Ryanair will keine Flugzeuge aus Deutschland abziehen

02.08.2018 - 08:20 0 Kommentare

Der Billigflieger ganz milde: Trotz vorheriger Ankündigung will Ryanair bei weiteren Pilotenstreiks keine Flugzeuge abziehen - zumindest aus Deutschland. Dem Low-Coster stehen die nächsten Streiks bevor.

Eine Boeing 737 der Ryanair. - © © AirTeamImages.com - Jesus Moreno

Eine Boeing 737 der Ryanair. © AirTeamImages.com /Jesus Moreno

Auf Streiks der deutschen Piloten will Ryanair nach eigenen Angaben nicht mit Flugzeugverlegungen reagieren. "Wir wollen das Wachstum in Deutschland fortsetzen, wir wollen weiterhin neue Jobs schaffen und sicher keine Jobs streichen", sagte Marketing-Chef Kenny Jacobs.

In Irland reagierte Ryanair mit dem Abzug von mindestens sechs Maschinen auf die drei Streiktage der Piloten. Die Basis in Dublin soll im Winter von jetzt 30 auf dann "höchstens" 24 stationierte Flugzeuge verkleinert werden.

Repressalien für irische Piloten

Die Entscheidung begründet Ryanair zum einen mit der großen Nachfrage bei der polnischen Charter-Tochter Ryanair Sun, aber zum anderen auch ganz offen mit den Vorausbuchungen, die durch die Streiks verschlechtert wurden. 300 fliegende Mitarbeiter könnten nach Polen wechseln.

Die irischen Piloten setzten daraufhin für diesen Freitag (3. August) einen vierten Streiktag an. Außerdem wollen die Flugzeugführer von Ryanair in Belgien und Schweden kommende Woche streiken.


Pilotenstreiks bei Ryanair

  • 21. Dezember 2017: Warnstreik in Deutschland;
  • 13., 20., 24. Juli, 3. August: Irland;
  • 10. August: Belgien, Schweden;
  • Noch ohne Termin: Deutschland.

Quelle: airliners.de


Die deutschen Cockpit-Crews haben sich in einer Urabstimmung mehrheitlich für Ausstände ausgesprochen. Vorausgegangen war dem Votum der Verhandlungsabbruch durch die deutsche Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) Mitte Juni.

Jacobs von Tarifeinigung überzeugt

Man komme "keinen Millimeter mehr voran", sagte VC-Präsident Martin Locher damals im Interview mit airliners.de. Jacobs zeigte sich nun überzeugt, dass man mit der VC einen Tarifvertrag abschließen werde.

© dpa, Niall Carson/PA Lesen Sie auch: "Streiks bei Ryanair sind nicht unser Ziel" Interview mit VC-Präsident Martin Locher

Kommende Woche will die Gewerkschaft über das weitere Vorgehen informieren. Zudem ist dem Billigflieger bis Dienstag letztmalig eine Frist gesetzt, auf die Forderungen einzugehen.

O'Learys erneute Drohung

Ryanair-Chef Michael O'Leary hat dafür wenig Verständnis: "Wir haben alles getan, um Streiks zu verhindern." Mit Blick auf die hunderte Flugstreichungen der vergangenen Streiks sagte er zu Wochenbeginn: "Wo gestreikt wird, werden Flugzeuge abgezogen und Personal verlegt."

O'Leary betonte jüngst: "Es geht um Dinge, bei denen es sich nicht lohnt, zu streiken." So habe man sich unter anderem auf ein Gehaltsplus von 20 Prozent für die rund 4000 Ryanair-Piloten geeinigt. Via Twitter ließ der Low-Coster verlautbaren, dass Piloten bis zu 200.000 Euro im Jahr verdienen könnten:


Dabei geht es längst nicht nur ums Geld. Zwar fordert auch die VC, wie alle anderen Pilotengewerkschaften in Europa, für Ryanair eine Bezahlung, die sich an der der Tuifly orientiert - immerhin betreibt die deutsche Tui-Airline eine ähnliche Flotte wie Ryanair.

"Personal-Ping-Pong" im Fokus

Zum anderen müsse das "Personal-Ping-Pong" aufhören, wie ein Arbeitnehmervertreter es nannte. Die Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen bezieht sich unter anderem darauf, dass nicht alle Piloten, die bei Ryanair fliegen, auch dort angestellt sind. Viele Cockpit-Crews sind gezwungen, eine Ich-AG zu gründen und mit deutlichem Hang zur Scheinselbständigkeit bei Ryanair beschäftigt zu sein.

Ryanair leugnet diese Praxis ("Contractor-Modell") nicht und spricht auf Anfrage von einer legitimen Maßnahme, die auch andere Airlines so anwenden würden. Zudem beträfe dies "weniger als 50 Prozent" der eigenen Piloten. Vor einigen Jahren lag der Satz noch bei rund 30 Prozent.

Auch die Flugbegleiter streiken

Neben den Piloten führt Ryanair auch Tarifverhandlungen mit den Flugbegleitern. Hier kam es in der vergangenen Woche zu zwei Streiktagen in mehreren Ländern; fast 1000 Flüge fielen aus - zehntausende Passagiere waren betroffen.

Die Kabinen-Crews sind ähnlich wie die Piloten auch überwiegend nicht bei Ryanair angestellt. Flugbegleiter sind airliners.de-Informationen zufolge erst ab dem Rang des Kabinenchefs beim Low-Cost-Carrier direkt angestellt - alle anderen Kabinen-Mitarbeiter kommen über Zeitarbeitsfirmen wie Crewlink zu Ryanair.

© privat Lesen Sie auch: "Personalprobleme sind der Hauptgrund" Interview mit Tarifexperte Eckhard Bergmann

Von: cs
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