Ryanair-Chef Michael O'Leary will Air Berlin kaufen

23.08.2017 - 10:19 0 Kommentare

Auch wenn mit Lufthansa schon alles so gut wie fix zu sein scheint: Auch Ryanair kann sich vorstellen, Air Berlin zu übernehmen. Dabei schielt der irische Low-Cost-Carrier offenbar nicht nur auf Einzelteile.

Michael O'Leary, CEO Ryanair - © © dpa - Julien Warnand

Michael O'Leary, CEO Ryanair © dpa /Julien Warnand

Der irische Billigflieger Ryanair kann sich vorstellen, Air Berlin komplett zu übernehmen. "Wir würden uns sehr freuen, für die gesamte Air Berlin zu bieten", sagte Michael O’Leary der Nachrichtenagentur Reuters.

Air Berlin sei laut O'Leary ein interessanter Carrier für innereuropäische Routen. Für ein offizielles Angebot bräuchten die Iren aber Zugang zu den Datenräumen des insolventen Carriers. "Wir wissen aktuell nicht, wie viel Geld wir in eine Restrukturierung investieren müssten, wie viel Geld Air Berlin dauerhaft verbrennt und warum. Immerhin machen wir im selben Markt dauerhaft Gewinn ..."

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann sagte im Interview mit dem "Handelsblatt", dass allen Interessenten seit Mai die Bücher seiner Airline offen stünden. Von der Öffnung des Datenraumes im Mai habe niemand etwas mitbekommen, das sei überholt, konterte eine Sprecherin von Ryanair laut Reuters.

Offerte wird von Politik ausgebremst

Die Offerte O'Learys ähnelt dem Angebot des Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl, der seinerzeit die schwer angeschlagene dba von British Airways kaufte, sanierte und dann für einen dreistelligen Millionenbetrag an Air Berlin verkaufte. Wöhrl hatte vergangene Woche ein Angebot zur Komplettübernahme der Air Berlin angekündigt. 

Jedoch werden dem Unternehmer wenig Chancen eingeräumt: Die Bundesregierung hingegen präferiert einen Teilverkauf der Air Berlin an die Lufthansa Group, um den "deutschen Champion" zu stärken, wie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und -wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) in Interviews sagten.

O’Leary spricht von "deutschem Monster"

O’Leary bezeichnete die Pläne der Regierung im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" als "historischen Fehler", der ein Monopol entstehen ließe: "Wenn eine Airline wie Air Berlin in die Insolvenz geht, dann sollten alle interessierten Airlines erst einmal bieten dürfen." Mit der jetzigen Strategie schaffe die Politik "nicht einen nationalen Champion – das ist die Lufthansa ja längst –, sondern vielmehr ein nationales Monster, das kleinere Anbieter an deutschen Flughäfen in Schach hält".

Lufthansa will laut Medienberichten bis zu 90 Flugzeuge der Air Berlin übernehmen. Die Teilübernahme könnte mit dem Kauf der Touristiktochter Niki beginnen. Insider erwarten, dass der vorläufige Gläubigerausschuss des insolventen Carriers sein Einverständnis dazu geben wird.

Derweil sieht es so aus, als ob auch Easyjet größere Teile der Air Berlin übernehmen könnte. Anders als Ryanair mit ihrer reinen Boeing-737-Flotte kann Easyjet mit den A320-Flugzeugen und Piloten der Air Berlin sogar wirklich etwas anfangen, so ein Experte.

© airliners.de, Karl Born, Lesen Sie auch: Die Paraderolle des Iren Die Born-Ansage (66)

Von: cs
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