Gebührenstreit

Russland verweigert Swiss Überflüge

01.06.2010 - 17:10 0 Kommentare

Swiss muss auf Asien-Routen derzeit teure Umwege in Kauf nehmen, nachdem Russland der Airline die Überflugrechte entzogen hat. Aber auch andere Lufthansa-Töchter stecken in schwierigen Verhandlungen mit Russland. Hintergrund scheint ein Streit um Gebühren und Marktzugänge zu sein.

Airbus A340-300 der Swiss - © © AirTeamImages.com -

Airbus A340-300 der Swiss © AirTeamImages.com

Swiss darf derzeit bei ihren Asien-Routen nicht über Russland fliegen. Laut einem Bericht der NZZ (Sonntag) fliegt die Lufthansa-Tochter bei ihren Verbindungen nach Schanghai und Hongkong derzeit südlich an Russland vorbei, nachdem ihr Ende März die Überflugrechte entzogen wurden.

Weder die Fluggesellschaft noch das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) wollten sich bisher zu den Gründen äußern. Ein Sprecher des BAZL sagte der Zeitung, es fänden derzeit Gespräche mit Russland über das bilaterale Luftverkehrsabkommen statt, bei denen auch die Überflugrechte ein Thema seien. Aus verhandlungstaktischen Gründen könne man dazu aber in der Öffentlichkeit nicht Stellung nehmen.

Umweg günstiger als die Gebührenforderungen

Wie die Zeitung weiter schreibt, gebe es aber im Umfeld der Airline Gerüchte, Russland habe die Gebühren mit dem Flugplanwechsel Ende März verdoppeln wollen. „Russland verlangt von der Swiss so hohe Gebühren für die Überflugrechte nach Asien, dass sich der Umweg lohnt“, zitiert die NZZ eine namentliche nicht genannte Person aus der Bundesverwaltung.

Für einen Asien-Flug muss Swiss der NZZ zufolge nun rund vier Tonnen Kerosin zusätzlich mitführen. Dies bedeute Mehrkosten in Höhe von rund 2600 Euro. Außerdem könne die Airline durch das zusätzliche Gewicht weniger Fracht auf diesen Flügen transportieren.

Auch AUA-Rechte standen auf der Kippe

Schwierige Verhandlungen mit Russland haben auch schon andere Lufthansa-Töchter erlebt. Die „Air Transport World“ berichtete bereits Mitte Dezember 2009 unter Berufung auf eine nicht genannte Quelle innerhalb der Star Alliance, dass sich die russischen Behörden an der zunehmenden Präsenz der Lufthansa und ihrer Töchter auf dem russischen Markt störten.

Ende 2009 standen bereits die Rechte der Austrian Airlines (AUA) auf dem Spiel: Russland wollte die AUA nach ihrer Übernahme durch die Lufthansa nicht weiter als österreichische Fluggesellschaft anerkennen. Zuletzt hatte Russland Ende Mai die befristeten Landerechte der AUA noch einmal um vier Monate verlängert. Endgültig beigelegt wurde der Streit aber bisher nicht.

Erhöhter Druck für mehr EU-Slots?

IATA-Chef Giovanni Bisignani sagte bereits Ende Dezember gegenüber der „Air Transport World“, er halte das Verhalten der russischen Behörden für „keine Überraschung“. Es gehe jedoch nicht nur um Österreich, sondern auch um die Schweiz und das Vereinigte Königreich, wie Bisignani bereits damals im Hinblick auf die Lufthansa-Töchter Swiss und bmi erklärte.

Der IATA-Chef erwartete damals, dass in der ersten Jahreshälfte 2010 eine Lösung gefunden werden könne - „allerdings wird Russland etwas im Gegenzug verlangen“, beispielsweise mehr Slots für russische Airlines an Flughäfen in der EU. Die russischen Airlines hätten ihre Sicherheitsstandards verbessert, da sei es „nur logisch, dass sie mehr Zugang zu internationalen Märkten wollen“, so Bisignani.

Von: airliners.de
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