Ryanair erkennt weitere Kabinenvertreter an

06.06.2018 - 22:17 0 Kommentare

Flugbegleitergewerkschaften in Portugal und Spanien fordern Zugeständnisse von Ryanair und drohen mit Streiks, indes erkennt der Billigflieger in Italien zwei Kabinenorganisationen offiziell an. In Deutschland laufen Gespräche mit Verdi und Ufo nur schleppend.

Flugbegleiter von Ryanair. - © © Ryanair -

Flugbegleiter von Ryanair. © Ryanair

Mitten im Zwist um die Anerkennung von Flugbegleitergewerkschaften in unter anderem Portugal und Spanien erkennt Ryanair zwei Gewerkschaften für das Kabinenpersonal offiziell an - in Italien. Wie der Billigflieger am Mittwoch mitteilte, hat sie entsprechende Vereinbarungen mit den Gewerkschaften Anpac und Anpav unterzeichnet. Sie sind nun Vertretungsorgane für die direkt bei Ryanair angestellten Flugbegleiter in Italien.

Seit Dezember vergangenen Jahres führte die Airline Gespräche mit den beiden Organisationen. Nun soll für die fest angestellten Ryanair-Flugbegleiter von Anpac und Anpav ein Betriebsrat eingerichtet und ein Tarifvertrag abgeschlossen werden. Nach Angaben des Billigfliegers sind rund 20 Prozent seines Kabinenpersonals in Italien stationiert.

Weitere Länder sollen folgen

In Deutschland und anderen Ländern befindet sich Ryanair ebenfalls in Gesprächen mit Arbeitnehmervertretern. "Wir hoffen, in den kommenden Wochen weitere Anerkennungsvereinbarungen sowohl mit Piloten- als auch Flugbegleitergewerkschaften zu unterzeichnen", sagte Personalchef Eddie Wilson.

Die spanische Kabinengewerkschaft Uso drohte zuletzt mit Streiks, sofern Ryanair nicht bis Ende Juni einen deutlichen Schritt auf sie zu machen würde. Trotz anderslautender Ankündigungen hat der Billigflieger relativ schnell auch Gespräche mit den Flugbegleiterngewerkschaften aufgenommen - bislang standen lediglich Pilotenvereinbarungen auf der Agenda der Iren.

Im Mai trafen sich Manager der Airline beispielsweise erstmals mit Vertretern der deutschen Gewerkschaften Verdi und Ufo. Verdi ist inzwischen ebenfalls von Ryanair anerkannt, hat eine Tarifkommission gewählt und führt Gespräche mit den Iren, hat aber nach airliners.de-Informationen noch nicht offiziell Tarifverhandlungen aufgenommen. Letzteres gilt auch für Ufo.

Piloten sehen noch einen langen Weg

Ganz anders ist die Lage bei den Piloten. Bereits Ende Januar hatte Ryanair in Großbritannien und Italien die ersten Cockpit-Gewerkschaften formell anerkannt. Darüber hinaus verhandelt Ryanair ebenfalls mit weiteren Pilotenverbänden. Beispielsweise ist die deutsche Vereinigung Cockpit bereits mitten in Tarifverhandlungen.

Doch die Gespräche gestalten sich als zäh. Der neue VC-Präsiden Martin Locher erklärte zuletzt: "Bei der dringend erforderlichen Tarifierung der Ryanair wurden zwar die ersten Schritte erfolgreich absolviert, aber der Weg bis zum ersten unterschriebenen Tarifvertrag ist noch steinig und lang."

Darüber hinaus schwinge immer die Sorge mit, dass die Iren die Arbeitnehmervertreter der einzelnen Länder gegeneinander ausspiele, berichtet ein Beobachter. Denn: Tarifverhandlungen können immer nur für ein Land abgehalten werden; die Pilotengewerkschaften versuchen dennoch ihre Aktivitäten auf europäischer Ebene zu koordinieren.

© dpa, Thomas Frey Lesen Sie auch: Pilotenrevolte führt bei Ryanair zum Umdenken Hintergrund

Von: pra, cs
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