Rimowas Electronic Luggage Tag ist am Ende

Exklusiv 18.07.2018 - 13:54 0 Kommentare

Auch wenn es nicht offiziell ist: Rimowas E-Gepäckanhänger ist zwei Jahre nach seiner Einführung schon wieder Geschichte. Hersteller und Produktionspartner halten sich beim Thema bedeckt. airliners.de zeichnet den Weg einer Idee nach, die einst als hoffnungsvolle Innovation galt.

Das Electronic Luggage Tag am Rimowa-Koffer ist gut lesbar angebracht. - © © airliners.de - Andreas Sebayang

Das Electronic Luggage Tag am Rimowa-Koffer ist gut lesbar angebracht. © airliners.de /Andreas Sebayang

Rimowas Electronic Luggage Tag ist offenbar Geschichte: Der neuen Rimowa-Kofferserie fehlen die E-Ink-Displays zur Darstellung der Gepäckidentifikation, neue Partner gibt es nicht mehr und Reaktionen in der Branche sind sehr verhalten.

2014 präsentierten T-Systems, Airbus und Rimowa ein System mit dem Namen Bag2Go, das die Handhabung von Koffern digitalisiert. Die Koffer sollten RFID-Tags bekommen, damit Scanner lediglich per Nahfunk den Zielort eines Gepäckstücks erkennen können. Das Tracking sollte nicht nur die Abläufe am Airport erleichtern sowie Kofferverluste minimieren, sondern auch dem Passagier via App zur Verfügung stehen.

Was Rimowa dann im Alleingang auf den Markt brachte war aber nur eine "abgespeckte" Version des Bag2Go-Konzepts. Eine Digitalisierung, die einzig und allein das Gepäckband aus Papier samt des Barcodes auf ein Display bringen sollte ... Die Arbeit hatte der Besitzer des Koffers: Er zahlte einen Aufpreis, damit in der Theorie das Personal am Boden nicht mehr mit dem Koffer hantieren muss. Schöne Idee, doch Tests zeigten: Es klappt nicht immer.

Die Industrie möchte weg vom Barcode

Die Flughäfen hatten von dem Konzept jedenfalls wenig. Der in der Luftfahrtbranche allgegenwärtige Software-Spezialist Sita erachtet das Electronic Luggage Tag nur für den Passagier als interessant. Stattdessen setzt er auf den Einsatz von RFID-Tags - so wie es auch die Iata-Resolution 753 tut, um die Anzahl der fehlgeleiteten Gepäckstücke deutlich zu reduzieren. Statt komplexer optischer Überwachung der Gepäcksortierung soll in kurzer Distanz das RFID-Tag des Koffers per Funk gescannt werden. Wie das Gepäckstück liegt, sei dann egal.

© Delta Air Lines, Lesen Sie auch: Beim RFID-Koffer-Tracking gibt es viel Potenzial aber keine Standards

Aber auch die Mitarbeiter am Flugzeug müssen nicht mehr so genau zielen. RFID wird in Kofferbändern in der Praxis mittlerweile auch vereinzelt umgesetzt, denn die Funk-Tags lassen sich in das bedruckbare Papier integrieren. Ähnlich wie dies bei Papierfahrscheinen in Lissabon oder Sevilla der Fall ist. Auch dort sind Chips und Antennen ins Papier integriert. Die Technik ist vergleichsweise alt und dank viel Erfahrung robust.

Doch den Rimowa-Koffern, immerhin die teuersten ihrer Art und teils in Deutschland produziert, fehlten RFID-Tags. Und technisch weit vorausgedacht, hat das Traditionsunternehmen offenbar auch nicht. Bis heute blieb unsere Anfrage unbeantwortet, ob das System anderen Kofferherstellern angeboten wird. Geplant war das aber einmal. Problematisch war zudem die Anzeige von langen Namen und besonderer Prioritätsstufen. Auf Vielflieger war das System nicht vorbereitet.

Ein System mit vielen Macken

So blieb es zunächst beim Alleingang - nur mit der Lufthansa-Gruppe und dort zunächst nur Lufthansa. Doch das System funktionierte kaum. Die Kollegen von Computerbase entdeckten einige Unstimmigkeiten, waren beim ersten Test enttäuscht. Und auch ein airliners.de-Test offenbarte Mängel. Die Höhepunkte bis heute waren mehrere unnötig ins System eingegebene Gepäck-IDs, Kofferverspätungen und sogar das komplette Abkleben des Displays mit eingebuchten Electronic Luggage Tags durch das Bodenpersonal. Fluggäste erfuhren oft erst am Flughafen, dass das Electronic Luggage Tag von dem jeweiligen Flughafen nicht unterstützt wird.

Kurz nach der Einführung über die Lufthansa startete auch Eva Air aus Taiwan mit dem Luggage Tag. Die Erfahrungen hier waren erheblich besser. Bei der Lufthansa-Gruppe besserte sich die Lage auch nicht, als Swiss anfing, im März 2017 das Electronic Luggage Tag zu unterstützen. Wer mit Swiss flog, der musste die Lufthansa-App nutzen.

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Die Swiss-IT gelobte Besserung und nannte grob 2018 für eine eigene Integration. Ein ähnliches Problem hat Austrian Airlines seit dem Start im September 2017. Auch hier muss die Lufthansa-App offiziell verwendet werden.

Es waren einmal fünf Airlines

2016 nannte Rimowa noch fünf Startpartner für das eigene Electronic-Luggage-Tag-Konzept:Lufthansa, Eva Air, United, Thomas Cook und Condor. 2017 verschwanden drei dieser Firmen. Offizielle Begründung: Rimowa arbeitet mit zahlreichen Fluggesellschaften zusammen und wollte deswegen nicht mehr alle nennen. Das klang gut, waren dadurch doch noch mehr Airlines mit Unterstützung zu erwarten … Doch bis heute ist davon nichts spruchreif.

United, immerhin einer der größten ausländischen Carrier mit Ziel Deutschland, bestätigte nur, dass sich das Unternehmen weiterhin in der Testphase befindet. Wäre der Marktstart absehbar, müsste der US-Carrier eigentlich mehr Informationen liefern können. So bleiben große Zweifel. Die Thomas-Cook-Tochter Condor konnte auf Anfrage gar keine neuen Informationen zum Status des Projekts nennen.

Das digitale Gepäckband ist am Ende

Noch schlechter war die Reaktion von Rimowa. Auf mehrere Anfragen reagierte der Kofferhersteller gar nicht. Der Online-Shop-Bereich für Koffer mit Display ist nicht mehr zu erreichen.

Partner Lufthansa hat zudem seit einiger Zeit Rabatte im World-Shop auf die Koffer mit Display. Stolze 27.000 Meilen werden beim Kauf per Meilen angerechnet. Zum Vergleich: Ein Inlandflug für 100 Euro bringt lediglich rund 500 Meilen.

© airliners.de, Andreas Sebayang Lesen Sie auch: Den Schaden hat der Hersteller Gedankenflug

Auch wenn nichts davon offiziell ist, kann man wohl davon ausgehen, dass das Rimowa Electronic Luggage Tag zwei Jahre nach seiner Einführung schon wieder Geschichte ist. Jene Passagiere, die den Mehrpreis bezahlt haben - und sei es nur aus Neugierde -, haben Pech gehabt. Die Displays samt der Apps funktionieren aber weiterhin - noch.

Von: as
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