Ringen um Zukunft der Air-Berlin-Mitarbeiter

09.10.2017 - 10:25 0 Kommentare

Die Verhandlungen über einen Sozialplan für die Mitarbeiter der Air Berlin beginnen. Der Betriebsrat spricht von tausenden Kündigungen, die bevorstehen. Auf Job-Messen wollen interessierte Arbeitgeber um das Personal des Carriers werben.

Verwaltungsgebäude der Air Berlin am Flughafen Tegel. - © © dpa - Paul Zinken

Verwaltungsgebäude der Air Berlin am Flughafen Tegel. © dpa /Paul Zinken

Bei der insolventen Air Berlin sollen am Montag Gespräche über einen Sozialplan für die von Entlassung bedrohten Beschäftigten beginnen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen. In einer internen Mitteilung der Personalabteilung und des Generalbevollmächtigten Frank Kebekus von Anfang Oktober heißt es, dass "eine Fortführung des Geschäftsbetriebs aufgrund der hohen Verluste, die derzeit und prognostiziert dauerhaft entstehen, unmöglich und unzulässig" sei.

Deshalb haben wir heute die Personalvertretungen und den Gesamtbetriebsrat der airberlin LuftverkehrsKG aufgefordert, Verhandlungen über einen Interessenausgleich und Sozialplan aufzunehmen.

Schreiben der Air-Berlin-Geschäftsleitung

Die ehemals zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft mit mehr als 8000 Beschäftigten hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Vorerst geht der Flugbetrieb weiter, weil der Bund mit einem Kredit einsprang. Kebekus und Vorstandschef Thomas Winkelmann verhandeln mit der Lufthansa Group und Easyjet über den Verkauf. Die Verhandlungen sollen bis zum 12. Oktober unter Dach und Fach gebracht werden.

Beim Deal mit dem britischen Billigflieger gibt es laut eines Medienberichts allerdings Verzögerungen. Mit dem Kranich-Konzern hingegen solle zeitnah eine Einigung erzielt werden, allerdings hat sich Lufthansa über einen milliardenschweren Deal mit Leasing-Gebern schon rund 80 Flugzeuge der Air Berlin gesichert.

Job-Informationen im Intranet

Die Geschäftsleitung der Air Berlin betont in dem Schreiben, man setze sich bei den Bietern für möglichst gute Chancen für die Mitarbeiter ein. "Aber nicht jeder airberliner wird dort unterkommen können", heißt es. Aus diesem Grund habe das Unternehmen begonnen, im Intranet Informationen zu Jobmöglichkeiten zusammenzustellen.

Job-Messen

Am Standort Berlin sind in dieser Woche Job-Messen geplant, wie aus einer internen Rundmail von Air-Berlin-Personalchefin Martina Niemann hervorgeht. Laut eines Medienberichts präsentieren sich ab Dienstag große Arbeitgeber südlich des Flughafens Tegel den bisherigen Air-Berlin-Angestellten. An den Veranstaltungen teilnehmen würden die Deutsche Bahn, der Onlinehändler Zalando, die Service-Tochter des Chemiekonzerns BASF, der Schienenfahrzeugbauer Stadler Pankow, der Autobahn-Maut-Eintreiber Toll Collect, die Bundesagentur für Arbeit und weitere Unternehmen. Am Freitag wolle sich zudem Lufthansa-Billigtochter Eurowings auf einer eigenen Messe um Air-Berlin-Mitarbeiter bemühen. (cs)

Der Betriebsrat hat sich bereits auf massenhafte Entlassungen eingestellt, wie aus einer Mitarbeiterinformation des Betriebsrats Nord hervorgeht. In dem internen Papier heißt es: "Alle Mitarbeiter werden gekündigt!!!"  Von den drohenden Kündigungen betroffen sind laut Betriebsrat die Mitarbeiter aus nicht für den Betrieb unmittelbar relevanten Bereichen. Dies wären in erster Linie etwa 1400 Mitarbeiter von Bodenpersonal und Verwaltung. Ein Sprecher von Air Berlin wollte sich nicht dazu äußern.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte dies scharf: "Wir sind entsetzt und erwarten, dass Air Berlin zügig Stellung nimmt zu den Kündigungsvorwürfen. Man spielt nicht mit dem Schicksal von tausenden Beschäftigten!", sagte Christine Behle, Mitglied des Verdi-Bundesvorstandes.

Eurowings kontert VC-Kritik

Indes sind bereits einige Air-Berlin-Mitarbeiter zu neuen Jobs gekommen. Die Lufthansa-Tochter Eurowings hat bereits erste Piloten aus den Reihen des Pleite-Carriers eingestellt. Eine genaue Zahl nannte das Unternehmen bislang nicht.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Air-Berlin-Mitarbeiter bei Eurowings: In die (Tarif-) Flucht geschlagen Aviation Management

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatte die Abwerbungen und die Arbeitsbedingungen beim neuen Arbeitgeber kritisiert, da die Piloten bei Eurowings Europe in Österreich eingestellt wurden. Die Konditionen seien "sehr fair", man biete sehr gute und attraktive Gehälter, widersprach ein Eurowings-Sprecher.

Air-Berlin-Crews bei Eurowings beliebt

Für Crews der Air Berlin gebe es ein verkürztes Auswahlverfahren. "Aktive Air-Berlin-Crews gelten aufgrund des hohen Sicherheitsniveaus sowie der anerkannt guten Qualität der Aus- und Fortbildung für Cockpit- und Kabinenpersonal im Air-Berlin-Flugbetrieb als qualifizierte Bewerber für eine Tätigkeit in den Flugbetrieben der Eurowings Group", so Eurowings-Geschäftsführer Michael Knitter.

Eurowings steht vor einem gewaltigen Wachstumsschub, weil man im laufenden Bieterverfahren bis zu 81 zusätzliche Flugzeuge der Air Berlin übernehmen will. 31 Airbus-Maschinen sind bereits samt Besatzungen an die Eurowings vermietet und müssten im Fall einer Air-Berlin-Pleite mit eigenen Mannschaften betrieben werden.

© airberlin, Lesen Sie auch: Konkurrenz reißt sich um Air-Berlin-Piloten

Von: cs, dpa-AFX, AFP
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