Interview "Rostock hat viele Merkmale eines 'hidden champions'"

08.02.2016 - 14:38 0 Kommentare

Rainer Schwarz ist seit gut einem Jahr Chef des Flughafens Rostock-Laage. In dieser Zeit hat sich der Airport zum Positiven entwickelt. Wie das geschafft wurde und was demnächst ansteht, erläuterte er jetzt gegenüber airliners.de.

Rainer Schwarz, Geschäftsführer des Flughafens Rostock-Laage   - © © dpa - Bernd Wüstneck

Rainer Schwarz, Geschäftsführer des Flughafens Rostock-Laage © dpa /Bernd Wüstneck

Seit Dezember 2014 ist Rainer Schwarz Chef des Flughafens Rostock-Laage. Im vergangenen Jahr hat der Airport bei den Passagierzahlen zweistellig zulegen können. In diesem Jahr soll das Wachstum weitergehen. Wie das geschehen soll und welche Vorteile Rostock-Laage hat, beantwortete Schwarz jetzt gegenüber airliners.de.

Sie sind jetzt ein Jahr Flughafenchef in Rostock. Wie haben Sie sich an der Ostsee eingelebt?
Rainer Schwarz: Wunderbar. Beruflich kann ich mich endlich wieder dem Flughafengeschäft und der Entwicklung von Flugverkehr widmen. Privat bietet die Ostsee einen hohen Erholungswert; ich wohne direkt am Strand.

Was ist an einem der kleinsten Flughäfen der Republik anders als am Hauptstadtflughafen, Ihrem früheren Arbeitgeber?
Schwarz: Der erste Unterschied, der ins Auge fällt: In Rostock verkehrt ab Sommer eine Boing 747 im regulären Passagierverkehr, Berlin braucht dazu sicherlich noch ein paar Jahre. Aber im Ernst: Natürlich spielt Berlin in einer ganz anderen Größenordnung, Rostock hat dafür viele Merkmale eines "hidden champions". Letztlich ist entscheidend, wie man einen Flughafen weiterentwickeln kann, egal wie groß er ist.

Sie setzen in Rostock sogar noch stärker als Ihre Vorgänger auf den Incoming-Tourismus und haben Kreuzfahrer als neue Zielgruppe entdeckt. Gibt es bei der Spezialisierung eines Flughafens auf Kreuzfahrgäste eigentlich Besonderheiten?
Schwarz: Bei der Frage, wie wir den Flughafen weiter entwickeln können, haben wir unsere Chancen sehr sorgfältig analysiert. Angesichts der in den letzten Jahren in Mecklenburg Vorpommern entstandenen touristischen Infrastruktur auf höchsten Niveau lag es nahe, den Incomingbereich konsequent auszubauen.

So konnten wir zum einen erstmals Flugverkehre aus Österreich und der Schweiz akquirieren. Wenn wir dieses sehr anspruchsvolle Klientel schon überzeugen konnten, ist unsere Vermutung wohl nicht ganz abwegig, dass wir hier noch weitere Potenziale in den nächsten Jahren erschließen können.

Zum anderen haben wir die Chance des boomenden Geschäftes mit Ostseekreuzfahrten ergriffen und ebenfalls erstmals Reedereien überzeugen können, ihre Zubringerflüge über Rostock–Laage abzuwickeln.

In diesem Jahr kommen die Kreuzfahrttouristen sogar regelmäßig in Jumbojets nach Rostock eingeflogen. Musste sich der Flughafen darauf speziell vorbereiten?
Schwarz: Wir haben als kleiner Flughafen zusammen mit unseren Partnern ein integriertes Serviceprodukt entwickelt, das größere Airports gar nicht darstellen können. Für die Passagiere gibt es "seamless travel" in bisher nicht gekannter Reinkultur. Reedereien können ihre individuellen Service-Philosophien umsetzen ganz nach dem Motto: "rent your own airport". So ist es uns gelungen, Flugverkehre aus Kopenhagen und Malmö abzuwerben.

© Flughafen Rostock-Laage, Angelika Heim Lesen Sie auch: Rostocker Flughafen geht Partnerschaft mit weiterer Reederei ein

Im vergangenen Jahr sind die Passagierzahlen in Rostock um rund zwölf Prozent gestiegen. Wie viele Passagiere sind im Incoming-Geschäft noch drin und welche Rolle kann der Flughafen auch für die heimische Bevölkerung spielen?
Schwarz: Wir wollen die Passagierzahl im Linien- und Charterverkehr Ende diesen Jahres verdoppelt haben gegenüber 2014. Eine Verdoppelung innerhalb von zwei Jahren ist ein zugegeben ehrgeiziges Ziel, das angesichts der Fluganmeldungen aber durchaus realistisch erscheint. Diese Wachstumsrate gilt natürlich nicht für unsere beiden anderen Geschäftsfelder, der General Aviation und der Ausbildung von Flugschülern.

Für die Geschäftsleute aus Mecklenburg-Vorpommern wollen wir die bisherige vier Mal wöchentliche Verbindung in das Drehkreuz München in diesem Jahr auf ein Mal täglich ausbauen. Nachdem unser strategischer Partner Germania ein Flugzeug im Herbst bei uns stationiert hat können sich die Urlaubsreisenden aus unserer Region bereits jetzt schon über die Verdoppelung des Flugangebotes in diesem Jahr freuen.

Mecklenburg-Vorpommern hat sich zuletzt längerfristig zum Flughafen bekannt und als EU-Randlagenflughafen müssen Sie sich nicht einmal Sorgen um die neuen Beihilferichtlinien machen. Lebt es sich in Rostock also gänzlich unbeschwert?
Schwarz: In der Tat haben uns sowohl das Land Mecklenburg-Vorpommern wie auch unsere Gesellschafter schon in wesentlich schlechteren Zeiten viel Vertrauen entgegen gebracht. Mit der Entwicklung des vergangenen Jahres wie auch den für dieses Jahr gelegten Wachstumsimpulsen haben wir sicherlich eine solide Basis geschaffen, auf der das Land wie auch die Gesellschafter ihre bisherigen Unterstützungsleistungen auch zukünftig weiter fortsetzen können.

Zur Person

Rainer Schwarz ist seit Dezember 2014 Geschäftsführer des Flughafens Rostock-Laage. Mitte Januar 2013 war er wegen des Debakels um massive Baumängel beim künftigen Hauptstadtflughafen BER entlassen worden. Ende 2005 war er zum Vorsitzenden der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen gewählt worden. Zuvor hatte er bereits Erfahrungen in der Geschäftsführung von kleineren Flughäfen gesammelt. So war er zwischen 1996 und 2001 Geschäftsführer in Nürnberg, bevor er in Führungspositionen bei Großflughäfen zunächst in Düsseldorf und schließlich Berlin wechselte. Seine Luftfahrtkarriere hatte Schwarz am Flughafen München begonnen.

Von: dh, gk
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