Ryanair-Passagierzahlen steigen, während Gewinne sinken

29.07.2019 - 10:14 0 Kommentare

Günstige Tickets, teures Kerosin und gestiegene Ausgaben für Personal drücken trotz steigender Passagierzahlen auf den Gewinn des irischen Billigfliegers Ryanair. Das Geschäft mit Zusatzangeboten floriert dagegen und stützt den Umsatz.

Passagiere steigen am Flughafen Hahn in eine Ryanair-Maschine. - © © Flughafen Frankfurt-Hahn -

Passagiere steigen am Flughafen Hahn in eine Ryanair-Maschine. © Flughafen Frankfurt-Hahn

In Deutschland wütet ein harter Preiskampf um Flugtickets, in Großbritannien treibt der Brexit nicht nur die Luftfahrtbranche um: Europas größtem Billigflieger Ryanair macht das finanziell zu schaffen. Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Juni brach der Gewinn deutlich ein, wie die Easyjet-Rivalin am Montag in Dublin mitteilte.

Einerseits stiegen die Kosten für Sprit und Personal, andererseits musste Ryanair-Chef Michael O'Leary die Ticketpreise senken, um seine Flieger voll zu bekommen. Und darüber hinaus grassiert die Unsicherheit wegen der Flugverbote für den Boeing-Mittelstreckenjet 737 Max.

Alle Seiten klagen über Preiskampf

Die Ryanair-Führung beklagte den Preiskampf auf dem wichtigen deutschen Markt. Die Lufthansa verkaufe ihre überschüssigen Tickets unterhalb ihrer eigenen Kosten, kritisierte O'Leary. Seiner Ansicht nach haben der Kranich und seine Tochter Eurowings seit der Übernahme großer Teile von Air Berlin überschüssige Kapazitäten.

Umgekehrt hat die Lufthansa Billiganbietern wie Easyjet und Ryanair samt ihrer österreichischen Tochter Laudamotion vorgeworfen, für Marktanteile in Deutschland Verluste in Kauf zu nehmen. Wegen der Rabattschlacht rechnet die Lufthansa-Billigmarke Eurowings im laufenden Jahr erneut mit roten Zahlen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr musste auch die Gewinnprognose für den Gesamtkonzern zurechtstutzen.

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Ryanair verdiente in den Monaten April bis Juni unter dem Strich nun 243 Millionen Euro und damit 21 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Zwar wuchs die Zahl der Fluggäste um 11 Prozent auf 41,9 Millionen, und der Umsatz zog im gleichen Maß auf 2,3 Milliarden Euro an. Dies gelang aber nur, weil Ryanair die Ticketpreise im Schnitt um sechs Prozent senkte.

Zusatzerlöse gleichen geringere Ticketpreise aus

Zusatzerlöse etwa für Sitzplätze nach Wunsch federten den Rückgang bei den Ticketpreise aber ab. Die Umsätze mit diesen so genannten Ancillaries gingen um 14 Prozent hoch, sodass Ryanair auf einen Gesamtumsatz von 55 Euro pro Fluggast kam. Doch die Mehreinnahmen konnten den Anstieg der Kosten nicht ausgleichen. Denn Treibstoff, Flughafengebühren und Personal schlugen deutlich teurer zu Buche als ein Jahr zuvor.

Unternehmenschef O'Leary hatte das vorausgesehen und für das laufende Geschäftsjahr nur noch einen Gewinn von 750 bis 950 Millionen Euro angekündigt. Damit dürfte Ryanair höchstens so viel verdienen wie im vorangegangenen Geschäftsjahr. An dieser Prognose hält das Management fest - obwohl sich die Aussichten eher verdunkeln.

So schlug die anhaltende Unsicherheit rund um den Brexit bei Ryanair schon im abgelaufenen Quartal negativ zu Buche. Der bevorstehende Austritt des Landes aus der EU dämpfe die Zuversicht und die Konsumfreude der Verbraucher, schrieb das Management. Für den Billigflieger ist Großbritannien ein wichtiger Absatzmarkt.

Hinzu kommen die allgemein fallenden Ticketpreise bei gleichzeitig steigenden Kosten. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2020 rechnet O'Leary jetzt mit einem Rückgang der Ticketpreise um bis zu zwei Prozent, nachdem er zuvor auch einen leichten Anstieg für möglich gehalten hatte.

Die Zahl der Passagiere dürfte zwar um sieben Prozent auf mehr als 152 Millionen steigen, allerdings etwas weniger stark als zuletzt geplant. Wie es tatsächlich ausgeht, hängt dem Managment zufolge vom Geschäft des kommenden Winterhalbjahrs ab - sowie davon, ob es weitere negative Entwicklungen im Zuge des Brexits gibt.

Zu schaffen macht der Easyjet-Rivalin auch das Flugverbot für Boeings Mittelstreckenjet 737 Max, dessen Auslieferung sich voraussichtlich deutlich verzögert. Vor den Problemen mit dem Flugzeugtyp hatte Ryanair noch mit etwa 162 Millionen Passagieren geplant.

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Die Airline hat 135 Maschinen der Reihe bestellt und zusätzlich 75 Optionen gezeichnet, jedoch noch kein einziges Flugzeug erhalten. Denn nach dem Absturz zweier 737 Max bei anderen Airlines in Indonesien und Äthiopien mit 346 Toten gilt für das Modell seit März ein weltweites Flugverbot. Wann die Probleme und das Startverbot endet, ist weiterhin offen.

Die Ryanair-Führung hat ihre Wachstumspläne daher bereits Mitte Juli zusammengestrichen. Die ersten Max-Maschinen erwartet sie jetzt nicht vor Januar 2020, und für den nächsten Sommer plant sie nur mit 30 statt mit 58 Jets des Typs. Die Zahl der Fluggäste soll im nächsten Geschäftsjahr bis Ende März 2021 zwar auf rund 157 Millionen steigen. Zuvor hatte Ryanair noch 162 Millionen angepeilt.

Von: hr, dpa
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