Rekorde, Rekorde, Rekorde!

04.01.2016 - 12:47 0 Kommentare

2015 war ein Rekordjahr für die Luftfahrt in Deutschland. Schade nur, dass die Branche nicht zum Wachstum steht, meint airliners.de-Chefredakteur David Haße - und hätte bei all den Passagierrekorden fast die Fluggesellschaften vergessen.

Wegen des Streiks müssen diese Reisenden länger warten. - © © dpa - Marijan Murat

Wegen des Streiks müssen diese Reisenden länger warten. © dpa /Marijan Murat

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Lassen Sie mich das neue Jahr mit guten Nachrichten beginnen: Die Weltwirtschaftskrise scheint überwunden, in Deutschland gab es 2015 wieder ein vernünftiges Passagierwachstum, das Öl ist billig und die Flugsicherung ist bei der Anzahl kontrollierter Flüge nur knapp am Rekordjahr 2008 vorbeigeschrammt. Die Verkehrszahlen-Prognosen des DLR und Iata zeigen für den Luftverkehr in Deutschland weiter nach oben und die Flughäfen haben sich im abgelaufenen Jahr mit neuen Passagierrekorden geradezu überboten.

In Frankfurt gab es für 2015 einen neuen historischen Rekordwert: über 60 Millionen Passagiere! Und mit 40 Millionen wurde auch in München ein neues Allzeit-Hoch bei den abgefertigten Passagieren verbucht. Auch sonst Rekorde allerorten: Berlin, Düsseldorf, Hamburg. Die Liste ließe sich fortführen.

Schade nur, dass davon kaum einer davon etwas mitbekommt. Während man sich kurz vor Weihnachten in Frankfurt damit begnügte, das angestaubte Fluggi-Maskottchen für ein Erinnerungsfoto neben glückliche Condor-Passagiere zu stellen, wurde der Rekordpassagier in München offenbar gar nicht erst gefeiert. Mehr noch: Es gab nicht einmal eine Pressemitteilung.

Da frage ich mich: Warum? Will sich die Branche nicht mit wachsenden Verkehrszahlen präsentieren? Will sie nicht sagen: Schaut her, die Investitionen in neue Terminals, Satelliten und neue Bahnen machen Sinn? Hat sie vielleicht irgendwie Angst vor dem eigenen Wachstum?

Ich sage: Die Luftverkehrsbranche in Deutschland braucht mehr Selbstvertrauen, um wichtige Ausbauvorhaben zu stemmen. Sollten die Prognosen wirklich zutreffen, quetschen sich nämlich statt heute rund 110 Millionen in gerade mal 15 Jahren schon 180 Millionen Passagiere durch überfüllte deutsche Flughäfen. Glauben Sie mir, spätestens dann hat auch der letzte Regionalflughafen wieder Wachstum.

Wären da nicht die deutschen Fluggesellschaften...

Aber Moment. Ich darf nicht die deutschen Fluggesellschaften vergessen. Und die brechen momentan das Selbstvertrauen der Branche doch ganz gehörlich. So hat die Lufthansa im abgelaufenen Jahr nicht wirklich zu den Rekordwerten an den Flughäfen beigetragen. Eher im Gegenteil: Die Streiks haben Passagiere gekostet und das nicht zu knapp.

Ohnehin restrukturiert sich der Kranich mit ungewissem Ausgang. Da muss man nicht mal bis an den Golf oder nach Asien schauen: Schon heute holen die anderen zwei großen Airlinegruppen in Europa auf. Air Berlin kämpft derweil tapfer weiter und auch Condor wird im Konkurrenzkampf weiter auf die Probe gestellt.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass die Flughäfen der Republik ihr Passagierwachstum aktuell in erster Linie den ausländischen Airlines zu verdanken haben. Genau wie die Statistik der Deutschen Flugsicherung vor allem von den Überflügen profitiert hat. Verstehen Sie mich nicht falsch: Das muss nicht schlimm sein und liberale Luftverkehrspolitik ist ja ganau dazu da, Wachstum zu generieren.

Allerdings hat Intersky gerade anschaulich demonstriert, wie ersetzbar einzelne Fluggesellschaften sind. Das ist die andere Seite der Rekord-Medaille. Und ich habe Sorge, dass uns diese Seite im neuen Jahr mehr beschäftigen wird, als uns allen lieb sein kann.

Über den Autor

David Haße David Haße ist Herausgeber und Chefredakteur von airliners.de. Der studierte Marketing- und Kommunikationsfachmann ist beruflich seit rund 15 Jahren in der Onlinebranche zu Hause. 2007 wagte er mit dem zuvor als Projekt gestarteten airliners.de den Schritt in die Selbständigkeit. Kontakt: david.hasse@airliners.de

Von: dh
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