Rheinland-Pfalz will Kerosin am Boden mit mehr Messstationen nachweisen

04.04.2019 - 10:13 0 Kommentare

Rheinland-Pfalz will auf Druck aus der Bevölkerung gegen Fuel Dumping mehr Bodenmessstationen aufstellen. Denn bislang sind alle Messwerte unbedenklich. Kerosin wird nur selten und nur in Notsituationen abgelassen.

Fuel Jettison aus Passagiersicht an einem Airbus A340-600. - © © CC/GNU - Bobmil42

Fuel Jettison aus Passagiersicht an einem Airbus A340-600. © CC/GNU /Bobmil42

Mit nachgerüsteten Messstationen und Zusatzgeräten will Rheinland-Pfalz auf die Sorgen von Einwohnern und Kommunen zum Thema Fuel-Dumping reagieren. "Die Ablässe von überschüssigem Kerosin über Rheinland-Pfalz haben bei vielen Bürgerinnen und Bürgern zu großen Sorgen und in vielen Räten zu Resolutionen geführt", sagte Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) in Mainz. Mit den Messstationen im Pfälzerwald, aber auch im Hunsrück und in der Westpfalz könne die Landesregierung die Luftqualität im möglichen Überfluggebiet besser überwachen.

Dem Ministerium zufolge setzten Flugzeuge allein zwischen 2016 und November 2018 rund 590 Tonnen Kerosin über dem Bundesland frei. Neben der Messstation im Pfälzerwald (Hortenkopf) wurden nun die Stationen in der Westpfalz (Dunzweiler) und im Hunsrück (Leisel) nachgerüstet. Damit sind in möglichen Ablassgebieten drei Detektoren aktiv, die Kohlenwasserstoffverbindungen in der Luft messen können.

"Die Nachrüstung von zwei weiteren Messstationen ist nur eine von vielen Maßnahmen, mit denen wir uns dafür einsetzen, zum Schutz der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger sowie der Umwelt die Belastung durch Kerosinablässe zu verringern", meinte die Ministerin.

Messwerte bislang unbedenklich

Die Landesregierung habe zudem bei der Umweltministerkonferenz 2017 erreicht, dass die Bundesregierung die bisherige Einschätzung von Gutachtern - dass Kerosinablässe für die Umwelt und den Menschen unbedenklich seien - neu bewerten lasse. "Ich hoffe, dass die Ergebnisse auf der Umweltministerkonferenz im Mai vorgestellt werden", sagte Höfken. "Bisher sind die Messwerte unauffällig und typisch für den ländlichen Raum, das ist eine gute Nachricht. Aber wir werden das natürlich weiter beobachten", sagte Höfken. Die Landesregierung hatte im Oktober mit einer Bundesratsinitiative mehr Transparenz zum Notablassen von Treibstoff erreicht.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Bundesrat für schnellere Information bei Kerosin-Ablass

Einige Flugzeuge können in besonderen Notlagen Treibstoff ablassen, um mit weniger Gewicht sicher landen zu können. Kommt es während eines Fluges zu einem Problem kann es sein, dass das Flugzeug zwar landen muss, aber noch schwerer als das maximale Landegewicht ist. Um Risiken bei der Landung zu umgehen, gibt es daher bei großen Flugzeugen für diese speziellen Fälle die Möglichkeit, dass Kerosin abgelassen werden kann.

Die Flugsicherung teilt den Flugzeugen dazu bestimmte Flughöhen und Gebiete zu, unter anderem im südlichen Rheinland-Pfalz. Das Bundesland ist wegen der Nähe zum Frankfurter Flughafen vergleichsweise häufig von Kerosinablässen betroffen.

Die hohe Eigengeschwindigkeit verbunden mit der in Relation geringen Auslassgeschwindigkeit führt dazu, dass ein Großteil des Kerosins verdampft und nur ein sehr geringer Teil am Erdboden ankommt – verteilt auf eine sehr große Fläche. Alles in allem wird dieses Verfahren ohnehin sehr selten angewandt - nicht zuletzt weil nicht alle Flugzeuge mit entsprechenden System ausgestattet sind:

© AirTeamImages.com, Olivier Corneloup Lesen Sie auch: Im Landeanflug wird niemals Kerosin abgelassen Antworten aus dem Cockpit

Kritiker in Rheinland-Pfalz fordern dennoch allgemein mehr Transparenz. Es sei unklar, welche Folgen das Ablassen von Kerosin für Gesundheit und Umwelt haben. Mehr als 78.000 Menschen hatten eine Online-Petition dazu unterzeichnet. Die Landesregierung und die Deutsche Flugsicherung sollten das Ablassen von Treibstoff binnen 24 Stunden bekannt geben, lautet die zentrale Forderung der Petition gegen "Kerosin-Regen".

Von: dh mit dpa
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