Ryanair muss tausende Flüge streichen

19.09.2017 - 09:52 0 Kommentare

Ryanair fehlen Piloten und Flugzeuge. Mit tausenden Flugstreichungen will der irische Billigflieger die Performance im laufenden Sommerflugplan retten. Nach massiver Kritik der EU veröffentlicht der Low-Cost-Carrier jetzt Listen mit den betroffenen Flügen.

Ryanair-Chef Michael O'Leary - © © Jane Barlow/PA Wire/dpa -

Ryanair-Chef Michael O'Leary © Jane Barlow/PA Wire/dpa

Um die aktuelle Pünktlichkeitsquote zu steigern, streicht Ryanair in den kommenden sechs Wochen über 2000 Flüge. Laut einer Mitteilung des irischen Low-Cost-Carriers sollen bis zum Ende des Sommerflugplans täglich 40 bis 50 Flüge ausfallen. Das seien weniger als zwei Prozent des täglichen Angebots von rund 2500 Verbindungen.

Ryanair-Sprecher Robin Kiely erklärte, wegen einer Häufung der Urlaube von Piloten und Kabinenpersonal sowie wegen Kapazitätsengpässen bei der Flugkontrolle und Streiks in Frankreich sei die Pünktlichkeit bei den Flügen in den vergangenen zwei Wochen auf unter 80 Prozent gesunken. Durch die Flugstreichungen könne Ryanair die "Belastbarkeit unserer Flugpläne verbessern und die Pünktlichkeit auf unser Jahresziel von 90 Prozent wiederherstellen". Dazu benötige man einige Standby-Maschinen.

"Wir haben die Urlaubsplanung für die Piloten verbockt und arbeiten hart daran, dass zu reparieren", spezifizierte Kenny Jacobs, Marketingvorstand der Airline im "Handelsblatt". Ryanair sei von der irischen Luftfahrtbehörde dazu verpflichtet worden, die Freizeitansprüche der Besatzungsmitglieder ab 2018 mit dem Kalenderjahr in Einklang zu bringen. Dadurch gäbe es weder genug Piloten noch Flugbegleiter, um die gesamte Flotte in der Luft zu halten.

Pünktlichkeit wird für Ryanair-Geschäftsmodell immer wichtiger

Ryanair entschuldige sich "aufrichtig bei der geringen Zahl von betroffenen Passagieren" und werde sein Möglichstes tun, um sie umzubuchen oder zu entschädigen, sagte der Sprecher. Trotz eines stetigen Zugangs von neuen Boeing-Jets sei die Flotte aus aktuell rund 400 Maschinen restlos verplant. Passagiere reagierten empört. Der Twitter-Feed von Ryanair quoll über mit Kommentaren entnervter Fluggäste, deren Flüge gestrichen worden waren.

Am Montagabend veröffentlichte Ryanair auf ihrer Homepage Listen mit den betroffenen Flügen. Zu den gestrichenen Verbindungen gehören demnach auch einzelne Flüge von deutschen Airports: Berlin-Schönefeld, Bremen, Dortmund, Düsseldorf-Weeze, Frankfurt-Hahn, Hamburg und Köln/Bonn.

Rügen aus Brüssel und London

Angesichts der zahlreichen Flugausfälle haben EU-Kommission und britische Regierung die Airline gerügt. Die Kommission in Brüssel forderte die Airline auf, die Kundenrechte "in vollem Umfang" zu respektieren, London verlangte bessere Informationen für die Kunden. Verkehrskommissarin Violeta Bulc erklärte, Brüssel stehe in Kontakt zu Ryanair, "und wir erwarten, dass sie diese Rechte voll umsetzen". Die nationalen Behörden seien zuständig für die Kontrolle. Der für Luftfahrt zuständige Staatssekretär Martin Callanan in London  mahnte: "Wir erwarten, dass alle Airlines alles in ihrer Macht Stehende tun,  die Kunden weit im Voraus über Reiseunterbrechungen zu informieren." (AFP)

Pünktlichkeit wird für Ryanair immer wichtiger, denn die ehemals reine Point-to-Point-Airline will seit kurzem auch mit Umsteigeverbindungen punkten. So bietet der Billigflieger seit diesem Sommer Anschlussflüge auf eigenen Verbindungen in Rom-Fiumicino sowie in Mailand-Bergamo an.

Der irische Billigflieger testet zudem seit dieser Saison erstmals den Vertrieb von Langstreckenverbindungen des Partners Air Europa in Madrid. Die Vertriebskooperation soll ab dem Winter als echte Umsteigeverbindungen verkauft werden, mit abgestimmten Ryanair-Zubringerflügen. Aber das bringt neue Komplexität mit sich: So muss beispielsweise bei Verspätungen geklärt werden, wer haftet - eine Frage, bei der sich Ryanair bislang gesträubt hat.

© dpa, Andy Rain Lesen Sie auch: Ryanair hat jetzt auch Umsteigeflüge im Programm

Ryanair fliegt auch mehrere Ziele in Deutschland an. Aus dem Bieterkampf um die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin hatte sich das irische Unternehmen Ende August zurückgezogen. Wirtschaftlich steht Ryanair derzeit gut da: Sein zweites Quartal von April bis Ende Juni schloss der Billigflieger mit einem Nettogewinn von 397 Millionen Euro ab.

Von: cs, dh, AFP, dpa
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