Ryanair beginnt Angriff auf Air Berlin schon früher

12.05.2015 - 17:27 0 Kommentare

Ryanair will Air Berlin in Deutschland überholen. Der Verdrängungswettbewerb startet auf der Route Köln-Berlin. Den Start auf der wichtigen innerdeutschen Rennstrecke hat Ryanair jetzt vorgezogen.

Boeing 737-800 der Ryanair am Flughafen Köln-Bonn

Boeing 737-800 der Ryanair am Flughafen Köln-Bonn
© Köln Bonn Airport

Flugzeuge der Air Berlin, Germanwings und Ryanair stehen auf dem Vorfeld der Nürnberg Airport.

Flugzeuge der Air Berlin, Germanwings und Ryanair stehen auf dem Vorfeld der Nürnberg Airport.
© Nürnberg Airport

Ryanair kann es kaum abwarten, ihre Flüge zwischen Berlin und Köln/Bonn aufzunehmen. Ursprünglich zum Winter angekündigt, startet der Billigflieger die Verbindung jetzt schon zum September. Bei ihrer Expansion auf dem deutschen Markt hat Ryanair besonders einen Konkurrenten im Visier: die finanziell angeschlagene Air Berlin.

Die Kunden würden von der Wiederaufnahme von innerdeutschen Ryanair-Flügen profitieren, sagte Marketingchef Kenny Jacobs heute in Berlin gegenüber airliners.de. Mit den niedrigen Werbepreisen mache man sogar der Bahn und den Fernbussen Konkurrenz. Da sei es nur logisch, dass Air Berlin schon bald reagieren müsse.

Air Berlin wird schon bald Frequenzen abbauen.

Kenny Jacobs, Ryanair Chief Marketing Officer

In der Tat hält sich Air Berlin bislang aus dem Preiskampf heraus. Man werde die neue Situation auf der Verbindung genau beobachten und gegebenenfalls reagieren, hieß es dort im März wenig kämpferisch auf airliners.de-Anfrage. Immerhin: Im Winterflugplan der Air Berlin ist von einem Frequenzabbau noch nichts zu sehen.

Das verunsichert Jacobs aber nicht: Man müsse nur die Finanzlage der beiden Fluggesellschaften vergleichen, um schnell zu erkennen, welche Airline sich einen Preiswettbewerb über einen längeren Zeitraum leisten könne.

Lufthansa lässt sich auf Preiskampf ein

Berlin-Köln ist eine der meistgeflogenen innerdeutschen Routen. So weist allein der heutige Flugplan 40 Flüge zwischen den zwei Städten aus. 20 davon bietet die Germanwings an, die übrigen 20 werden von Air Berlin geflogen. Doch die gemütliche Koexistenz der zwei größten deutschen Airlines wird bald empfindlich gestört.

Ryanair hat sich nämlich genau diese vielbeflogene innerdeutsche Rennstrecke herausgepickt, um ihre Deutschland-Expansion mit einem Paukenschlag zu beginnen. Dazu hatten die Iren angekündigt, zum Winterflugplan in Berlin-Schönefeld fünf Flugzeuge zu stationieren und unter anderem fünf Mal täglich nach Köln/Bonn zu fliegen.

Die Lufthansa-Billigflugtochter Germanwings hatte damals prompt reagiert und selbst Flüge zwischen Schönefeld und Köln angekündigt, die das bestehende Angebot ab Tegel ergänzen. Doch nicht nur in Sachen Frequenz ist das Kräftemessen in vollem Gange. Auch beim Ticketpreis unterbieten sich die Rivalen: Zunächst für rund 20 Euro von Ryanair angekündigt, zog Germanwings beim günstigsten Tarif auf der Strecke gleich - nur um von Ryanair sofort wieder um die Hälfte unterboten zu werden.

Ryanair will "Nummer Zwei" in Deutschland werden

Der Preiskampf mit der Germanwings hilft Ryanair sogar strategisch: Offizielles Ryanair-Unternehmensziel ist, Air Berlin vom zweiten Platz in Deutschland zu verdrängen. Weil Air Berlin nur wenig finanziellen Spielraum hat und aktuell gezwungen ist, die Durchschnittspreise sogar zu erhöhen, kommen günstigere Germanwings-Tarife für Ryanair durchaus gelegen.

Die Kampfansage auf der Berlin-Köln-Verbindung ist dabei in der Ryanair-Strategie nur der Anfang: Von heute knapp vier soll der Marktanteil der irischen Low-Cost-Airline hierzulande bis 2018 auf rund 15 Prozent anwachsen, bekräftigte Jacobs. Deutschland sei strategisch in den kommenden Jahren der wichtigste Markt.

Schon lange hat es Ryanair dabei auf die Air-Berlin-Marktanteile abgesehen. Damit wird die Hauptstadt zum Hauptschauplatz für den Verdrängungswettbewerb, denn hier betreibt Air Berlin seine wichtigste Basis. Folgerichtig stehen etliche neu angekündigte Berlin-Destinationen der Ryanair auch bei der Air Berlin im Flugplan. Der Preiswettbewerb ist also schon voll im Gange, bevor er ab dem Winterflugplan dann auch wirklich sichtbar wird.

© dpa, Patrick Seeger Lesen Sie auch: Ryanair will Lufthansa Konkurrenz machen und Air Berlin verdrängen

Langfristig werde Ryanair an allen deutschen Primärflughäfen präsent sein, ist sich Jacobs sicher. Lediglich Frankfurt sei nicht geeignet, da dort infrastrukturbedingt die Turnaround-Zeiten zu lange dauern würden. Spätestens ab Ende 2016 will Ryanair dann neben Berlin-Köln auch weitere innerdeutsche Verbindungen im Portfolio haben. Die deutschen Fluggesellschaften müssen sich auf weitere Preisschlachten einstellen.

Von: airliners.de
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