Ryanair-Chef fordert transparentes Air-Berlin-Insolvenzverfahren

30.08.2017 - 18:19 0 Kommentare

Für Ryanair-Chef Michael O'Leary ist es "offensichtlich": Beim bisherigen Insolvenzverfahren um Air Berlin handelt es sich um ein "Komplott". Ausgerechnet Italien zeige, wie ein Bieterverfahren transparent und ohne Zeitdruck funktioniere.

Ryanair-Chef Michael O'Leary äußert sich am 30.08.2017 bei einer Pressekonferenz in Berlin zur Insolvenz und möglichen Zukunft von Air Berlin.  - © © dpa - Bernd von Jutrczenka

Ryanair-Chef Michael O'Leary äußert sich am 30.08.2017 bei einer Pressekonferenz in Berlin zur Insolvenz und möglichen Zukunft von Air Berlin. © dpa /Bernd von Jutrczenka

Ryanair hat kein Angebot für die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin abgegeben. Erst wenn es in Berlin ein "offenes und transparentes Insolvenzverfahren" gebe, würde er für Teile der Air Berlin bieten, sagte Ryanair-Chef Michael O'Leary am Mittwoch (30. August) in Berlin. Bislang sei das gesamte Prozedere ein "abgekartetes Spiel" zwischen Lufthansa und der Bundesregierung.

Die Anteile von Air Berlin würden "unter Ausschluss der größten Wettbewerber zerstückelt". Dabei würden EU-Wettbewerbsregeln sowie Bestimmungen zu staatlichen Beihilfen ignoriert. "Das ist nicht nur ein Bruch der deutschen, sondern auch der europäischen Wettbewerbsregeln", stellte O'Leary klar: "Wir werden uns in diesen Prozess nicht einbringen."

Ryanair habe stattdessen sowohl das Bundeskartellamt sowie die EU-Wettbewerbskommission aufgefordert, "dieses offensichtliche Komplott" zu untersuchen und Beschwerden bei den entsprechenden Stellen eingereicht. Schon in der kommenden Woche werde es vertiefende Gespräche dazu geben, verkündete der Ryanair-Chef.

Ryanair spricht von künstlich erzeugter Insolvenz

O'Leary erneuerte seinen Vorwurf, es handle sich bei der Pleite von Air Berlin um eine "künstlich erzeugte Insolvenz", damit Lufthansa eine schuldenfreie Airline übernehmen kann. "Keiner Airline gehen im August die Gelder aus. Im Sommer verdient sogar eine Air Berlin Geld." Die Insolvenz sei vielmehr "ganz offensichtlich" von Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann künstlich eingeleitet worden, "damit Lufthansa eine schuldenfreie Air Berlin übernehmen kann", erklärte er. Winkelmann war kurz zuvor von der Lufthansa zur finanziell angeschlagenen Berliner Airline gewechselt.

Ryanair habe noch keinen Kontakt zu Winkelmann gehabt. Normalerweise würden Insolvenzverfahren aber auch von unabhängigen Dritten und ohne Zeitdruck koordiniert. Der Zeitpunkt für die Air-Berlin-Insolvenz sei von Winkelmann bewusst kurz vor die Bundestagswahl gelegt worden, um Druck für ein schnelles Verfahren unter Ausschluss des Wettbewerbs aufzubauen, konkretisierte O'Leary seine Vorwürfe.

O'Leary nennt Alitalia-Verfahren als Vorbild

Bei normalen Insolvenzverfahren gebe keinen künstlichen Zeitdruck, so der Ryanair-Chef: "Ganz im Gegenteil!" Das Insolvenzrecht schütze insolvente Fluggesellschaften sogar vor den Forderungen der Gläubiger: "Alitalia fliegt bereits seit etlichen Monaten unter Gläubigerschutz." Gleichzeitig laufe dort ein mehrmonatiges und mehrstufiges Bieterverfahren, an dem sich unter anderem Ryanair beteilige. "Warum geht das nicht in Deutschland?"

© Alitalia, Lesen Sie auch: Nächste Runde im Alitalia-Poker: Aus 33 werden 13

Auch den von der Bundesregierung angekündigten Überbrückungskredit in Höhe von 150 Millionen Euro kritisierte der Ryanair-Chef stark. Durch den Gläubigerschutz sei ein plötzliches Grounding der Air Berlin im Sommer genau wie bei Alitalia unwahrscheinlich. Die Staatshilfe für Air Berlin sei vielmehr "indirekt illegale Hilfe für die Lufthansa", deren Marktanteil bei einer Übernahme auf Inlandsstrecken auf 95 Prozent steigen würde, kritisierte O'Leary.

Bei einer Fusion entstünde in der Folge nicht nur ein "deutscher Champion" im Luftverkehr, sondern ein "deutsches Monster" und alle Kunden würden "in den nächsten zehn, 20 Jahren" unter höheren Ticketpreisen leiden, warnte der Ryanair-Chef. Mehrere Politiker hatten bereits erkennen lassen, dass sie einen Zuschlag für die Lufthansa favorisieren würden.

© dpa, Federico Gambarini Lesen Sie auch: Air-Berlin-Pleite: Ursachen und drohende Probleme Apropos (19)

Die Bundesregierung geht indes weiter davon aus, dass die EU-Kommission den Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro genehmigen werde. Ausgezahlt sei das Geld noch nicht. Die nötigen technischen Schritte würden aber planmäßig umgesetzt, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.

Bieterfrist soll Mitte September enden

Air Berlin sprach am Mittwoch (30. August) ebenfalls mit dem Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl, der die Fluggesellschaft komplett übernehmen möchte. Auch Wöhrl hatte zuvor kritisiert, der Marktführer Lufthansa werde bei dem Prozess bevorzugt. Zu dem Gespräch zwischen ihm und Air Berlin wurden zunächst keine Details bekannt. Die Bieterfrist endet bereits am 15. September. Danach soll der Prozess zügig abgeschlossen werden. Als Interessent für Teile Air Berlins gilt auch die britische Easyjet.

In der vergangenen Woche hatte sich Winkelmann bereits mit Vertretern der Thomas-Cook-Tochter Condor getroffen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur waren Condor-Chef Ralf Teckentrup und der Airline-Verantwortliche des Mutterkonzerns Thomas Cook, Christoph Debus, bei dem Gespräch dabei. Auch Niki Lauda gab zwischenzeitlich ein Angebot ab.

Lufthansa hat vor allem die Touristik-Tochter Niki im Blick und bietet auch für die Langstreckenflotte der Air Berlin. Nach Informationen aus Kreisen der Lufthansa-Billigtochter Eurowings bietet der Konzern für den Fall eines Zuschlags an, mindestens zwei dieser Jets in Berlin zu stationieren und von dort Fernziele anzufliegen.

Von: dh mit dpa, AFP
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