Ryanair-Chef äußert sich zu Sozialdumping-Vorwürfen

25.05.2016 - 09:21 0 Kommentare

Die irische Ryanair wächst - und zwar auf Kosten ihrer Mitarbeiter. Dieser Vorwurf wird immer wieder mal erhoben. Jetzt hat sich Airline-Chef O'Leary in einem Interview dazu geäußert.

Michael O'Leary, CEO der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair - © © dpa - EPA/Bax Lindhardt

Michael O'Leary, CEO der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair © dpa /EPA/Bax Lindhardt

Ryanair beutet ihre Piloten aus und zahlt Dumpinglöhne - mit diesen und ähnlichen Vorwürfen sieht sich der irische Billigflieger Ryanair immer wieder konfrontiert. In einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" wurde Ryanair-Chef Michael O'Leary nun auch zu diesem Thema angesprochen.

Die Kritik der deutschen Gewerkschaften wischte O'Leary wie gewohnt mit Sarkasmus vom Tisch: "Die behaupten, wir versklaven die Piloten im Alter von sieben Jahren, wir geben ihnen kein Essen, sie werden nackt ins Cockpit eingesperrt", so der Ryanair-Chef. Dabei würden Ryanair-Piloten würden im Schnitt mehr als 150.000 Euro im Jahr verdienen und dafür weniger als 900 Stunden fliegen, so O'Leary: "Das sind 18 Stunden pro Woche."

© dpa, Roland Weihrauch Lesen Sie auch: Das verdienen Lufthansa-Piloten - Bestverdiener im Cockpit

Allerdings ist auch die Art der Anstellung der Ryanair-Piloten ist immer wieder ein Thema, das in der Branche auftaucht. So hatte zum Beispiel ein ehemaliger Co-Pilot der irischen Billigairline berichtet: Er habe nur Geld bekommen, wenn er tatsächlich geflogen ist. Krankheiten oder Urlaub waren nicht vorgesehen.

Der First Officer war sein eigener Chef, der über eine Zwischenfirma an Ryanair vermittelt wurde. Einer dieser Dienstleister ist zum Beispiel Brookfield Aviation. Der "Zeit" liegt nach eigenen Angaben ein Papier dieser Firma vor. Das Dokument belege, dass Piloten nur Geld bekommen würden, wenn sie fliegen. Sind sie krank, gebe es nichts.

Im Interview darauf angesprochen, widersprach Airline-Chef O'Leary: "Es gibt ein Minium-Krankenschema, das für alle unsere eingesetzten Piloten und für Auftragnehmer gilt. Selbst wenn Sie krank sind, kriegen Sie garantiert rund 50 Prozent der maximalen Stundenzahl für diesen Monat bezahlt."

Auch deutsche Gewerkschaften schießen gegen Ryanair

Vorwürfe gegen Ryanair kommen immer wieder auf. Laut der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) gehört der Billigflieger zu den Fluggesellschaften auf dem deutschen Markt, die in besonderem Maße "atypische Beschäftigungsverhältnisse" forcieren. In dem "Social Barometer" der VC treffen alle sechs Kritikpunkte auf die irische Gesellschaft zu. Ryanair sprach von "absurden Behauptungen".

Die kürzlich erhobenen Vorwürfe der Flugbegleitergewerkschaft Ufo wies Ryanair als sachlich falsch zurück. Ufo hatte die Airline wegen schlechter Arbeitsbedingungen angegriffen. Das Unternehmen zahle absolute Niedriglöhne und unterlaufe gültige Sozialstandards, hieß es. Ryanair trage den unfairen Wettbewerb auf dem Rücken der Mitarbeiter aus.

© dpa, EPA/Olivier Hoslet Lesen Sie auch: Ryanair-Chef: "Air Berlin und Eurowings stehen vor dem Aus"

Die irische Fluggesellschaft ist jedoch nicht der einzige Low-Cost-Carrier, der sich mit Vorwürfen dieser Art herumschlagen muss. In einer Studie der Universität Gent, bei der rund 6600 europäische Piloten befragt wurden, schilderten 16 Prozent, dass sie in atypischen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. Besonders häufig komme das zum Beispiel in den Cockpits von Sunexpress, Wizz Air oder Ryanair vor, hieß es damals in der Studie.

Von: ch
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