Ryanair mit weniger Gewinn, will aber weiter wachsen

30.05.2017 - 10:17 0 Kommentare

1,3 Milliarden Euro Gewinn hat Ryanair im vergangenen Geschäftsjahr gemacht. Das sind 16 Prozent weniger als im Vorjahr - Grund dafür ist ein Sonderfaktor. Jetzt setzen die Iren auch auf die Schwäche einiger Rivalen.

Ryanair-CEO Michel O'Leary peilt mehr Gewinn an. Foto: © dpa, Frank Rumpenhorst

Brexit, Terrorangst und ein Preiskampf unter den Airlines bringen Europas größten Billigflieger Ryanair nicht von seinen Wachstumsplänen ab: Trotz widriger Umstände peilt Unternehmenschef Michael O'Leary für das Geschäftsjahr 2017/18 mehr Gewinn an.

Den Anteilseignern will er über einen Aktienrückkauf 600 Millionen Euro zurückgeben, wie Ryanair bei der Bilanzvorlage jetzt ankündigte. Diesen Schritt hatte die Airline bereits angekündigt, jedoch war damals von einer niedrigeren Summe die Rede. Derweil setzen die Iren auf die Schwäche einiger Rivalen. In Deutschland und Italien, wo Air Berlin und Alitalia ums Überleben kämpfen, will Ryanair das Flugangebot verstärkt ausbauen.

So reagiert die Ryanair-Aktie

Die Ryanair-Aktie reagierte mit einem Kursverlust auf die Nachrichten. Zum Handelsstart in Dublin verloren die Papiere 0,51 Prozent an Wert auf 17,66 Euro. Damit ist Ryanair an der Börse immer noch annähernd dreimal so viel wert wie die Lufthansa.

Für die zwölf Monate bis Ende März stand bei Ryanair unter dem Strich ein Gewinn von gut 1,3 Milliarden Euro. Das sind fast 16 Prozent weniger als im Vorjahr, als der Verkauf der Beteiligung an der Fluglinie Aer Lingus das Ergebnis nach oben getrieben hatte. Ohne diesen Effekt wäre der Gewinn um sechs Prozent gestiegen. Für das Geschäftsjahr 2017/18 peilt O'Leary einen Gewinn von 1,40 bis 1,45 Milliarden Euro an.

Low-Cost-Carrier spricht über Flottenpläne

Die Terrorangst unter den Reisenden, ein Preiskampf bei Flugtickets und das schwache britische Pfund waren im vergangenen Geschäftsjahr jedoch auch an Ryanair nicht ganz spurlos vorübergegangen. So hatte O'Leary das Gewinnziel nach dem Brexit-Votum bereits gekappt.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr fiel der durchschnittliche Ticketpreis um 13 Prozent auf 41 Euro. Während die Zahl der Fluggäste um 13 Prozent auf 120 Millionen stieg, legte der Umsatz dadurch nur um zwei Prozent auf 6,6 Milliarden Euro zu.

Nach Einschätzung von Ryanair geht es für die Ticketpreise weiter nach unten. Das schwache britische Pfund und ein anhaltendes Überangebot an Flügen in Europa dürfte die Ticketpreise im laufenden Geschäftsjahr um fünf bis sieben Prozent sinken lassen, sagte O'Leary. An seinem Wachstumskurs hält der Manager dennoch fest. Die Zahl der Passagiere soll im gleichen Zeitraum auf 130 Millionen steigen.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Lufthansa vor IAG und Air France-KLM, aber hinter Ryanair

Dazu will das Unternehmen auch seine Flotte von derzeit rund 400 Mittelstreckenjets stärker wachsen lassen. So plant Ryanair bereits zehn geleaste Boeing-Maschinen später zurückgeben als geplant und außerdem zwei bis drei neue Flugzeuge zusätzlich abnehmen. Auch eine Kaufoption über 100 neue Boeing-Jets werde Ryanair voraussichtlich ausüben, sagte Finanzchef Neil Sorahan der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Ryanair will nicht nur Italien und Deutschland zulegen

Dabei verlagert die Gesellschaft ihr Geschäft verstärkt auf den europäischen Kontinent. Grund dafür ist die Unsicherheit rund um den geplanten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.

"Ein harter Brexit könnte eine schwere Unterbrechung für Flüge zwischen Großbritannien und der EU für einige Monate nach März 2019 auslösen", sagte O'Leary. Daher will er Ryanair flexibel aufstellen und Wachstumsmöglichkeiten in anderen Ländern Europas nutzen.

© dpa, Sven Hoppe Lesen Sie auch: Lufthansa-Chef rechnet mit harten Brexit-Verhandlungen

Im Auge hat er dabei vor allem Polen, Rumänien, Italien und Deutschland. In den beiden letztgenannten Ländern will Ryanair die Lage der hochverschuldeten Gesellschaften Air Berlin und Alitalia ausnutzen. So steht Alitalia nach einem geplatzten Sanierungsplan unter Sonderverwaltung und sucht nach einem Käufer.

Mehrere Airlines wie Lufthansa, Easyjet oder Air France/KLM haben bereits abgewinkt. Derweil spaltet Air Berlin ihr Geschäft in drei Teile auf und hat mit Problemen bei der Bodenabfertigung zu kämpfen.

Irischer Billigflieger ändert sein Konzept

Derweil löst sich Ryanair schrittweise von seinem Konzept reiner Punkt-zu-Punkt-Verbindungen. Noch im Laufe dieses Jahres sollen Ryanair-Kunden Langstreckenflüge der spanischen Fluglinie Air Europa wahrnehmen können. Gespräche mit anderen Airlines laufen.

Zudem bietet Ryanair in Rom erstmals eigene Umsteigeverbindungen zu verschiedenen Zielen an. Ist der Versuch erfolgreich, will die Gesellschaft das Angebot auf ihr gesamtes Streckennetz ausweiten.

© dpa, Andy Rain Lesen Sie auch: Ryanair hat jetzt auch Umsteigeflüge im Programm

Von: ch, dpa-AFX
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