Ryanair verweigert immer noch deutsches Arbeitsrecht

Exklusiv 28.01.2019 - 13:19 0 Kommentare

Besseres Gehalt und die Anwendung deutschen Arbeitsrechts - Ende des Jahres einigten sich die deutschen Piloten und Ryanair auf neue Bedingungen. Geändert hat sich bislang nur ein Punkt.

Flugzeuge der Ryanair. - © © dpa - Niall Carson/PA

Flugzeuge der Ryanair. © dpa /Niall Carson/PA

Ryanair hat die Verträge zukünftig neu eingestellter Piloten nur in einem Punkt den mit der Pilotengewerkschschaft Vereinigung Cockpit (VC) ausgehandelten Konditionen angepasst. Laut eines aktuellen Kontrakts, der airliners.de vorliegt, ist zwar die Höhe des Gehalts verändert, nicht aber beispielsweise deutsches Arbeitsrecht zur Grundlage genommen worden - obwohl dieses in den Corner Agreements festgelegt worden war.

Man komme in den "Genuss irischen Arbeitsrechts", heißt es in dem Vertrag. Gleichzeitig hätten irische Gerichte die "exclusive Rechtsbefugnis in allen Angelegenheiten den Vertrag oder die Tätigkeit betreffend".

Streit um Pflicht für irisches Bankkonto

In den Eckpunkten, die Personalchef Peter Bellew Mitte Dezember intern kommunizierte, sollte auch das Gehalt ab Januar 2019 direkt auf deutsche Konten überwiesen werden. Auch hier erreichen unsere Redaktion durchaus konträre Aussagen, dass immer noch darauf bestanden wird, ein irisches Bankkonto zu eröffnen.

Steuereinnahmen

Gemäß der Eckpunkteeinigung soll ab April deutsches Steuerrecht angewendet werden. Auch das rückt aber wohl in weite Ferne; irische Medien berichten, dass die Finanzbehörde dann auf fast fünf Millionen Euro Steuereinnahmen verzichten müsse und sich dagegen sträube.

Dass deutsche Gesetze und Normen die Grundlage für Kontrakte hiesiger Piloten sein sollten, verweigerte Ryanair lange. Der Low-Coster willigte erst ein, dieses zukünftig zugestehen zu wollen, nachdem Politiker auf EU-Ebene Druck gemacht hatten.  

Dabei hatte immer wieder für Unmut gesorgt, dass Ryanair ihre Piloten nach eigenem Belieben mit einer Ankündigungsfrist von vier Wochen umstationieren konnte - auf Kosten der Flugzeugführer.

In den Niederlanden wurde dies im Herbst von einem Gericht untersagt. In aktuellen Arbeitsverträgen heißt es, dass das Unternehmen ohne Rücksprache über den Einsatzort verfügen könne.  

VC und Ryanair führen Verhandlungen

Im November einigte sich Ryanair mit der VC auf Eckpunkte - das sogenannte Corner Agreement. Dieses ist eine Art Ablaufplan, um einen Tarifvertrag zu erstellen. Beschlossen sei noch nichts, teilt die Pilotengewerkschschaft VC auf Anfrage mit.

Man stehe weiterhin mit Ryanair in Kontakt und habe sich in diesem Jahr bereits zu Verhandlungen getroffen. Ryanair selbst will nach eigener Aussage bis Ende Februar einen Abschluss erzielen.

Ob die in dem Eckpunktepapier angeschnittenen Forderungen noch umgesetzt werden, ist genau so wenig zu erfahren wie, ob in Deutschland inzwischen alle Piloten bei Ryanair direkt angestellt sind. Der Low-Coster lässt auf Nachfrage mitteilen, dass man sich aktuell in den Vorbereitungen zur Präsentation der Quartalszahlen befinde und deshalb nicht auf die Anfrage unserer Redaktion eingehen könne.

Unter anderem aufgrund der erwarteten höheren Personalkosten durch Tarifeinigungen in mehreren Ländern hatte Ryanair vor eineinhalb Wochen erneut die Gewinnprognose gekürzt. Intern werden weitere Konsequenzen diskutiert:

© AirTeamImages.com, EstevezR Lesen Sie auch: Ryanair will weitere Basen schließen

Von: cs
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