgen

Frankfurt mag für viele gedanklich zum "Lufthansa-Königreich" gehören. In der Realität betreibt der Kranich hier aber lediglich einige Terminals und Hallen, die Ryanair nie nutzen wird. An Fraport selbst ist Lufthansa mit lediglich etwas über acht Prozent beteiligt. Kein Wunder also, dass der Konzern auch andere Kunden im Visier haben darf und muss.

So wird Ryanair natürlich nicht der einzige Lowcoster in Frankfurt bleiben. Anderes zu glauben, wäre Realitätsverweigerung. Dass es Lowcost-Potenzial an Großflughäfen gibt, beweist aktuell schon Transavia in München. Eine echte Bedrohung erwächst daraus zunächst einmal den Ferienfliegern, allen voran Condor.

Die Lufthansa wird derweil in ihrem Kerngeschäft mit Umsteigern am Flughafen Frankfurt auf absehbare Zeit unbehelligt bleiben. Erst wenn irgendwann tatsächlich die Eurowings für Lufthansa von Frankfurt nach Mallorca abheben wird, kommt auch hier eine echte Konkurrenzsituation zustande - dann aber zu allen neuen Billigfliegern am Platz.

Und so komme ich zum Schluss noch zu den vielfach gescholtenen "Ryanair-Konditionen". Dagegen kann sich Lufthansa erst dann ernsthaft auflehnen, wenn sie für ihre Eurowings-Kunden ebenfalls Walk-Boarding durch den Regen bestellt und dafür tatsächlich teurere Konditionen angeboten bekommt.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Streit um Rabatte für Ryanair am Frankfurter Flughafen

Solange das nicht der Fall ist, kann Fraport viele kreative Ideen für Neukunden und neue Strecken entwickeln und beim Ministerium vorlegen. Mal sehen, was wirklich davon übrig bleibt. Es wäre nicht das erste Mal, dass Rabatt-Ideen für neue Entgeltordnungen oder auch Erhöhungen später doch nicht umgesetzt werden.

Für alle in Frankfurt bleibt somit abzuwarten, wie sich Ryanair vor Ort behaupten kann und ob die Basis nachhaltig wachsen wird. Besonders spannend wird das sicher zunächst einmal für Ryanair selbst. Ein Großflughafen wie Frankfurt ist nämlich auch für die Iren ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Zur Sicherheit bleibt ja aber vorerst auch noch der Hahn.

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 machte er sich mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de selbständig. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh
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