Ryanair Group schrumpft in Deutschland

Exklusiv 23.05.2019 - 07:01 0 Kommentare

Ryanair und Lauda bieten aktuell in Deutschland deutlich weniger Flüge an als noch im Vorjahr. Ohnehin ist der Marktanteil der größten europäischen Airline hierzulande recht überschaubar. Airline-Chef Michael O'Leary wartet auf die weitere Konsolidierung.

Die Chefs von Lauda Motion und Ryanair, Andreas Gruber und Michael O'Leary. - © © APA/dpa - Helmut Fohringer

Die Chefs von Lauda Motion und Ryanair, Andreas Gruber und Michael O'Leary. © APA/dpa /Helmut Fohringer

Ryanair hat derzeit keine Ambitionen, das Angebot in Deutschland weiter auszubauen. Der Billigflieger sehe für den deutschen Markt aktuell nur wenig Wachstumsmöglichkeiten, sagte Ryanair-Chef Michel O'Leary kürzlich im Rahmen eines Analysten-Calls zur Vorstellung der Jahresbilanz.

Derzeit liegt der Ryanair-Marktanteil in Deutschland bei gerade einmal sieben Prozent. Tochter Lauda kommt auf 1,4 Prozent. Den Marktanteil wolle man nun "erstmal halten", kändigte O'Leary an. Dabei war der Anteil der Gruppe hierzulande zuletzt sogar gesunken, von zusammen 9,2 Prozent des Angebots im vergangenen Sommer auf nunmehr 8,4 Prozent.

Marktanteile in Deutschland im Sommer 2019
Fluggesellschaft Marktanteil
Lufthansa Group 51.6
Ryanair Group 8.4
Easyjet 6.2
Condor 3.7
Tuifly 2.2
Übrige Airlines 27.9

Die Grafik zeigt die Marktanteile der fünfgrößten Fluggesellschaften im Sommer 2019 in Prozent.Quelle: CH-Aviation

Die Ryanair Group hat in diesem Sommer ihre Deutschland-Kapazitäten um rund zehn Prozent heruntergefahren. Das zeigt eine airliners.de-Analyse der Abflüge in den zwei Flugplanperioden auf Basis von CH-Aviation und OAG-Flugplandaten.

Boten Ryanair und Lauda im vergangenen Sommer zusammen noch über 9,3 Millionen Sitzplätze ab deutschen Flughäfen, sind es in diesem Sommer nur noch 8,4 Millionen. Bei Ryanair beträgt das Minus im Angebot knapp über einer halben Million Plätze. Bei Lauda sind es rund 300.000 Plätze weniger, obwohl die Expansion der österreichischen Tochter im vergangenen Jahr erst ab Juni so richtig begonnen hatte.

Hahn, Weeze und Bremen stark betroffen

Signifikant sind dabei die Kapazitätsrückgänge an den Regional-Airports wie Frankfurt Hahn, Weeze und Bremen. So bietet der Billigflieger beispielsweise ab dem Hahn nur noch circa 410.000 Plätze. Im vergangenen Sommer waren es hier noch über 800.000. Knapp 300.000 Plätze weniger sind es auch ab Weeze. Bremen muss einen Rückgang im Angebot des Billigfliegers von rund 75.000 Plätzen verkraften. Bereits zum Winter hatte der Billigflieger vor Ort die Basis geschlossen.

Ryanair baut ihr Engagement aber auch an den großen Flughäfen in Deutschland ab, wenn auch nicht so massiv. Ab Frankfurt sind es fast 75.000 Plätze weniger. Damit sinkt die Zahl der angebotenen Kapazität knapp unter die Millionengrenze. Auch in Hamburg ging das Angebot der Iren zurück.

Berlin-Schönefeld ist auch in diesem Sommer der wichtigste Airport für die Iren. Hier ist die Airline mit elf stationierten Maschinen und knapp 35 Prozent Marktanteil wieder die größte Airline. Dennoch hat Ryanair auch hier die Kapazitäten um fast 160.000 Plätze auf 1,56 Millionen Sitze heruntergefahren.

Wachstum nur an wenigen Plätzen

Es gibt aber auch Wachstum an einigen Punkten im deutschen Ryanair-Flugplan. So wächst der Billigflieger beispielsweise in Dortmund und Köln/Bonn. Nach der Übernahme der Lauda-Basis am Flughafen Tegel ergibt sich für Berlin insgesamt sogar ein Plus von rund 320.000 Sitzplätzen. Damit will man trotz Minusgeschäft Konkurrentin Lufthansa unter Druck setzen, auch wenn Berlin derzeit noch nicht kostendeckend sei, wie O’Leary betonte.

© Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, Günter Wicker Lesen Sie auch: Berlin ist Minusgeschäft für Ryanair

Lauda hat derweil im vergangenen Jahr die Kapazitäten vor allem an ihren neuen Basen in Düsseldorf und Stuttgart massiv aufgestockt. So bietet die österreichische Tochter der Iren in diesem Sommer fast 590.000 Plätze ab Düsseldorf und knapp 530.000 ab Stuttgart an. Gleichzeitig hat Ryanair das Angebot an beiden Airports aber deutlich reduziert. In Düsseldorf ist der Low-Coster in diesem Sommer sogar gar nicht mehr selbst vertreten.

O'Leary will weitere Konsolidierung abwarten

Als Grund für die Zurückhaltung in Deutschland sieht Ryanair vor allem die Überkapazität am Markt nach der immer noch nicht abgeschlossenen Marktkonsolidierung. So prognostizierte O'Leary, dass die Preise in Deutschland auch in kommenden eins bis zwei Jahre weiter sehr niedrig bleiben werden.

Statt in Deutschland sieht O`Leary für Ryanair den nächsten Wachstumsmarkt nun in Skandinavien. Denn mit Norwegian und SAS würden dort gleich zwei Airlines den Markt bestimmen, die derzeit vor großen Problemen stünden, so der Manager.

Von: br
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