Rheinland-Pfalz kauft mehr Drohnen für die Polizei

03.04.2019 - 16:38 0 Kommentare

Sie helfen bei der Verbrecherjagd und der Analyse von Tatorten: Drohnen unterstützen zunehmend die Polizisten in Rheinland-Pfalz. Die besseren Modelle kosten so viel wie ein neues Auto.

RLP-Innenminister Roger Lewentz (SPD): Polizei in bekommt mehr Augen in der Luft - © © Innenministerium RLP -

RLP-Innenminister Roger Lewentz (SPD): Polizei in bekommt mehr Augen in der Luft © Innenministerium RLP

Es surrt. Sechs kleine Propeller drehen sich rasant. Die 35.000-Euro-Drohne steigt auf. Knallschwarz ist sie, nur der obere Teil glänzt blau und hat die weiße Aufschrift "Polizei". Am Flugplatz Winnningen nahe Koblenz führt Drohnensteuerer Ralf Schneider am Dienstag vor, wie das unbemannte Fluggerät mit einer Kamera aus 20 Meter Höhe einen fiktiven Tatort mit einem Messer und einer Pistole aufnimmt. Ein großer Bildschirm am Boden zeigt ständig die Vogelperspektive der Drohne. Die neuen fliegenden Augen eröffnen der Polizei in Rheinland-Pfalz zahlreiche zusätzliche Möglichkeiten.

Innenminister Roger Lewentz (SPD) zieht am Flugplatz Winningen im Hangar der Polizeihubschrauberstaffel des Landes eine positive Bilanz eines ersten abgeschlossenen Drohnentests. Die Spezialeinheiten der Polizei setzen die ferngesteuerten Fluggeräte bereits regulär ein. Ein weiterer Test läuft seit Anfang 2019 beim Polizeipräsidium Trier.

24 Polizeidrohnen fliegen schon in Rheinland-Pfalz, vom einfachen 100-Euro-Modell für die Ausbildung bis zu jener 35.000-Euro-Drohne mit sechs Motoren. Vier zusätzliche dieser hochwertigen, fünfeinhalb Kilogramm schweren Modelle sollen bis 2020 hinzukommen, wie Stefan Vehar, Referatsleiter im Innenministerium, in Winningen mitteilt. Rund 160.000 Euro habe das Land für Polizeidrohnen ausgegeben - das neue Quartett für vier Polizeipräsidien schlage mitsamt zusätzlicher Technik nochmals mit zusammen etwa 200.000 Euro zu Buche.

Laut Lewentz kann die Polizei für eine digitale Dokumentation von Tatorten mit Hilfe von Drohnen und einem GPS-Positionierungssystem Luftaufnahmen mit bereits vorhandenen Geodaten verknüpfen. Damit ließen sich Schauplätze von Verbrechen dreidimensional darstellen. «Dann können wir sie virtuell betreten und überlegen, wie könnten die Dinge abgelaufen sein?»

Der Leiter der Kriminaldirektion Trier, Lothar Butzen, ergänzt: "Wir wollen damit den Tatort in den Gerichtssaal bringen." Und wenn Unbeteiligte in benachbarten Gärten auf die Aufnahmen geraten? "Wir würden den Außenbereich komplett schwärzen", versichert Butzen. Niemand müsse sich Sorgen machen. Auch Lewentz betont: "Nein, wir wollen nicht die Bürgerinnen und Bürger mit Drohnen überwachen."

Bei Großveranstaltungen wie dem Rheinland-Pfalz-Tag lassen sich aber nach seinen Worten mit Drohnen gefährliche Entwicklungen früher erkennen. Der Leiter der Spezialeinheiten der Polizei, Andreas Michel, erklärt, der Flug direkt über Menschenmengen werde aus Sicherheitsgründen vermieden. Drohnensteuerer Schneider sagt zu dem von ihm ferngelenkten Fluggerät: "Wenn eine Elektronik ausfällt, wird automatisch auf eine zweite umgeschaltet. Genauso gibt es auch einen zweiten Akku." Und einen Fallschirm.

Die Spezialeinheiten der Polizei für besonders gefährliche Einsätze werden laut Lewentz mit Drohnen in die Lage versetzt, "über eine Mauer und um die Ecke schauen zu können". Es geht auch um die Eigensicherung von Polizisten. Michel sagt: "Bei Sprengstoff können wir nahe heranfliegen." Die neueste Entwicklung sei, sich in Gefahrenlagen auch "indoor" mit Drohnen einen ersten Überblick zu verschaffen, beispielsweise in Schulen und Hallen.

29 sogenannte Luftfahrzeugfernführer für Drohnen hat die Polizei Rheinland-Pfalz laut Michel bislang ausgebildet. Die Grundausbildung bei der Polizeihubschrauberstaffel dauert nach Angaben ihres Leiters Ralf Schmitz fünf Tage. Es gehe nicht nur um Fernlenkung, sondern etwa auch um Wetterkunde, Luftfahrtrecht und Taktik. Lewentz sagt, Drohnen seien keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zu den Polizeihubschraubern.

Von: Von Jens Albes, dpa
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