Rostock-Gesellschafter fordern Unterstützung vom Land

19.02.2019 - 07:05 0 Kommentare

Weil es ohne Germania und Fly BMI keine Linienflugverbindungen mehr ab Rostock gibt, sorgen sich die regionalen Gesellschafter um die Finanzierung. Jetzt soll Mecklenburg-Vorpommern aushelfen - will aber nicht.

Das Abfertigungsgebäude des Flughafen Rostock-Laage. - © © dpa - Jens Büttner

Das Abfertigungsgebäude des Flughafen Rostock-Laage. © dpa /Jens Büttner

In Folge der Insolvenzen von BMI und Germania steuern die Gesellschafter des Flughafens Rostock-Laage und das Land Mecklenburg-Vorpommern auf einen Konflikt um die künftige Finanzierung zu. Die drei Gesellschafter, die Hansestadt und der Landkreis Rostock sowie die Stadt Laage, sehen das Land in der Mitverantwortung und berufen sich dabei auf den Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU.

Dort sei eine "landeszentrale" Bedeutung mit unabdingbarer Notwendigkeit für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung des Landes festgestellt worden, hieß es am Montag nach einer Beratung in Rostock. Eine solche Verantwortung müsse sich sowohl in der Gesellschafterstruktur als auch in der finanziellen Sicherstellung des Betriebes des Flughafens widerspiegeln. Dabei bekräftigten sie, dass sie jedenfalls zum "Landesflughafen" stehen.

Hintergrund ist die massive Krise nach den Pleiten von Germania vor gut zwei Wochen und Fly BMI am Wochenende. Noch im Januar hatte Geschäftsführerin Dörthe Hausmann für 2018 stolz eine Rekordbilanz mit knapp 300.000 abgefertigten Passagieren präsentiert. Dazu gehörten allein rund 130.000 Urlauber-Fluggäste von Germania.

Mecklenburg-Vorpommern winkt ab

Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) machte deutlich, dass er von den Forderungen wenig hält. "Die aktuellen Turbulenzen sind durch Insolvenzen zweier Fluggesellschaften entstanden, nicht weil der Flughafen einen Gesellschafter Land hatte oder nicht." Die kommunalen Gesellschafter sollten ihre Kräfte jetzt auf intensive Gespräche mit verschiedenen Fluggesellschaften konzentrieren. Es spreche vieles dafür, dass mit der bisherigen Summe der Flughafenbetrieb weiter möglich bleibt. Zudem müsse das Land immer danach schauen, dass Subventionen für Laage vor den beihilferechtlichen Regeln der EU bestehen müssen, sagte Pegel.

Gesellschafter sind die Rostocker Versorgungs- und Verkehrsholding RVV (54,1 Prozent), der Landkreis Rostock (35,5) und die Gemeinde Laage (10,4). Die RVV ist eine 100-prozentige Gesellschaft von Rostock. Von den Gesellschaftern und dem Land wird der Flughafen mit insgesamt 2,8 Millionen Euro pro Jahr unterstützt. Das Land und die Hansestadt Rostock tragen davon jeweils eine Million Euro.

Er verwies darauf, dass der Flughafen im Vergleich zur letzten Krise 2014 über kräftige Standbeine verfüge, auf denen der Betrieb fortgesetzt werden kann. Dazu gehöre das Kreuzfahrtgeschäft, auch wenn mit der Reederei Pullmantur Cruises eine Reederei weggefallen ist. 2018 wurden über Pullmantur 23.300 Passagiere abgefertigt. Auch habe die in Laage ansässige Flugschule der Lufthansa eine deutlich zentralere Rolle innerhalb der Lufthansa für die Flugschülerausbildung eingenommen.

Dabei hat Laage gegenüber anderen Flughäfen einen "unschätzbaren" Vorteil: Die Anlage und damit auch die Kosten werden mit der Luftwaffe geteilt - eine bundesweit einmalige Kooperation zur militärischen und zivilen Nutzung. Es sei die Aufgabe der Flughafen-Geschäftsführung, Gespräche mit Regionalfluggesellschaften zu führen.

© dpa, Bern Wüstneck Lesen Sie auch: Kreuzfahrttouristen beflügeln Flughafen Rostock-Laage

Flughafenchefin Hausmann sagte am Montag, dass die Bemühungen, Ersatz für Germania zu finden, erstmals Erfolge zeigten. So werde die türkische Airline Corendon von Mitte April an zwei Mal wöchentliche Antalya anfliegen. Darüber hinaus laufen die Bemühungen, für die 199 Mitarbeiter Lösungen zu finden. Dazu gehöre die Organisation von Kurzarbeit oder die Beschäftigung in anderen Unternehmen der Gesellschafter.

Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Internationalisierung auf die Fahnen geschrieben. "Da braucht man auch eine gute Anbindung an die Welt", betonte der Vize-Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Tobias Woitendorf. Dabei sei der Flughafen Rostock-Laage stets ein gutes Argument beim Ausbau und der Anbahnung von Beziehungen.

© airliners.de, Lesen Sie auch: "Wir wollen Rostock als Ostseeflughafen etablieren" Interview

Von: Joachim Mangler, dpa
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