Ryanair-Flugbegleiter organisieren sich europaweit

12.06.2018 - 09:21 0 Kommentare

Billigflieger Ryanair verhandelt bereits in mehreren Ländern mit dem Kabinenpersonal. Jetzt wollen sich einige Gewerkschaften europaweit organisieren. Doch der Weg zu Tarifverträgen scheint noch lang.

Kabinenpersonal von Ryanair. - © © Ryanair -

Kabinenpersonal von Ryanair. © Ryanair

Ryanair hat jetzt in zwei Ländern offiziell Gewerkschaften für das Kabinenpersonal anerkannt: Nach den Vereinbarungen in Italien in der vergangenen Woche schloss der Billigflieger am Montag in Großbritannien eine Vereinbarung mit der Gewerkschaft Unite. Sie vertritt nach eigenen Angaben rund 650 fest angestellte Flugbegleiter.

Unite selbst spricht von einer "historischen Vereinbarung". Der Verband ITF, Zusammenschluss von 670 Verkehrsgewerkschaften weltweit, nennt die Anerkennung in einer Mitteilung zwar einen "bedeutenden Sieg", gibt aber auch zu bedenken: "Ryanair muss jetzt beweisen, dass sie wirklich in gutem Glauben verhandeln will."

Nach den bisherigen Erfahrungen sind viele in den Kabinengewerkschaften skeptisch, dass Ryanair es ernst meint mit den Tarifverhandlungen. Sogar die Vereinbarung in Italien sorgte für einen Eklat, weil drei Gewerkschaften sich ausgeschlossen fühlten. Die ITF verurteilte das Vorgehen des Billigfliegers deshalb als "spaltend".

Erste Gespräche mit Ufo und Verdi

Die deutschen Gewerkschaften Ufo und Verdi haben bislang keine formellen Vereinbarungen mit Ryanair getroffen. Eine derartige Anerkennung sei im deutschen Recht auch gar nicht vorgesehen, erklärt Mira Neumaier, bei Verdi Gewerkschaftssekretärin für Fachbereich Verkehr, gegenüber airliners.de.

Aber Neumaier betont: "Es gibt von beiden Seiten ein klares Zugeständnis für Gespräche und auch für Tarifverhandlungen." Nach dem ersten Treffen mit Ryanair am 17. Mai ist allerdings klar: "Das ist noch ein langer, steiniger Weg."

Die Kollegen von Ufo werden konkreter: Tarifexperte Uwe Hien war am 31. Mai mit Vertretern der Tarifkommission zu Gesprächen in Dublin. Dabei stellte er fest, dass man bei Ryanair noch keine konkreten Vorstellungen über die Gestaltung von Verhandlungen hat, wie er gegenüber airliners.de erläutert: "Die haben keinen Zugang zum deutschen Tarifrecht und wissen etwa mit dem deutschen Tarifeinheitsgesetz nichts anzufangen."

Ryanair fehlt Personal für Verhandlungen

Die Ufo erwarte zwar, dass die Gespräche im Hochsommer fortgesetzt werden, aber schnelle Fortschritte erwartet Hien nicht. "Ryanair hat gar nicht die Manpower, um neben den Verhandlungen mit den Cockpit-Gewerkschaften auch die mit den Kabinengewerkschaften zu führen."

Unser Eindruck ist, dass Ryanair auf Zeit spielen will.

Ufo-Tarifexperte Uwe Hien

Mit den Piloten verhandelt Ryanair schon seit Dezember, im März gründete das Cockpit-Personal eine europaweite Tarifkommission, um sich abzustimmen und gemeinsame Forderungen aufzustellen.

Internationaler Gipfel der Flugbegleiter

Auch die Flugbegleiter wollen nun den Druck erhöhen und sich europaweit organisieren. Am 3. und 4. Juli soll in Dublin erstmals ein "Ryanair Crew Summit" stattfinden. Veranstaltet wird er von dem Zusammenschluss "Cabin Crew United", der sich unlängst unter dem Dach des ITF zusammenfand.

Die Ryanair-Flugbegleiter haben sich unter dem Dach der ITF organisiert. Grafik: © ITF

Auf dem Treffen in Dublin sollen gemeinsame Mindeststandards bei Arbeitsbedingungen und Gehältern formuliert und zu einer "Charta" zusammengefasst werden. Ryanair habe zwar im Dezember 2017 angekündigt, Gewerkschaften anzuerkennen, heißt es in der Ankündigung. Seither sei aber wenig passiert. Nun wolle man die Airline dazu bringen, ihr Wort zu halten und faire Arbeitsbedingungen zu gewährleisten.

Vereinigung Eurecca koordiniert nur intern

Von einer europaweiten Einheit kann aber noch keine Rede sein: So wie in Deutschland Ufo und Verdi um die Vertretung des Kabinenpersonals konkurrieren, gibt es auf internationaler Ebene auch zwei Zusammenschlüsse. Während Verdi in der ITF mitarbeitet, ist Ufo Mitglied der 2014 gegründeten Vereingung Eurecca.

Auch bei der Eurecca finde eine länderübergreifende Koordinierung zu den Gesprächen mit Ryanair statt, berichtet Ufo-Vorstand Christoph Drescher, der neuer Präsident der Vereinigung ist. Von einem großen Gipeltreffen hält er allerdings nichts. "Wir machen das intern und ohne große Presse."

Schließlich nütze es wenig, einheitliche Forderungen zu formulieren. Denn die Abschlüsse müssten in den jeweiligen Ländern verhandelt werden. "Im Endeffekt ist die einzelne Gewerkschaft vor Ort verantwortlich", so Drescher.

"Tarifierung wird in zwei Jahren nicht abgeschlossen sein"

Der Eurecca-Präsident ist optimistischer als andere, dass Ryanair nicht nur eine Hinhaltetaktik verfolgt. "Ich glaube, dass der Prozess weitergehen wird und dass Ryanair am Ende mit ihren Mitarbeitern in allen Ländern Tarifverträge abschließen wird. Das ist eine strategische Entscheidung, die das Unternehmen gefällt hat."

Schnelle Fortschritte rechnet sich aber auch Drescher dabei nicht aus. "Dieser Prozess wird auch in zwei Jahre nicht abgeschlossen sein."

Von: pra
Nachrichten-Newsletter

Keine Nachricht verpassen mit unserem täglichen Newsletter.

Ich habe die Datenschutzbestimmungen zur Kenntnis genommen.

  • Flugbegleiter von Ryanair. Ryanair erkennt weitere Kabinenvertreter an

    Flugbegleitergewerkschaften in Portugal und Spanien fordern Zugeständnisse von Ryanair und drohen mit Streiks, indes erkennt der Billigflieger in Italien zwei Kabinenorganisationen offiziell an. In Deutschland laufen Gespräche mit Verdi und Ufo nur schleppend.

    Vom 06.06.2018
  • Eine Flugbegleiterin der neuen Eurowings. Verdi verhandelt über Arbeitsbedingungen bei Eurowings

    Bei Eurowings Deutschland wird seit 2017 um einen neuen Manteltarifvertrag für die Kabine gerungen - vor allem geht es um Arbeitszeitregelungen. Die Gewerkschaft Verdi verhandelt nun zum neunten Mal mit der Airline.

    Vom 14.08.2018

Themen

Es gelten die Forenregeln und Nutzungsbedingungen » mit Unterstützung durch Disqus

Mehr Nachrichten »
Anzeige schalten
Mehr Stellenangebote »
Anzeige schalten »