Air France-KLM beginnt Verhandlungen mit Gewerkschaften

Rom stimmt Verkauf von Alitalia zu

18.03.2008 - 17:57 0 Kommentare

Die italienische Regierung hat dem Kaufangebot der französisch-niederländischen Fluggesellschaft Air France-KLM für die angeschlagene Alitalia zugestimmt. Das teilte Finanzminister Tommaso Padoa-Schioppa nach einer Sondersitzung des Kabinetts in Rom mit, auf der er seine Ministerkollegen über die Offerte unterrichtet hatte. Air France-KLM will nun bereits am nächsten Dienstag mit den Gewerkschaften verhandeln.

Die Fluggesellschaft Air France-KLM hat von der italienischen Regierung grünes Licht für die Übernahme der angeschlagenen Nationalairline Alitalia bekommen. Der scheidende Ministerpräsident Romano Prodi habe den Verkauf des staatlichen Anteils von 49,9 Prozent an das französisch-niederländische Unternehmen gebilligt, teilte Wirtschaftsminister Tommaso Padoa-Schioppa nach einer Kabinettssitzung am Montagabend mit. Die endgültige Entscheidung liegt allerdings bei der neuen Regierung in Rom, die aus den Wahlen im April hervorgeht.

Mehrere Minister der Mitte-Links-Koalition, die sich kritisch zu einer Übernahme der Fluggesellschaft geäußert hatten, waren der Sitzung am Montagabend allerdings ferngeblieben. Zuvor hatten sich die italienischen Gewerkschaften gegen einen Verkauf der Alitalia ausgesprochen. Sie befürchten einen massiven Arbeitsplatzabbau.

Air France begrüßte den Beschluss der Regierung und wollte noch am Dienstag Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern bei Alitalia aufnehmen. Gewerkschaftsvertreter sind insbesondere über die Air-France-Pläne besorgt, die Frachtsparte aufzugeben und die Wartungstochter AZ Servizi zu zerschlagen. Air France hoffte dennoch, bis zum 31. März zu einer Übereinkunft zu kommen.

Das Angebot von Air France-KLM sieht den Abbau von rund 1600 der insgesamt etwa 11.000 Stellen bei der italienischen Fluggesellschaft vor. Als Kaufpreis bietet Air France eine eigene Aktie für 160 Alitalia-Anteile - das sind gerade einmal rund zehn Cent pro Aktie. Vergangene Woche hatte das Alitalia-Papier noch bei 53 Cent gestanden.

Die Stadt Mailand schloss unterdessen aus, eine milliardenschwere Schadenersatzklage wegen der von Alitalia ab April geplanten Verringerung der Flüge aus der Stadt zurückzuziehen. Alitalia habe das Versprechen nicht gehalten, den Airport Malpensa zu einem Drehkreuz auszubauen, sagte Bürgermeisterin Letizia Moratti der Zeitung "La Repubblica". Die von der Stadt kontrollierte Flughafen-Betreibergesellschaft SEA hat Klage auf Schadenersatz von 1,25 Milliarden Euro eingereicht. Air France hatte zur Bedingung für die Übernahme gemacht, dass die Klage zurückgezogen wird oder die italienische Regierung die Haftung für mögliche Kosten übernimmt.

Der anvisierte Vertrag sieht nach Angaben von Alitalia ein öffentliches Tauschangebot von Air France-KLM für 100 Prozent der Alitalia-Aktien vor. Dabei sollen je 160 Alitalia-Anteile gegen eine Air France-KLM-Aktie getauscht werden. Dies bedeutet, dass eine Aktie des italienischen Unternehmens mit knapp 0,10 Euro bewertet würde. An der Börse wurden die Anteile am Freitag hingegen noch zum Stückpreis von 0,53 Euro gehandelt.

Alitalia steckt seit Jahren in der Krise. Pro Tag macht das Unternehmen rund eine Million Euro Verlust, im Sommer droht die Pleite. Air France-KLM hatte seit Mitte Januar exklusiv mit der Regierung in Rom verhandelt.

Von: AFP, dpa
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