Regionalflughäfen müssen wirtschaftlich bald auf eigenen Beinen stehen

30.07.2014 - 14:10 0 Kommentare

Von den 22 Verkehrsflughäfen in Deutschland erwirtschaften derzeit nur sechs einen Nettogewinn. Die EU will das ändern. Auf der Suche nach neuen Erlösquellen hat der Flughafen Dortmund jetzt eine neue Idee.

Start- und Landebahn am Flughafen Dortmund. - © © Dortmund Airport  -

Start- und Landebahn am Flughafen Dortmund. © Dortmund Airport

Den Reisenden am Flughafen Dortmund steht ab sofort eine "Überholspur" an der Security zur Verfügung. Sie ist allerdings kostenpflichtig: Für fünf Euro, die die Reisenden bar oder per EC- und Kreditkarte am Informationsschalter in der Eingangshalle entrichten müssen, dürfen sie die sogenannte «Fast Lane» nutzen.

Das Angebot richtet sich in erster Linie an Geschäftsreisende unter Zeitdruck. «Im Zuge der neuen EU-Subventionsregelungen sind wir auf der Suche nach neuen Einkommensquellen», so Flughafen-Sprecher Sebastian Scheske zu dem neuen kostenpflichtigen Angebot.

Nach einem EU-Beschluss vom Februar müssen die bislang häufig subventionierten kleinen Flughäfen ihren laufenden Betrieb von 2024 an selbst finanzieren. Bis dann sind noch Betriebsbeihilfen in geringerem Umfang erlaubt.

Die wenigsten Flughäfen erwirtschaften Gewinne

Das stellt viele kleinere Flughäfen vor ein Problem. Von den 22 Verkehrsflughäfen in Deutschland erwirtschaften derzeit nur sechs einen Nettogewinn. Dies sagte ein Sprecher des Flughafenverbandes ADV am Dienstag. Die finanzielle Situation der Airports bleibt damit so ernst wie in den beiden Jahren zuvor.

Gleichzeitig stiegen die Passagierezahlen in Deutschland im ersten Halbjahr um 2,1 Prozent auf 96 Millionen. Seitdem sich die Lowcost-Airlines für Kooperationen mit den Touristikunternehmen öffnen, würden diese insbesondere auf den touristischen Kontinental-Destinationen mit den etablierten Touristik-Carriern konkurrieren, so die ADV. Das schaffe Wachstum für Flughäfen.

Die insgesamt positive Verkehrsentwicklung fällt aber für die einzelnen Standorte unterschiedlich aus. So erzeugt der aus Flughafensicht wachstumsfördernde Wettbewerb unter der Fluggesellschaften auch am Boden Verlierer: Nürnberg, Paderborn/Lippstadt und Saarbrücken verloren in der Halbjahresstatistik der ADV prozentual die meisten Fluggäste. Die beiden erstgenannten hatten mit einem starken Rückgang im Air-Berlin-Angebot zu kämpfen, Saarbrücken liegt seit Jahrem im ständigen Standortkampf mit dem nahen Zweibrücken.

Saarland hofft auf mehr Fluggäste

Nachdem die EU nun offenbar klargestellt hat, diese offenkundige Fehlentwicklung in Deutschland nicht zu dulden, könnte der saarländische Flughafen vom möglichen Aus seines 20 Kilometer entfernten Konkurrenzen in Rheinland-Pfalz profitieren. Es müsse sich aber noch zeigen, ob und in welchem Umfang insbesondere Charter-Fluggesellschaften, die derzeit noch von Zweibrücken fliegen, ihr Geschäft künftig über Saarbrücken abwickeln wollten, sagte jetzt der saarländische Wirtschaftsstaatssekretär Jürgen Barke (SPD). Er gehe aber davon aus, dass die Passagierzahlen - von gut 400.000 im Jahr 2013 - schneller steigen könnten als geplant.

Die Betreiber von Zweibrücken hatten vergangene Woche Insolvenz beantragt. Die EU hatte durchblicken lassen, dem Flughafen die Subventionen zu streichen. Saarbrücken kann dagegen von Sonderregelungen in den neuen EU-Richtlinien profitieren und weiter operieren, obwohl auch Saarbrücken - wie die allermeisten deutschen Flughäfen - momentan noch nicht allein überlebensfähig ist.

© Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden, Lesen Sie auch: Diese Regionalflughäfen sind von den neuen EU-Subventionsregelungen betroffen

Nach Informationen des «Handelsblatts» sind in Deutschland Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart und Köln/Bonn seit 2012 die einzigen Airports mit schwarzen Zahlen. EIgentlich müsste auch noch Berlin in dieser Aufzählung vorkommen. Dort gibt es aber derzeit andere Probleme: Die Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld machten zuletzt trotz Passagierboom wegen der Kosten für den neuen Hauptstadtflughafen hohe Verluste.

Von: airliners.de mit dpa
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